Quelle: BRD GEWERKSCHAFT ARBEITSLOSE - (K)ein 'Problem'
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Die Ideologie der Woche
ECHTE ARBEITSLOSE GIBT'S DOCH GAR NICHT!
Der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ist eingefallen, wie sie sich den
Ärger, ständig dafür verantwortlich gemacht zu werden, daß die
Zahl der Arbeitslosen nicht sinkt, sauber und kostenneutral vom
Hals schaffen kann. Sie hat die Kritik von Opposition und Gewerk-
schaft ernstgenommen, daß es sich bei Arbeitslosen um lauter
"Schicksale" handle, und besteht jetzt darauf, daß in Zukunft
tatsächlich nur noch solche ein Recht darauf haben, in die Ar-
beitslosenstatistik einzugehen, die wirklich "schwere Schicksale"
sind. Die neue Zählweise soll die Zahl der Arbeitslosen einer-
seits gewaltig verringern und zweitens dazu beitragen, "unser Au-
genmerk ganz auf die zu richten, die es wirklich nötig haben".
Das kann nur eine neue Arbeitslosenstatistik leisten, deren Ziel
es ist,
"nur noch solche Arbeitslose in der Statistik zu erfassen, die am
Arbeitsmarkt wirklich zur Verfügung stehen und eine Arbeitsstelle
nachfragen, die für sie die einzige und wesentliche Einkommens-
quelle darstellt." (Süddeutsche Zeitung)
Wer z.B. "bloß" einen Teilzeitarbeitsplatz sucht, dem kann es so
schlecht ja gar nicht gehen; wer "mehrmals ein Angebot ablehnt",
der hat es offenbar nicht nötig, arbeiten zu gehen; und wer
"unerfüllbare Bedingungen" an den gesuchten Arbeitsplatz stellt,
also wiederum nicht mit j e d e r Arbeit zufrieden ist, der
w i l l schlicht und einfach nicht arbeiten. Wirklich Betrof-
fene, für die ihre Arbeitslosigkeit ein "schweres Schicksal" dar-
stellt, sind diese Leute nie und nimmer. Schließlich müssen sie
ja während dieser Zeit über eine "Einkommensquelle" verfügen, von
der sie leben können und die es ihnen erlaubt, einen ihnen nicht
zustehenden Anspruch an den neuen Job zu stellen.
Anders gesagt: Unseren Arbeitslosen geht es einfach zu gut. Sie
mißbrauchen die Mittel, die ihnen das "Soziale Netz" zur Verfü-
gung stellt, dazu, um davon zu leben, statt bedingungslos dem Ar-
beitsmarkt zur Verfügung zu stehen. Mit diesem Schmarotzertum
soll jetzt zumindest einmal statistisch gescheit aufgeräumt wer-
den. Dann braucht sich die Regierung in Zukunft nicht mehr nach-
sagen lassen, daß sie nichts gegen die Arbeitslosigkeit tut.
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