Quelle: Archiv MG - BRD GEWERKSCHAFT BETRIEBSRAT - Institution des sozialen Friedens
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Zur Werftenfusion:
SUAG - BETRIEBSRAT LÄSST DEMONSTRIEREN
Am vergangenen Freitag durften Arbeiter der SUAG-Werft erneut un-
ter Anleitung der Gewerkschaft zum Protest gegen die Fusion von
Seebeck und SUAG antreten. Im Zuge des Zusammenschlusses sind
schließlich 450 Entlassungen vorgesehen. Und was wären Massenent-
lassungen ohne öffentlichkeitswirksam in Szene gesetzten Ein-
spruch der Gewerkschaft?
Diese Begleitmusik zum Feuern
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ist die Gewerkschaft ihrer Basis schuldig, so meint sie. Also
wird himmelschreiendes Unrecht angeklagt:
"Mit dem Gewinn der SUAG zwischen vier und zehn Millionen Mark
sollte über die Verschmelzung ein Teil des Verlustes der See-
beckwerft abgedeckt werden, vermutet der Betriebsratsvorsitzende
Häring. Mit einem Einsatz, wie ihn kaum eine andere Belegschaft
vollbracht habe, sei es den Arbeitnehmern nach dem Vergleichsver-
fahren (der SUAG-Werft) gelungen, die Karre wieder aus dem Dreck
zu ziehen. Nun, da durch gute Leistungen und zum Teil Einkommens-
verluste der Arbeitnehmer das Unternehmen Gewinne mache, müsse
die Belegschaft mit Zorn im Bauch feststellen, daß der Standort
an der Geeste eventuell zugemacht werden solle." (Nordsee-Zei-
tung, 18.3.88)
Mit der Fusion von Seebeck und SUAG, so tönt der Betriebsrat,
würden die SUAG-Arbeiter um den Lohn ihrer Leistungsanstrengungen
und Lohnopfer betrogen. Durch die so zustandegekommenen Gewinne
sollen sie nämlich eine Art Versicherungspolice gegen Beleg-
schaftsabbau erworben haben. Um dieses angebliche Recht werden
sie jetzt gebracht, weil ihnen mit Seebeck ein verlustbringener
Klotz ans Bein gebunden werde.
Auf die Lüge, daß gelungene Gewinnemacherei den Arbeitern sichere
Arbeitsplätze bringe, will der Betriebsrat also nichts kommen
lassen. Und zwar auch dann nicht, wenn der Betrieb gerade vor-
führt, daß eine positive Bilanz die Werft nur dazu beflügelt hat,
sich nach neuen Wegen der Kostensenkung, also Gewinnsteigerung
umzutun und für diesen Zweck sehr zielsicher das Überflüssigma-
chen von Lohnkostgängern durch Zusammenfassung von Funktionen und
Rationslisierungsmaßnahmen im Werftenverbund in Angriff nimmt.
Aber ehe der Betriebsrat sich von diesem Schwindel, florierendes
Geschäft mache den Job der Beschäftigten sicher, verabschiedet,
erfindet er sich lieber einen geschäftsschädigenden
M i ß b r a u c h der SUAG-Gewinne: Er tut so, als sei der Sinn
der Fusion nicht die Vermehrung des Profits für b e i d e Werf-
ten, sondern ein selbstloser Opfergang der SUAG-Werft, die ihre
Gewinne dem Verlustbringer Seebeck in den Rachen werfe. Über
diese Erfindung darf sich dann die Basis ein bißchen empören.
Die praktischen Fragen der A b w i c k l u n g des Entlassungs-
programms
sind derweil bei der Gewerkschaft ebenfalls in besten Händen, wie
man folgender Forderung entnehmen kann:
"Unabdingbar sei auch der Umfang der bisherigen Ausbildung sowie
die Möglichkeit, mit 55 Jahren in den Ruhestand zu gehen. Unter
den bisherigen Bedingungen, so Segebade (IG Metall), kann das
Strukturkonzept nicht die Zustimmung der IG Metall und der be-
troffenen Arbeitnehmer finden." (ebd.)
Hier v e r l a n g t die Gewerkschaft g e g e n das Konzept
von Unternehmern und Senat ausgerechnet e i n e M e t h o d e
d e r E n t l a s s u n g, d i e d i e s e s K o n z e p t
s e l b s t v o r s i e h t: die 55iger-Regelung. Die Gewerk-
schaft bevorzugt nämlich Entlassungen, die nicht als solche gel-
ten. Und die mit der Vorruhestandsregelung produzierten Arbeits-
losen heißen ja bekanntlich nicht so, sondern Frührentner. Daß
ihnen das Einkommens- und Lohneinbußen beschert, tut dabei für
die Gewerkschaft nichts zur Sache.
Da können gewerkschaftliche Erfolgsmeldungen der erlesensten
Sorte nicht ausbleiben:
"In der gestrigen Verhandlungsrunde über die strukturelle Anpas-
sung des Bremer Werftenverbundes haben die Betriebsräte einen
Teilerfolg errungen. Die Unternehmensleitung des Bremer Vulkan
ist nunmehr damit einverstanden, daß 104 Mitarbeiter aus dem
Angestelltenbereich mit Hilfe der sogenannten 55er-Regelung
'freigesetzt' werden. Das heißt: Sie gehen mit 55 Jahren in den
Ruhestand und erhalten etwa 90 Prozent ihres bisherigen Gehalts."
(Weser-Kurier, 12.4.88)
Man hat doch glatt gegen den Werftenverbund dessen Vorhaben
durchgesetzt! Entlassungen gebongt, wenn es das Geschäft ver-
langt, das gehört zur Routine dieser Gewerkschaft. Irgendwelche
Arbeitsplätze werden dadurch schließlich immer "gerettet".
Einen Streit um den Lebensunterhalt ihrer Basis aufzumachen, das
liegt der Gewerkschaft wirklich fern. Das Etikett für die Ent-
lassungen muß stimmen, basta. Sehr am Herzen liegt den beteilig-
ten Gewerkschaftern dagegen ein anderes Problem: Was wird in dem
geplanten Gemeinschaftsunternehmen aus den beiden eigenständigen
Betriebsräten samt ihren Vorsitzenden Linde und Häring? Also wird
für eine unternehmensrechtliche Form gefochten, die die Selbstän-
digkeit beider Betriebe samt ihren Arbeitervertretungen erhält.
Wäre ja auch skandalös, wenn Seebeck- und SUAG-Arbeiter die
anstehenden Kostensenkungsmaßnahmen nicht jeweils von einem ganz
e i g e n e n Betriebsrat abgesegnet bekämen. Gegen diesen An-
schlag des Kapitals muß man als Arbeitsmann seinen Vertretern
einfach den Rücken stärken!
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