Quelle: Archiv MG - BRD GEWERKSCHAFT BETRIEBSRAT - Institution des sozialen Friedens


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       Wer verdient warum wieviel
       

DER BETRIEBSRAT

Die deutschen Arbeiter und Angestellten waren es bestimmt nicht, die sich einen betrieblichen Interessenvertreter ins Betriebsver- fassungsgesetz geschrieben haben. Und auch die Unternehmer haben sich einen solchen Menschen nicht freiwillig auf ihre Gehaltsliste gesetzt. Der Betriebsrat ist eine K r e a t u r d e s S t a a t s, einer, der per Staatsauftrag im "Namen und Interesse der Kollegen" spricht. Das ist allerdings beim besten Willen nicht zu verwechseln mit einem Einsatz für das Wohl der Arbeiter und Angestellten. Denn erstens sind die Interessen der Lohn- und Gehaltsempfänger als "Belegschaft" in die Gesamtheit des für den Betrieb nützli- chen und funktionierenden Arbeitsmaterials verwandelt. Wenn der Betriebsrat nicht die Interessen der Arbeiter und Angestellten vertritt, sondern die Belegschaft, dann ist die Berücksichtigung der Notwendigkeiten des Betriebs, denen die Belegschaft zu gehor- chen hat, seine erste Pflicht. Zweitens ist dem Betriebsrat die Pflicht zur Einigung mit der Arbeitgeberseite gesetzlich vorgeschrieben. Streitigkeiten der Arbeitnehmer mit der Betriebs- leitung, gar solche, die zu Arbeitskämpfen im Betrieb führen, hat der Betriebsrat zu unterbinden. Während die Firmenleitung gegen die Interessen der Arbeitnehmer Arbeitsablauf, Bezahlung, Ein- stellung und Entlassung, Kurzarbeit und Überstunden etc. anordnen darf, weil es sich dabei um Betriebsnotwendigkeiten handelt, ist Unbotmäßigkeit der "lieben Mitarbeiter" dagegen eine Störung des Betriebsfriedens. Für diesen Betriebsfrieden gibt es den Be- triebsrat. Der ist aber keine Betriebspolizei, sondern sorgt für den Frieden zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern gerade da- durch, daß er als Verkörperung des Belegschaftsinteresses funktioniert. Die Interessen der Arbeiter und Angestellten sind von vornherein bei ihm aufgehoben. Alle zulässigen Anliegen und Beschwerden der Belegschaft sitzen immer schon leibhaftig im Betriebsratsbüro. Deshalb sollen und brauchen die Belegschafts- mitglieder auch gar nicht erst hinzugehen. Aufgabe des Betriebsrats ist es nämlich nicht einmal, sich s t e l l v e r t r e t e n d die Sorgen der K o l l e g e n an den Arbeitsplätzen zu machen und dementsprechend tätig zu wer- den. Er kümmert sich darum, daß s e i n e Rechte, die R e c h t e d e s B e t r i e b s r a t s, von der Unterneh- merseite befolgt werden. Mit einer Austragung des Gegensatzes, in dem die Arbeitnehmer zu ihrem Betrieb stehen, hat das nichts mehr zu tun. Es geht nur mehr um das Recht dieser Institution, in der einen betrieblichen Angelegenheit unterrichtet werden zu müssen, in der anderen mitwirken und in wieder anderen mitbestimmen zu dürfen. Solche Rechte hat der Betriebsrat mehr als genug. Die gehen den "normalen" Kollegen im Betrieb allerdings nichts an, und nützen tun sie ihm gar nichts. Sie sind Sache des Betriebsrats, er schaut sie im Betriebsverfassungsgesetz nach und setzt sich mehr oder minder engagiert für ihre Einhaltung im Betrieb ein. Er ist die Institution, die ganz automatisch immer und überall "im Namen der Kollegen" handelt, wenn er s e i n e Rechte wahrnimmt - gleichgültig, ob und wie viele Entlassungen, Kürzungen von Zula- gen, Versetzungen, Überstunden und andere kapitalistische Schönheiten dabei rauskommen. Betriebsratspolitik ------------------- Dem, was der Betriebsrat tagtäglich so treibt, können die Arbeit- nehmer kaum entnehmen, daß sie diese Institution unbedingt brau- chen. Deshalb unterschreibt, verhandelt, vereinbart der Betriebs- rat nicht nur Sachen, die der Betrieb anleiert, er macht auch Po- litik gegenüber seinen "lieben Kollegen" von der Belegschaft. Die nimmt alle drei Jahre zu, wenn es auf die Betriebsratswahlen zu- geht. Seine Tätigkeit als Erfüllungsgehilfe der Betriebsleitung im Namen der Belegschaft will er der betroffenen Belegschaft als gerade für sie nützlich darstellen. Bewiesen werden soll das durch seinen Einsatz und seine Schwierigkeiten als Betriebsrat. Auf Betriebsversammlungen zieht er seine Selbstdarstellung als toller Kerl durch: Er klagt, wie schwer es ihm mal wieder die Firma mit dem Thema x macht, bei dem sie überhaupt nicht kompromißbereit sei; er lobt sich dafür, wie es ihm gelungen sei, eine "gute" Be- triebsvereinbarung abzuschließen; er beschimpft die Belegschaft, die ihm in vielen Dingen nicht ge- nug den Rücken gegen die Betriebsleitung stärke; er weist jede Kritik aus der Belegschaft mit dem Hinweis zurück, daß er schließlich als gewählter Betriebsrat nur entsprechend dem Gesetz handeln könne. Bei dieser seiner Imagepflege macht es im Prinzip keinen Unter- schied, ob der Betriebsrat seine Punkte bei der Belegschaft als zweite Hand des Chefs (als besserer Personalplaner und umsichti- ger Unternehmensberater...) macht oder darüber, daß er jedes Jahr einmal mit der Unternehmensleitung einen Streit um unangemeldete Überstunden ausficht und schwer damit angibt. Die häufigste Kri- tik eines Betriebsrats ist die, daß er von der Geschäftsleitung zu wenig informiert wird. Die härteste, daß das Unternehmen miß- gemanaged habe. Das fällt dem Betriebsrat immer im Nachhinein ein, wenn größere Entlassungen anstehen, nachdem er der Sanierung "zur Rettung von Arbeitsplätzen", die vor drei Jahren lief, da- mals zugestimmt hat. Natürlich nur "schweren Herzens", hat er da- mals verkündet. Und genau dasselbe sagt er jetzt wieder, wenn er den fälligen Entlassungen zustimmt. Größere Entlassungen oder Betriebsstillegungen sind auch der An- laß, daß der Betriebsrat seine Politik aus dem Betrieb heraus in die Öffentlichkeit ausdehnt. Eine Kundgebung mit wirklichen Politikern vor den Werkstoren - das sind Sternstunden der Be- triebsratspolitik. Auch wenn der unisono ausgerufene Appell: "Die Firma xy darf nicht sterben!" an den Firmenplänen nichts ändert. Aber darum geht es ja auch nicht, vielmehr hat sich der Betriebs- rat schwer eingesetzt. Der Betriebsrat wird für die Leistungen bezahlt, die er für das reibungslose Funktionieren kapitalistischer Ausbeutung erbringt. Daß er Geld verdient, obwohl er nicht arbeitet, das sollte man ihm deshalb lieber nicht vorwerfen. zurück