Quelle: Archiv MG - BRD GEWERKSCHAFT BETRIEBSRAT - Institution des sozialen Friedens
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GEWERKSCHAFTLICHE SONDERANGEBOTE
Auf der Betriebsversammlung in Wolfsburg letzte Woche hat Kon-
zernchef Hahn erklärt, daß VW nicht die Absicht hat, "laufende
Tarifverträge in Frage zu stellen". Ein Sieg der Gewerkschaft auf
der ganzen Linie. VW garantiert die Einhaltung der geltenden
Tarifverträge. Ist jetzt das Sparprogramm vom Tisch? Von wegen!
Jetzt geht es erst richtig los! Mit der Gewerkschaft nämlich:
"Der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates, Walter Hiller, erklärte
zu den Kostensenkungsplänen des Vorstandes, auch der Betriebsrat
vertrete die Auffassung, daß alles Erforderliche zur Zukunftssi-
cherung des Unternehmens unternommen werden müsse.
Hiller erinnerte den Vorstand an seine Zusicherung, daß an einen
'Griff in unser Portemonnaie' nicht gedacht sei. Wichtigstes Ziel
bei der geplanten Kostendämpfung müsse eine langfristige Siche-
rung der knapp 130.000 Arbeitsplätze und die Erhaltung der deut-
schen Standorte von VW sein. Wenn dann noch eine gleichmäßige
Verteilung aller Lasten erreicht werde, sei der Betriebsrat be-
reit, alle notwendigen Maßnahmen mitzutragen." (Neue Presse,
10.6.88)
Im Klartext:
Den Zweck von VW, die Senkung der Personalkosten, teilt die Ge-
werkschaft. Dafür bietet sie VW ihre tatkräftige Unterstützung
an.
Unter zwei Bedingungen:
1. "Gleichmäßige Verteilung aller Lasten".
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Was hat eigentlich ein Arbeiter davon, wenn z.B. auch die höheren
Angestellten einen Obolus zum Sparprogramm entrichten? Dem Arbei-
ter bleibt dadurch nichts erspart. Für die Gewerkschaft al-
lerdings geht Personalkostensenkung dann in Ordnung, wenn sie
g e r e c h t ist, also j e d e n t r i f f t. Dann werden
selbstverständlich die Arbeiter zur Kasse gebeten. Von wegen, an
einen 'Griff ins Portemonnaie' sei nicht gedacht! Wenn nicht nur
den Arbeitern der Lohn gekürzt wird, ist für die Gewerkschaft der
S c h a d e n für die Arbeiter e i n f a c h k e i n e r
m e h r.
2. "Erhalt der deutschen Standorte"
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Hiller verhandelt mit Hahn bereits über "den P r e i s, den
Polo in Deutschland zu halten". Zu zahlen hat ihn nicht VW, son-
dern die VW-Arbeiter. Für den Erhalt d e u t s c h e r
A r b e i t s p l ä t z e gehen Lohnverzicht und Leistungs-
steigerung in Ordnung. Für den Erhalt d e u t s c h e r Ar-
beitsplätze unterschreibt Hiller jede Entlassung in Wolfsburg,
die für den Gewinn notwendig ist.
P.S.: Gegen den Export solcher Arbeitsplätze nach Spanien spricht
nur eines: niemand sollte sie spanischen A r b e i t e r n an
den Hals wünschen.
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