Quelle: Archiv MG - BRD GEWERKSCHAFT IG-METALL - Gleiche Arbeit und Armut für alle


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ZWEI SORTEN STREIKS

Pünktlich zur Tarifrunde hat die I G - M e t a l l bei VW warn- streiken lassen. Die VWler durften an jedem VW-Standort mal kurz vors Betriebstor treten; in Hannover wurden die Arbeiter sogar hochoffiziell mit Sonderzügen der Straßenbahn zum Verwaltungsge- bäude transportiert, damit sie dort ihrer "Empörung" öf- fentlichkeitswirksam Luft machen konnten. Die Erpressungsleistung dieses "Streiks" war ungeheuer: in Wolfsburg z.b. haben es 30 000 Leute fertigbekommen, durch ihr Fernbleiben vom Arbeitsplatz die Produktion von sage und schreibe 500 Autos zu behindern. Das nennt die IG-Metall "Druck machen". Der mußte sein, weil das Unternehmerangebot von 4,5% angeblich "ein Hohn" war, was man schon daran sieht, daß die IG Metall 8,5% gefordert hatte. Kein Hohn, sondern genau die Geldsumme, die dem Geldbeutel der VW-Ar- beiter zu seinem Glück gefehlt hat, sind hingegen die 6%, die jetzt ganz unerwartet als Abschluß rausgekommen sind; plus einem Sieg für den gewerkschaftlichen Arbeitszeit-Rechenschieber, selbstverständlich. Die IG-Metall läßt eben nichts unversucht, um die VW-Führung zur Unterschrift unter den Tarifvertrag zu "zwingen", und die ist von solchen Aktionen offenbar sehr beein- druckt. Gegen die Festlegung der Prämie im Werk Wolfsburg haben neulich A r b e i t e r gestreikt. Ganz ohne die Unterstützung der "mächtigsten Einzelgewerkschaft der Welt" fiel es einer einzigen Schicht gar nicht schwer, in kürzester Zeit die Produktion von 2000 Autos zu unterbinden. Prompt hatten sie nicht nur die Werks- leitung, sondern auch ihre Interessenvertretung zum Feind. Die Werksleitung zeigte kein Stück Nachgiebigkeit, sondern beschloß, die "Rädelsführer" zu entlassen. Die IG-Metaller im Betriebsrat waren zunächst für den Rausschmiß und haben sich erst nach langer Debatte zur Ablehnung bereitfinden können. Für die Leute ist Ab- mahnung und Lohnkürzung dabei herausgekommen, und der Betriebsrat gibt auch noch damit an, sie vor dem Schlimmsten "bewahrt" zu ha- ben. Vonwegen also: ohne Gewerkschaft wäre alles noch schlimmer! Die klagt "Solidarität" ein, wenn sie die Arbeiter mal wieder zu ei- ner Demo gegen die unternehmerische Mißachtung der maßvollen ge- werkschaftlichen Forderungen antreten lassen will. Dafür hat man sich als treudoofes Gewerkschaftsmitglied vors Tor zu stellen, Lohnabzüge und/oder Nacharbeit inklusive, damit die gute Zusam- menarbeit mit dem Kapital ja nicht gestört wird. Wenn Leute von sich aus beschließen, daß ihnen am Lohn oder an den Arbeitsbedingungen, die ihnen das Kapital serviert, etwas nicht paßt, dann fällt ihnen "ihre" Interessenvertretung mit ihrer gan- zen Macht und Regelungskompetenz garantiert in den Rücken. Dann beweist sie, was sie ist: ein Ordnungsfaktor für die bundesdeut- sche Arbeitswelt und sonst nichts. So will sie den Arbeitern bei- bringen, daß Aktionen "nichts bringen", wenn man sie nicht der Zuständigkeit der Gewerkschaft unterordnet, die ihnen ganz sozi- alfriedlich Scheißprämien und 6% aushandelt. Das soll zu allem Überfluß auch noch beweisen, daß Arbeiter mit ihren Interessen bei der Gewerkschaft gut aufgehoben sind - weil sie bei j e d e m a n d e r e n Kampf um Lohn und Arbeitszeit auf der Seite des Kapitals steht! zurück