Quelle: Archiv MG - BRD GEWERKSCHAFT 35H-WOCHE - Neue Freiheiten für Unternehmer


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       Bremer Hochschulzeitung Nr. 89, 07.02.1984
       
       GEW zur 35-Stunden-Woche:
       

"MEHR ZEIT FÜR WENIGER STUNDEN"

Unter dieser Parole gibt die GEW in ihrer Zeitschrift "Erziehung und Wissenschaft" in der vorletzten Ausgabe bekannt, daß sich nun auch die Lehrergewerkschaft in den Kampf um die 35-Stunden-Woche einreiht. Arbeitszeitverkürzung heißt auch die Parole der Lehrer. Arbeitszeitverkürzung? Wie soll denn bei derzeit 25 Pflichtstun- den die 35-Stunden-Woche eine Verkürzung der Arbeitszeit für Leh- rer sein? Ganz einfach: unter der Parole 35 Stunden pro Woche propagiert die GEW eine Senkung der Pflichtstundenzahl auf 23. Das ist zwar mathematisch schlechter als mangelhaft, dafür aber moralisch sauber gerechnet. 35 Stunden pro Woche für Lehrer soll man nämlich auch so lesen können: "Mehr Zeit für weniger Stun- den." Sprich: 2 Stunden weniger Arbeitszeit sind doch für GEW'ler nicht 2 Stunden mehr Freizeit, sondern 2 Stunden mehr Vorberei- tungszeit auf den Unterricht. So stellen sich Lehrer als Überzeu- gungstäter vor, die den Unterschied von Arbeitszeit und Freizeit angeblich überhaupt nicht kennen. Auf 24 Stunden Dienst täglich als Forderung aus Solidarität mit ihrem Beruf kommen sie trotzdem nicht. Jedenfalls wollen sie klargestellt haben: mit dem Interesse an weniger Pflichtstunden demonstrieren wir unsere Dienstwilligkeit, indem wir die Ausdeh- nung unserer Freizeit als Verbesserung unserer Arbeitsleistung Arbeitgeber Staat und der Öffentlichkeit schmackhaft machen. Zu dumm: man mag diesen Schulmeistern weder mehr noch weniger Pflichtstunden wünschen. Sie drohen ja an, daß so oder so andere darunter zu leiden haben. "Setzen, 6" oder "Setzen, 2" sind all- tägliche Umgangsweisen mit Schülern, die eher das Interesse be- zeugen, Unwissen auszunutzen als zu beseitigen; und das entschei- det über die Zuteilung von "Lebensperspektiven". "Unbegabte" auf den Arbeitsmarkt, "Begabte" über die Universität auf die Komman- dostellen. Und als Schulmeister der Nation haben sie auch gleich die moralische Sentenz für "Unbegabte" wie "Begabte" parat, wie man nur für Arbeitszeitverkürzung sein darf: "Die Gegner der Ar- beitszeitverkürzung schüren den individuellen Egoismus..." (Wunder, GEW-Chef) Bild ansehen GEW zur 35-Stunden-Woche zurück