Quelle: Archiv MG - BRD GEWERKSCHAFT IG-METALL - Gleiche Arbeit und Armut für alle


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WEISS DIE IG METALL NICHT, WAS SIE WILL?

Steinkühler in der "metall": "Beredt wird Klage geführt über zu hohe Lohnkosten, zu kurze Ar- beitszeit und zu viele Sozialleistungen. Es stimmt ja, daß die Löhne und Gehälter in der Bundesrepublik hoch, die Arbeitszeit kurz und die Sozialleistungen beachtlich sind. Darauf sind wir als Gewerkschafter zu Recht stolz, denn dies haben wir gegen den erbitterten Widerstand von Arbeitgebern und konservativen Regie- rungen durchgesetzt." (metall, 7/88) Der IG-Metall-Chef ist also s t o l z auf hohe Löhne und be- achtliche Sozialleistungen. (Er muß ja auch nicht mit ihnen auskommen!) Wenn man stolz ist auf Erkämpftes, dann - so sollte man doch annehmen - möchte man die Errungenschaften auf jeden Fall festhalten. Wie kommt es dann, daß dieselbe Gewerkschaft viel Verständnis für die "Wettbewerbsprobleme" von VW hat und beim Abbau der sogenannten Errungenschaften nur sichergestellt sehen will, daß nicht allein das Personal blutet? Die IG Metall stellt also bei VW die stolzen Errungenschaften zur Disposition! Schmeißt jetzt der Steinkühler den Peters von der Bezirksleitung Hannover (siehe Kasten auf Seite 1) aus der Gewerkschaft? Oder dieser den Steinkühler? Nichts da! Steinkühler meint das mit dem Stolz nämlich ein klein bißchen anders: Nicht den Leistungen für die Leute gilt das Selbstlob - da wäre auch wirklich nicht viel zu lobpreisen. Es gilt vielmehr der Tatsache, daß die Gewerkschaft sich damit um den Industrie- standort BRD verdient gemacht hat. Denn hohe Löhne und Sozialleistungen sind Steinkühler ein Zeichen für hohe "Leistungsfähigkeit" der deutschen Arbeiterschaft, der niemand vorwerfen darf, sie würde die deutsche Wirtschaft ruinieren. Wenn das aber so ist, daß die IG Metall s i c h gar nicht für den W o h l s t a n d i h r e r L e u t e, sondern für den W o h l s t a n d "des Industriestandortes Bundesrepublik Deutschland" loben möchte, dann darf es nicht verwundern, daß sie d i e s e n Wohlstand erhalten muß. Dringend! Und wenn dafür der sogenannte Wohlstand der Arbeiter angegriffen werden muß, dann muß das eben sein! Denn eines kann die IG Metall überhaupt nicht leiden: eine Politik, welche "die Bundesrepublik in die hinteren Reihen der Industrieländer bugsiert" (metall) So kann man auch sagen, daß sich N a t i o n a l i s m u s für die Arbeiter n i c h t l o h n t. zurück