Quelle: BRD GEWERKSCHAFT ARBEITSLOSE - (K)ein 'Problem'
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ARBEITSLOSIGKEIT MUSS SEIN
Woher sie kommt, ist ja nun wirklich kein Geheimnis
Jeder Zeitung sind die Meldungen von den großen
E n t l a s s u n g e n in der Stahlindustrie, auf den Werften,
bei der Maxhütte oder im Bergbau zu entnehmen. 30000 da, 5000
dort. Und ungezählte Entlassungen, die nie öffentliches Thema
werden, gibt es ja auch noch. An jedem Ort und in allen Sparten
der Industrie. Jeder weiß das.
Warum das sein muß, wird nicht verschwiegen
K o s t e n a n p a s s u n g heißt das Stichwort. Und das be-
trifft allemal die Löhne und die Anzahl derer, die von Lohn und
Gehalt "leben dürfen": Ob eine Maschine oder gleich eine ganze
Fabrik stillgelegt wird, ob neue, produktivere Produktionsverfah-
ren eingeführt werden, die mit verringerter Belegschaft denselben
Poduktionsausstoß ermöglichen, ob durch Veränderungen der Organi-
sation in Büro und Verwaltungen die eine oder andere Funktion
oder Abteilung überflüssig wird - in jedem Fall stehen Entlassun-
gen auf der Tagesordnung. Und immer aus Kostengründen. Jeder weiß
das.
Schließlich machen die Unternehmer ihre Gewinne auf einen Markt,
um den sie mit ihren Konkurrenzen kämpfen. Das Mittel dieses
Kampfes ist der Verkaufspreis der produzierten Waren, der niedrig
genug sein muß, um dem Konkurrenten Marktanteile abzujagen, und
hoch genug, um einen Gewinn über die Kosten abzuwerfen. Für die
Kunst, bei möglichst niedrigem Verkaufspreis hohe Gewinne zu ma-
chen, hat der Unternehmer ein Instrument in der Hand: seine Fa-
brik, die er so einrichtet, daß die Herstellungskosten ständig
sinken. Das geht in der Tat nur durch die Einführung produkti-
verer Maschinerie und Arbeitsorganisation, die eine Senkung der
Stückkosten gerade dadurch erreicht, daß sie den Anteil der Löhne
pro Produkt mehr senkt, als die anteilig gerechneten Mehrkosten
für verbesserte Maschinerie es verteuern. So reduziert ein Unter-
nehmen - wenn es und damit es erfolgreich Gewinn macht - ständig
seine Belegschaft im Verhältnis zu seinem Produktionsvolumen.
D a s s e l b e K a p i t a l beschäftigt i m m e r
w e n i g e r Arbeiter, oder andersherum: mit d e r s e l b e n
L o h n z a h l u n g muß ständig m e h r U m s a t z gemacht
werden. Ein Geschäft, das heute dieselbe Beschäftigtenzahl und
denselben Produktionsausstoß wie vor 5 Jahren hätte, gibt es
nicht und kann es nicht geben.
Daß die Arbeitslosen nicht weniger werden, liegt auf der Hand.
Weil diese ständige Verringerung der Belegschaften im Verhältnis
zur Kapitalgröße, zum Produktionsumfang und zum Umsatz das Prin-
zip jeden Kapitals ist, kann dieser einmal überzählig gemachte
Teil der Arbeiterbevölkerung nicht wieder eingestellt werden. Von
wem denn? Wenn jedes Unternehmen dauernd seine Belegschaft rela-
tiv reduziert! Sicher, zugleich mit einer Rationalisierung mag
sich ab und zu ein derartiger Verkaufserfolg einstellen, daß das
Geschäft enorm ausgedehnt und die eben überflüssig gemachten Ar-
beitskräfte teilweise wieder profitbringend eingesetzt werden
können. Das läuft aber auch nur darauf hinaus, daß dann irgend-
eine der k o n k u r r i e r e n d e n F i r m e n wegen des
Verlusts ihrer Markanteile Entlassungen vornimmt.
Es mag auch immer wieder einmal Zeiten allgemeiner Ausdehnung der
Geschäfte geben, in denen ein gewisser Prozentsatz der Entlasse-
nen vorübergehend wieder in Arbeit kommt - im Durchschnitt des
konjunkturellen Auf und Ab aber bleibt und steigt die Zahl der
Arbeitslosen.
Daß das so ist, weiß übrigens jeder Politiker, Gewerkschafter und
Wirtschaftsführer.
Wer verspricht denn heute noch einen Abbau der Arbeitslosigkeit?
Wer hält sie denn inzwischen nicht für eine Normalität, mit der
"man eben leben muß"? Geistern vielleicht keine Rechnungen durch
die Zeitungen, daß ein kontinuierliches Wachstum von jährlich
über 3% erforderlich wäre, um bis zum Jahre 2010 die Arbeitslo-
sigkeit auf x% zu drücken: Und jeder weiß und sagt dazu, daß sol-
che Annahmen natürlich absolut unrealistisch sind!
Im übrigen, als es vor 15 Jahren in der BRD einmal eine
"Vollbeschäftigung" mit einer Arbeitslosenquote von 2% gab: Hörte
man in dieser Ausnahmephase nachkriegsmäßiger Geschäftsentwick-
lung nicht immer wieder K l a g e n ü b e r d i e
w i r t s c h a f t l i c h e S c h ä d l i c h k e i t eben
dieses Zustands? Kapital und Staat lamentierten über ein ganz und
gar u n e r w ü n s c h t e s S t e i g e n d e r L ö h n e,
über ein A b s i n k e n d e r A r b e i t s m o r a l und
das Entstehen eines "Anspruchsdenkens", das sich überhaupt nicht
gehört. Als vollständig u n n o r m a l empfanden sie einen Zu-
stand, in dem ihnen ihr Arbeitermaterial nicht genügend erpreßbar
schien. Durch das Herankarren von Millionen von Gastarbeitern ha-
ben sie das Ihre dazu getan, den u n g u t e n Z u s t a n d
e i n e r f l o r i e r e n d e n M a r k t w i r t s c h a f t
o h n e R e s e r v e a r m e e von überschüssigen Arbeitern zu
korrigieren. Man weiß eben; daß Arbeitslosigkeit dazugehört.
I h r e W o h l t a t e n f ü r s G e s c h ä f t werden ge-
schätzt.
So ist das: Jeder weiß, woher sie kommt, die Arbeitslosigkeit.
Jeder weiß, daß sie ganz normal ist in unserem Wirtschaftssystem.
Jeder weiß, daß sie ganz unverzichtbare Dienste leistet für das
Florieren "unserer Wirtschaft". Nur: Wer diese Wahrheit klipp und
klar ausspricht, ist Staatsfeind.
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