Quelle: Archiv MG - BRD GEWERKSCHAFT BETRIEBSRAT - Institution des sozialen Friedens


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       Sehr geehrter Herr Breitinger!
       
       Sie haben  auf der letzten Betriebsversammlung im Juni über einen
       Vorfall berichtet,  bei dem  Ihnen "tatsächlich  fast  die  Worte
       fehlten". Was war denn passiert?
       Zwei Kräne  im KW  waren zusammengestoßen, ein Paket schlug dabei
       wie ein  Pendel aus  und hatte  einen Arbeiter mit dem Kopf gegen
       einen Blechstapel gequetscht. Folge: schwere Verletzungen.
       Nicht zu  fassen? Oder  was? Nein,  den Unfall selbst hielten Sie
       nicht für  den eigentlichen  Stein des Anstoßes; sondern daß zwei
       der Funkgeräte, die  n a c h  dem Unfall auf den Kränen wegen der
       "Sicherheit" angebracht  worden  sind,  geklaut  wurden.    D a s
       fanden Sie "unglaublich", "ungeheuerlich" und "unfaßlich". Oder -
       wie Sie es dann doch in Worte fassen konnten:
       
       "In diesem  Zusammenhang nur  von kriminell  zu sprechen, scheint
       mir einfach  zu wenig. Jeder Diebstahl ist als Eigentumsdelikt zu
       verurteilen.  Aber   in  diesem  Fall,  bei  dem  Sicherheitsein-
       richtungen für  unsere Kollegen und Kolleginnen gestohlen wurden,
       da geht  es, meine ich, um mehr. Dies ist fast gleichzusetzen mit
       einer vorsätzlichen bewußten Gefährdung des Lebens unserer Kolle-
       gen. Dies ist Terror. Die Täter sind Ganoven übelster Art und aus
       meiner Sicht auch noch dazu ungeheuer dumm."
       
       Alle Achtung,  Herr Oberstaatsanwalt!  Da hätten  wir  allerdings
       noch ein paar Fragen:
       Wie würden  Sie einen  Betrieb bezeichnen, der nicht aus Habsucht
       und schon  gar nicht  aus Mangel an Mitteln, sondern schlicht und
       einfach wegen  des berechnenden  Umgangs mit dem Eigentum und aus
       vollster Verantwortung  gegenüber seinen  Bilanzen die  'Kollegen
       und Kolleginnen' jahrzehntelang  o h n e  Funkgeräte hat hin- und
       herfahren lassen?
       Eine kriminelle Vereinigung? Oder eine Aktiengesellschaft?
       Wie würden Sie als Kenner der Materie die Tat eines Werksvorstan-
       des bezeichnen,  der jahrzehntelang  per Arbeitsorganisation  und
       Kontrollettis seine  'Kollegen und  Kolleginnen' unter  beladenen
       Kränen hat arbeiten lassen?
       Geplante Körperverletzung oder umsichtige Personalplanung?
       Wie würden  Sie als  gebildeter Mensch  eine Betriebsleitung  be-
       zeichnen, die,  von regelmäßigen Unfällen unbeeindruckt, der ewi-
       gen Frage  des "menschlichen  Versagens" und  der "Verkettung un-
       glücklicher Umstände"  hinterherstiefelt; der  es erst  nach  der
       Auflage des  Gewerbeaufsichtsamtes wie  Schuppen  von  den  Augen
       fällt und  die sich  dann zum  Kauf 'modernster'  Funkgeräte ent-
       schließt, als wären sie erst heute erfunden worden?
       Dummdreiste Übeltäter oder modernes Management?
       Weitere Aufklärung  Ihrerseits braucht  es nicht. Wir wissen, daß
       Sie zu unterscheiden wissen!
       
       Die MAZ-Redaktion

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