Quelle: Archiv MG - BRD GEWERKSCHAFT IG-METALL - Gleiche Arbeit und Armut für alle
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Teach-In
Klassenkampf 80/81:
WIE HOESCH SANIERT WIRD
Es sind kaum vierzehn Tage vergangen, seit die IG Metall 40 000
Dortmunder Bürger auf die Straße brachte, um unter der Parole
"Stahlwerk jetzt - Arbeitsplätze sichern" die "unverantwortliche
Entscheidung" des HOESCH-Vorstandes zu kritisieren und eine
"unheilvolle Kettenreaktion" für die ganze Region zu beschwören,
da will die Gewerkschaft von der ganzen Sache nichts mehr wissen.
Auf der Vertreterversammlung der Dortmunder IG Metall am 12.12.
wurde beschlossen, ab sofort von jeglichem Protest gegen die an-
stehenden Entlassungen bei HOESCH Abstand zu nehmen und die For-
derung nach dem Bau eines neuen Stahlwerks ad acta zu legen. Laut
Beschluß der Delegierten "erwartet" die IG Metall, daß sie der
geplanten Entlassung von 10 000 HOESCH-Arbeitern keinen Stein in
den Weg legen wird:
"Die IG Metall stellt sich darauf ein, daß das geplante Stahlwerk
bei Hoesch bis Mitte der Achtziger Jahre nicht gebaut wird.
Gleichzeitig erwartet die Gewerkschaft einen Abbau von Ar-
beitsplätzen, der weit über die im letzten Frühjahr genannte Zahl
von 4200 hinausgeht." (WAZ vom 13.12.)
Es fragt sich also: was wird hier eigentlich gespielt?
- Was soll man von einer Gewerkschaft halten, die es ablehnt,
Entlassungen ihrer Mitglieder zu verhindern und die nun nach dem
ganzen Theater um den Bau des neuen Stahlwerks einen heißen
Streit über die städtische Industrieansiedlung in Szene setzt
("IG Metall attackiert Wirtschaftsförderung", WAZ)?
- Was soll man sich bei einer öffentlichen Diskussion über HOESCH
denken, die noch jede unternehmerische Kalkulation unter dem Ti-
tel "wie bewältigt HOESCH seine Probleme" bespricht?
- Wie ist es einzuschätzen, wenn Politiker in Stadt und Land be-
kunden, "Schulter an Schulter mit den HOESCH-Arbeitern" (RAU) zu
stehen und ansonsten einem "vernünftigen Unternehmenskonzept" bei
HOESCH das Wort reden?
- Was denkt sich eigentlich die "Basis", die ja immerhin ganz
schön betroffen ist? - Und nicht zuletzt: wie muß man zu Bürgeri-
nitiativen stehen, die sich angesichts ziemlich eindeutiger Ent-
wicklungen immer noch fragen: "Wie wird es in Dortmund weiterge-
hen?"
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