Quelle: Archiv MG - BRD GEWERKSCHAFT IG-METALL - Gleiche Arbeit und Armut für alle


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       Das neueste Tarifproblem:
       

DER BOOM

Eigentlich war alles längst klar für die IG Metall: Wenn der auf drei Jahre abgeschlossene Metall-Tarifvertrag 1990 ausläuft, sollte die Vollendung des IG Metall-Jahrhundertwerks, der 35- Stunden-Woche, auf der Tagesordnung stehen. Noch ein Teilschritt in diese Richtung jedenfalls, noch ein "Solidaritätsbeitrag" der Beschäftigten anläßlich "unseres großen gesellschaftlichen Problems der Arbeitslosigkeit" war geplant. Keine Frage, sagte Steinkühler, "wir wissen, daß wir dadurch die Arbeitslosigkeit nicht beseitigen können", aber kümmern um sie müssen doch wenigstens wir uns. So hatte es sich die IG Metall gedacht. Doch da passierte das von allen, namentlich auch von den Gewerk- schaften, so sehr Erhoffte: ein Wirtschaftsboom sondergleichen ließ die deutsche Profitmaschinerie auf Hochtouren laufen. Um- sätze, Auftragsbestände und Gewinne erreichten Rekordmarken, die tagtäglich noch immer übertroffen werden. Das macht die Ta- rifrunde 1990 für die IG Metall auf einmal - nicht etwa viel leichter, weil mehr drin ist, nein: - zu einem richtigen P r o b l e m. Ganz ohne ihr Zutun steht nämlich plötzlich fest, daß angesichts der "krassen Auseinanderentwicklung von Löhnen so- wie von Preissteigerungen und Gewinnen" (der Tarifexperte der IG Metall Zwickel) ohne Lohnerhöhungen diesmal nichts geht. Wieder eine Einzementierung der Tariflöhne wie beim letzten für drei Jahre abgeschlossenen Lohnstop - und das, wo manche Unternehmen schon ganz freiwillig Lohnnachschläge zahlen? Nein: "Die Metaller wollen deutliche Lohnerhöhungen, sie verteidigen ihr freies Wo- chenende und sie wollen Arbeitszeitverkürzungen ... Natürlich wissen wir, daß Arbeitszeitverkürzung immer zu Lasten der Lohnerhöhungen geht" (Steinkühler im "Stern"). Da haben wir den Salat! Ohne Lohnerhöhungen geht`s diesmal wirk- lich nicht, aber die 35-Stunden-Woche muß doch weiterhin das Ziel bleiben. Beides muß jetzt sein, Lohnerhöhung und Arbeitsz- eitverkürzung. Aber eigentlich gilt doch: Entweder - oder. So sieht das nämlich die IG Metall, weil sie eines auf jeden Fall nicht will: mit ih- ren Tarifabschlüssen den Unternehmern Kosten aufbürden, die die sich womöglich selbst gar nicht ausgesucht hätten. zurück