Quelle: Archiv MG - BRD GEWERKSCHAFT BETRIEBSRAT - Institution des sozialen Friedens
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AEG Kanis
DAS ZELT
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Das Zelt
Das ist ein Zelt. Es schützt vor Regen und Wind. Deshalb wurden
Zelte seit Jahrtausenden gebaut. Von Nomaden, Hirten und Jägern,
die nicht einmal ahnten, was ein Arbeitsplatz ist. Aber deshalb
wurde dieses Zelt nicht gebaut. Nürnberger KANIS-Arbeiter stell-
ten es auf.
Gegen Wind, und Wetter haben sie ihre Wohnungen, und was ein Ar-
beitsplatz ist, wissen sie sowieso. Deshalb wissen sie auch, daß
gegen den Verlust des Arbeitsplatzes kein noch so prächtiges Zelt
schützt. Natürlich sichert ein Zelt auch keine Voraussetzung für
Beschäftigung bei AEG-KANIS überhaupt - einen Produktionsstandort
für Turbinen in Nürnberg. Natürlich garantiert es, auch keine
"Mindeststrukturen" für die Möglichkeit, künftig wieder einmal
außer einer Vorfertigung auch eine Endmontage hier zu haben. Na-
türlich verhindert es auch nicht den Abtransport von Maschinen,
die irgend jemand gern diesen "Mindeststrukturen" zurechnen
würde. Das alles wäre etwas viel verlangt von einem einfachen
Zelt. Das ist auch Herrn PATZELTs Meinung.
Aber eines soll dieses Zelt nach dem Willen des Betriebsrats
schon sein: ein Symbol für die Entschlossenheit der KANIS-Beleg-
schaft zur Beobachtung des Willens der Unternehmensleitung, Min-
deststrukturen einer künftig vielleicht wieder einmal möglichen
komplettes Turbinenproduktion nicht klammheimlich durch den Ab-
transport dafür vielleicht noch brauchbarer Maschinen zu schädi-
gen.
Für einen so komplizierten Gedanken steht jetzt ein Zelt da.
Man mag der Auffassung sein: Vielleicht wäre dafür in Hochstand,
wie ihn der Jäger benutzt zur Beobachtung des Wilds, das das
helle Licht scheut, ein noch eingängigeres Symbol gewesen. Aber
das Zelt als Symbol hat schon seine Vorzüge: Läßt ein Zelt nicht
gleich daran denken, wer heutzutage hauptsächlich noch Zelte be-
nutzt? Richtig! Der Zirkus Und insofern war PATZELTs Symbolwahl
halt doch goldrichtig.
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