Quelle: Archiv MG - BRD GEWERKSCHAFT BETRIEBSRAT - Institution des sozialen Friedens


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BETRIEBSRÄTE STÖREN SICH AN DER LEIHARBEIT

- und zwar so sehr, daß sie sogar von "modernem Sklavenhandel" reden und den Unternehmern einen Vorwurf machen, der ihnen gegen die Herren "Arbeitgeber" sonst gar nicht mehr einfallen will: "Ausbeutung". Mit einem allerdings hat dieses betriebsrätliche Gezeter sehr we- nig zu tun: Daß Leiharbeit einiges an Zumutungen mit sich bringt für die, die damit ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen - das wollen Betriebsräte nicht zu ihrem Kritikpunkt machen. Daß Leih- arbeit mies bezahlt ist, daß Leiharbeiter ständig wechselnden Arbeitsbedingungen ausgesetzt sind, daß sie bald hier, bald da und zu ständig anderen Arbeitszeiten eingesetzt werden - all das ist es nicht, was einen Betriebsrat stört. Dagegen, daß mit der Stammbelegschaft nach dem gleichen Prinzip verfahren wird, hat er ja auch nichts! Im Gegenteil, nichts ist für einen Betriebsrat selbstverständlicher als das feine Prinzip kapitalistischer Rationalität: Gezahlt wird, was an Arbeitskraft gerade gebraucht wird fürs Geschäft. Und das schließt allemal wechselnde Arbeitszeiten, Überstunden und Sonderschichten ein oder aber Kurzarbeit. Und manchmal beides abwechselnd. Gegen solche Be- schäftigungsweisen hat kein Betriebsrat etwas einzuwenden. Nicht einmal gegen befristete Arbeitsverträge oder Teilzeitarbeit, Jobs eben, die ihren Mann nicht ernähren, aber dem Kapital erlauben, jedes Quentchen Arbeit nur dann zu bezahlen, wenn es tatsächlich gebraucht wird! Aber Leiharbeit, die vom Kapital ebenfalls genau dafür eingesetzt wird - die finden Betriebsräte skandalös. Ganz offenkundig also nicht deshalb, weil und wie mit Leiharbei- tern umgesprungen wird. Nein, daß sie gar "nicht zum Betrieb ge- hören", ist das Unrecht, das Betriebsräte entdecken. Leiharbeiter sind für sie Menschen, die zwar in "unserer Firma" arbeiten, aber zugleich einem fremden Herrn dienen, eben ihrer Verleihfirma. Und das ist das Unglück - für sie und für "uns": Ihnen wird nämlich das elementare Recht eines jeden Arbeiters vorenthalten, einer echten Belegschaft anzugehören. D a s ist der Skandal, den Be- triebsräte in der Leiharbeit sehen wollen - und das ist die Zumu- tung für den Rest der Belegschaft, wenn es Leiharbeiter in einer Firma gibt: Jeder von denen nimmt dann einem richtigen ordentlich dazugehörenden Arbeiter einen Arbeitsplatz weg. So etwas hat nichts mit Interessenvertretung zu tun, sondern eher mit betriebsrätlicher Pflege des Ideals einer, nämlich seiner "Betriebsfamilie". Von diesem betrieblichen Lokalpatriotismus profitiert nur einer: Der B e t r i e b s r a t wäre dann in der glücklichen Lage, auch wirklich alle vertreten zu können, die in "seiner Firma" arbeiten. zurück