Quelle: Archiv MG - BRD GEWERKSCHAFT BETRIEBSRAT - Institution des sozialen Friedens


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       Bei BMW:
       

DREI SCHLAGKRÄFTIGE METHODEN IM KAMPF UM DEN FREIEN SAMSTAG

Die Arbeiter haben bisher kaum etwas davon gemerkt, aber dennoch: Bei BMW ist was los. In einem für Betriebsräte und Gewerkschaft typischen Kampf werden BMW-Arbeiter vor der Einführung der Sams- tagsarbeit bewahrt. Selbst die, die schon lange regelmäßig sams- tags arbeiten. 1. Erst abwarten, dann entschieden zuschlagen --------------------------------------------- Der Betriebsratsvorsitzende von BMW in München, Schoch, hat gemäß eigenen Aussagen die Samstagsarbeit verhindert - mit einem Trick, wie ihn auf der ganzen Welt nur Betriebsräte beherrschen: Er hat nämlich einfach darauf gesetzt, daß irgendwann der "Automobilmarkt gesättigt" ist und die Betriebsleitung einsieht, daß für mehr BMWs und deshalb für Samstagsarbeit kein Bedarf be- steht. Jetzt ist es laut Schoch angeblich soweit, und er kann stolz und öffentlichkeitswirksam die Früchte seines Kampfs ein- fahren. Die Kollegen in München und Dingolfing haben ihm immerhin den freien Samstag zu verdanken, den BMW bisher gar nicht haben will. Blöder stehen da schon die BMW-Arbeiter in Regensburg da. Dort wird demnächst das berühmte 4 x 9-Stundenmodell inklusive Samstag auch im Zweischichtbetrieb gefahren. In Regensburg gibt es zwar auch einen Betriebsrat, aber anscheinend keinen, der taktisch ge- schickt darauf setzt, daß die arbeiterfreundliche Kunde vom "gesättigten Automobilmarkt" auch in der Oberpfalz Gehör findet. 2. Erst erfinden, dann laut heulen! ----------------------------------- Dafür kann man einen Kronzeugen präsentieren, der eigentlich so glaubwürdig sein müßte, daß nicht einmal die Betriebsleitung an ihm vorbeikommen können dürfte. Der Erfinder des "Regensburger Arbeitszeitmodells", ein gewisser Willi Haller, hat inzwischen lautstark bereut und sich von seinem "mißratenen Kind" distan- ziert, weil es "nach seinen Beobachtungen zu sozialer Isolation und psychischen Problemen" führt. Das tut allen gewerkschaftlich orientierten Seelen gut, insbesondere deshalb, weil Indu- striekaufmänner und Unternehmerberater wie jener Haller im allge- meinen weniger wandlungsfreudig sind. Die moralische Wucht ist deswegen ungeheuer, meint man in Gewerkschaftskreisen. Nur schade, daß sich die entscheidenden Figuren überhaupt nicht davon beeindrucken lassen. Der Regensburger Werkleiter beharrt nämlich eiskalt auf dem Recht von BMW: "Alle betroffenen Arbeitnehmer haben im Arbeitsvertrag die ge- plante Arbeitszeitregelung vorbehaltlos unterschrieben. Niemand ist darüber im Unklaren gelassen worden, daß ein Zweischichtbe- trieb bei einer betrieblichen Nutzungszeit von sechs Wochentagen und einer persönlichen Arbeitszeit von vier Tagen eingeführt wer- den soll". 3. Erst kämpfen, dann fragen, ob's geht! ---------------------------------------- Solche Töne hält die IG Metall für gemein. Und sie hat bereits was dagegen getan, nämlich eine Art gewerkschaftliche Marktana- lyse gestartet. In einer Umfrage durften sich die Regensburger BMW-Arbeiter ihren Ärger über die Samstagsarbeit auf vier Zeilen frei und geheim von der Leber schreiben und folgende entschei- dende Alternative ankreuzen: "Die IG Metall kämpft ja für den Erhalt des freien Wochenendes. Bist Du bereit, Dich dafür einzusetzen und die Aktionen der Orga- nisation zu unterstützen - evtl. auch mit Streik? Wenn nein, warum nicht?" Gut zu wissen, daß die IG Metall ja bereits kämpft. Es wäre doch jammerschade um so einen Kampf, wenn sich durch das Umfrageergeb- nis herausstellen sollte, daß er gar nicht geht. Wie man hört, soll die Gewerkschaftsaktion ein voller Erfolg gewesen sein. Nicht nur, weil sich fast so viele Arbeiter daran beteiligt haben wie bei den regelmäßigen BMW-Preisausschreiben, wo es wirklich was zu gewinnen gibt, wenn man Glück hat. Einige Samstagsarbeiter sollen sogar mit "Ja" gestimmt haben. Bei so viel Einsatz für die Kollegen kann eigentlich gar nichts mehr schiefgehen: Entweder es gibt die Samstagsarbeit schon, oder sie kommt, oder sie kommt vielleicht auch nicht. zurück