Quelle: Archiv MG - BRD GEWERKSCHAFT IG-CHEMIE - Die Lohnfrage ist tot
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DIE IG CHEMIE HAT FOLGENDEN BRIEF GESCHRIEBEN:
"Liebe Leserinnen und Leser,
haben Sie schon einmal daran gedacht, was Sie sich alles mit ei-
nem zusätzlichen Monatseinkommen leisten könnten? Eine Flugreise
nach New York, die langersehnte Spülmaschine, Reitunterricht für
die Kinder oder vielleicht ein Jahr früher ein neues Auto - man-
cher Wunsch, mancher Traum ließe sich wohl eher und schneller
erfüllen.
Vielleicht klappt es damit ja schon bald. Zehn Prozent mehr Ent-
gelt fordert die IG Chemie in dieser Tarifrunde. Das entspricht
auf das Jahr gerechnet gut einem Monatsverdienst. Es gehört eben
zum gewohnten Geschäft von Gewerkschaftern, das heute wahr zu ma-
chen, wovon wir gestern noch geträumt haben. Sechs Wochen Urlaub
zum Beispiel.
Gewerkschafter, das sind Frauen und Männer, die nicht warten, daß
ihnen das Glück in den Schoß fällt. Die IG Chemie etwa ist eine
starke Gemeinschaft, die umso erfolgreicher sein kann, je mehr
sich ihr Menschen anschließen, die das Schicksal in die eigene
Hand nehmen.
Und: Die Zusammenarbeit mit solchen Menschen macht Spaß. Also,
nicht mehr lange gezögert, kommen Sie zu uns, werden Sie Mitglied
der IG Chemie.
Empfiehlt Ihnen die Redaktion"
Liebe Leserinnen und Leser,
sind Sie sich eigentlich darüber im klaren, daß mit dem Lohn, den
Ihre Gewerkschaft in den letzten Jahren für Sie ausgehandelt hat,
nahezu alle Ihre Wünsche in Erfüllung gegangen sind?
Haben Sie noch nicht gemerkt, daß Sie sich auch ohne ein zusätz-
liches Monatseinkommen so ziemlich alles leisten können, was Sie
brauchen? Nicht? Dann liegen Sie ziemlich schief. Ihre Gewerk-
schaft sieht Ihren Lebensstandard jedenfalls so, daß es Ihnen -
außer an ein paar Sonderwünschen wie der Flugreise nach New York,
einer Spülmaschine oder Reitstunden - eigentlich an nichts fehlt.
Sie will sich deshalb in dieser Tarifrunde um die Erfüllung die-
ser Ihrer schönsten "Träume" kümmern, um die Dinge und Notwendig-
keiten des Bedarfs muß es also an und für sich längst bestens be-
stellt sein. Denn auch ohne Spülmaschine und vorzeitigen Autokauf
läßt sich doch ganz gut leben und arbeiten, wie Sie tagtäglich
unter Beweis stellen. Drum lassen Sie den Kopf nicht hängen, wenn
es mit dem neuen Reichtum vielleicht doch nicht ganz so schnell
klappt. Denn da
1. Ihre Gewerkschaft mehr Geld für Sie ohnehin als einen netten
zusätzlichen Luxus behandelt, macht's doch wohl auch nichts, wenn
heuer nicht alle Träume in Erfüllung gehen.
2. gehört es eben zum gewohnten Geschäft von Gewerkschaftern, den
ausgehandelten Lohn als den jeweils bestmöglichen und in jedem
Fall ausreichenden Lebensunterhalt zu verkaufen, weil Sie mit ihm
auskommen müssen.
Wenn Ihnen das zu wenig ist, müssen Sie halt noch ein paar Jahre,
bis zur nächsten "Geldrunde", träumen. Dafür haben Sie schließ-
lich -
Ihre reale IG Chemie.
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