Quelle: Archiv MG - BRD GEWERKSCHAFT IG-METALL - Gleiche Arbeit und Armut für alle


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       Bremer Hochschulzeitung Nr. 46, 08.12.1981
       
       Wochenschau
       

FRANZ STEINKÜHLER

der "radikale" IG-Metall-Chef aus dem Württembergischen, hat letzte Woche die Lohnforderung für seinen Bezirk auf den Tisch gelegt. DM 100,- im Monat mehr für alle plus 3%. Nach-seinen Be- rechnungen ergibt dies ein "Gesamtforderungsvolumen von 7,5 %." Sein Tarifpartner Stihl hielt dies postwendend für eine relativ vernünftige Forderung, wenn man bedenke, daß die Inflationsrate 6,8% betragen wird. Dagegen haben diverse Metallkapitalistenkol- legen des Herrn Stihl protestiert und ihn an eine Festlegung von Gesamtmetall erinnert, daß in der anlaufenden Tarifrunde eine "Reallohnsicherung", wie sie der Gewerkschaft vorschwebt, nicht drin sei. Dies gehört jedoch zum taktischen Geplänkel der Gegen- seite, weil die Stihlkritiker genauso wissen wie Franz Steinküh- ler, daß am Ende keine 7,5%, sondern irgendwas zwischen den Zif- fern 4 und 5 vorm Komma rauskommen wird. Aber auch die Gewerk- schaft hat sich was einfallen lassen, wie sie ihre Vorabunterwer- fung unter den nationalen Beschluß, daß 1982 eine Minus-Null- Lohnrunde ansteht, doch noch kämpferisch austragen kann: Der Vor- schlag mit dem "Festgeld" von DM 100,- wird auf den erbitterten Widerstand des Kapitals stoßen, für das dieses Musterbeispiel vor! Gewerkschaftssolidarität als Einheit für Verzicht (die höhe- ren Lohngruppen opfern für die unteren, statt daß alle soviel kriegen, wie sie brauchen) allemal als Anschlag auf das "Leistungsprinzip" gilt, weil er das Kapital dabei behindert, seine Arbeitskraft nach Maßstab ihrer B r a u c h b a r k e i t zu entlohnen. Die Tarifrunde wird also ein "zähes Ringen" um die Relation von Festgeld und Prozenten werden, an dessen Ende es der "harte" Steinkühler als s e i n e n Erfolg feiern darf, über- haupt noch ein Festgeld "durchgesetzt" zu haben. Daß die Arbeiter auf jeden Fall weniger Geld zum Leben haben, ist ohnehin eine ausgemachte Sache, weil der Staat dies für notwendig hält, das Kapital das fordert und die Gewerkschaft sich ihrer nationalen Verantwortung nicht entzieht. zurück