Quelle: Archiv MG - BRD GEWERKSCHAFT BETRIEBSRAT - Institution des sozialen Friedens
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Vulkan-Betriebsrat verhindert Entlassungen
GESUNDHEITSSCHUTZ STREICHEN
Auch hinter den Kulissen führt der Vulkan-Betriebsrat einen ste-
ten Kampf gegen Entlassungen, z.B. durch den klammheimlichen Ver-
zicht auf die Forderung nach Maskentauglichkeitsprüfung für
Schweißer. Denn wer bei dieser Prüfung attestiert bekommt, daß er
zum Tragen von Atemschutzmasken physisch nicht in der Lage ist,
dem droht seitens des Betriebes Entlassung. Also drückt der Be-
triebsrat ein Auge zu und besteht nicht darauf, daß die gesetzli-
chen Bestimmungen über das Tragen von Atemschutzmasken und die
dafür verlangte Tauglichkeitsprüfung immer eingehalten werden.
Eine interessante Sorte Kulanz. Erst stellt der Betriebsrat sich
auf den Standpunkt, daß giftige Dämpfe an Arbeitsplätzen in
O r d n u n g gehen, wenn die Arbeiter dank Maske nicht die
v o l l e Giftdosis einzuatmen brauchen. Daß sie diesen "Gesund-
heitsschutz" mit einer Erschwerung der Arbeit bezahlen müssen,
versteht sich für den Betriebsrat von selbst. Klar, jetzt müssen
sie neben der Arbeit auch noch die Anstrengung aufbringen, ihre
Atemluft mit Lungenkraft selber zu filtern. Aber das muß eben
sein - schließlich soll ja der Gesundheitsschutz s o laufen,
daß er mit dem Geschäft v e r e i n b a r ist, das die Werft
mit solchen Arbeitsplätzen macht. Also r e i n in die Giftkü-
che, zugelangt und dabei kräftig durchatmen.
Da dieser Gesundheitsschutz eine Tortur ist, wird der Arbeitsmann
vorher getestet, ob er denselben überhaupt aushält. Wer für sol-
chen Schutz seiner Gesundheit nicht stabil genug gebaut ist, des-
sen Einkommen steht auf dem Spiel, schließlich schafft er die Er-
fordernisse seines Arbeitsplatzes - arbeiten u n d filtern -
nicht.
Und hier entdeckt der Betriebsrat nun eine Härte, die seine so-
ziale Ader anregt. Nein, die Arbeitsplätze will er nicht kriti-
siert haben, die Leute vor solche Alternativen stellen: Entweder
du hältst die Giftdosierungsmaske aus, oder du kannst gehen.
H a r t fände es der Betriebsrat, hier auf dem Gesundheitsschutz
Maske zu b e s t e h e n. Lieber soll der Mann seine Gesundheit
noch ein bißchen schneller ruinieren, damit er weiter Geld ver-
dienen kann. Logo: Wenn einer die Arbeit mit Gesundheitsschutz
nicht aushält, dann muß eben der Gesundheitsschutz gestrichen
werden, damit er arbeiten kann.
"Arbeitsumstände auf Umbauten"
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'Echolot' fordert kompromißlos: Auflistung aller Schweinereien.
Im "Echolot" vom Juni wird über "Arbeitsumstände auf Umbauten"
berichtet. "Lukensülle werden entfernt, ohne daß die Laderäume
durch geeignete Geländer gesichert werden." "Kollegen müssen die
alten beschichteten Schiffsteile abbrennen." Dabei "entzündet
sich die Farbe und verräuchert die sowieso schlecht belüfteten
Räume. Einige Kollegen mußten sich schon nach kurzer Zeit erbre-
chen."
Was tun? Das Echolot weiß, wie man der Schweinerei begegnet und
fordert:
1. "Datenblätter der Farbe, die auf dem Schiff original verarbei-
tet wurde."
Hallo, Kollege! Wußtest du schon, heute atmen wir den Ori-
ginalgestank von Krebsolux, hochglänzend.
2. "Schadstoffmessungen".
Gestern haben wir also ein Gift-Luftgemisch von 1:4 eingeatmet.
Ganz schön viel, ne!
3. "Maskentauglichkeitsuntersuchungen".
Meine Maske sitzt, wackelt und hat Luft.
4. "Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung."
Wir haben festgestellt, Sie haben da einen dunklen Fleck auf der
Lunge. Den müssen wir dringend weiter beobachten. Der Nächste,
bitte!
5. "Erfassung aller Kollegen, die auf den Umbauten einer gesund-
heitlichen Gefährdung ausgesetzt waren oder noch sind."
Hey du da, Kollege an der Luke. Bevor du abstürzt, erst in der
Liste vom Echolot ankreuzen: Gesundheitlicher Gefährdung ausge-
setzt!
Nun habt Ihr Eure Listen, die Buch führen über jede Schweinerei -
und dann stört der ganze Skandal nicht mehr? Genau. "Denn es wer-
den ja noch zwei Umbauten mit denselben Problemen fertig zu ma-
chen sein." Die Arbeit auf den Umbauten soll nämlich nach Auffas-
sung des Echolot keinesfalls am Gesundheitsschutz der Arbeiter
scheitern. Nein, wenn Umbauten für den Betrieb ein Geschäft sind
und an Umbau-Arbeitsplätzen alle möglichen Sorten Giftdämpfe an-
fallen, dann haben die Arbeiter diese Aufträge eben unter Inkauf-
nahme von Gift, vornehm Problem genannt, fertigzustellen.
Ja, wenn das so ist, dann muß man natürlich immer schön messen,
vorsorgeuntersuchen, informieren und über die Kranken Buch füh-
ren. Dann ist man zwar das Gift nicht los, aber man hat
"realistisch " gedacht: Am Geschäftsinteresse der Werft hat kei-
ner vorbeizukommen.
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