Quelle: Archiv MG - BRD GEWERKSCHAFT 35H-WOCHE - Neue Freiheiten für Unternehmer


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       Da freut sich der Metallarbeiter
       

DIE ZEITSOUVERÄNITÄT BRICHT AUS

Der Tarifvertrag in der Metallindustrie hat's festgelegt: 1995 ist die 35-Stunden-Woche da. Gleichzeitig ist den Unternehmern vertraglich erlaubt, 18% (in Bayern 13%) ihrer Belegschaft 40 Stunden in der Woche arbeiten zu lassen. Für diese Mehrarbeit gibt es entweder den normalen Lohn ohne Überstundenzuschläge oder Freizeitausgleich. Den Unternehmern bereitet diese Regelung keine Kopfschmerzen. Sie richten die Arbeitszeiten weiter so ein, wie es der Geschäftsbe- darf verlangt: Mal gibt's mehr, mal weniger Überstunden; wenn's wenig zu tun gibt, paßt ihnen auch ein Freizeitausgleich für be- stimmte Beschäftigte in den Kram. Und die Möglichkeit, Arbeiter und Angestellte bis zu 40 Stunden in der Woche arbeiten zu las- sen, ohne ihnen Überstundenzuschläge zahlen zu müssen, ergreifen sie gern. Natürlich halten sie sich an die vereinbarten Arbeits- zeitregelungen. Sie beginnen also damit, die Abteilungen danach durchzumustern, welche Teile des Personals 40 Stunden die Woche arbeiten sollen. Arbeitsplätze, an denen Überstunden die Regel waren, bieten sich da natürlich an. Diejenigen, die gewöhnlich bisher schon länger gearbeitet haben, dürfen also zu den 18 bzw. 13% gehören, die auch weiterhin länger arbeiten. Die anderen kriegen ihre Arbeitszeitverkürzung. Soll sie das sein, die Zeitsouveränität? Steinkühler erzählt die- sen Quatsch: "Er (der Arbeitnehmer) kann entweder von 40 auf 35 Wochenstunden zurückgehen oder er kann bei seiner Entscheidung für 40 Wochen- stunden zwischen den Möglichkeiten der Bezahlung in Geld oder Ab- geltung in Freizeit wechseln." Wer kann hier was? Der Arbeitgeber ist doch so frei, nach seinem Bedarf längere und kürzere Arbeitszeiten einzuteilen und dem Ar- beitspersonal zuzuteilen. Dem Wunsch des Arbeitnehmers, mal mehr zu arbeiten, weil man das Geld braucht, oder weniger, weil man mehr Freizeit möchte, wird doch in keiner Weise nachgekommen. Und was sind das überhaupt für Alternativen, die der Betrieb nach Maßgabe seiner Entscheidung anbietet? Was ist denn besser: länger in der Fabrik arbeiten und mehr Geld zu haben oder weniger Geld, dafür aber mehr Freizeit? Da sucht sich kein Arbeitnehmer aus, wie er's am liebsten hätte, sondern der Arbeitgeber sucht aus, wen er so oder so lange, mit Freizeitausgleich oder ohne, nutzen will. Daran ändern auch die Umfragen nichts, die jetzt in einigen Be- trieben vorgenommen werden, um zu ermitteln, wie es mit der Be- reitschaft in der Belegschaft steht für die eine oder andere Sorte Arbeitszeit. Seit wann sind denn Umfragen dafür da, daß aus ihren Ergebnissen Konsequenzen folgen? Da fragt der Herr Arbeit- geber die von ihm abhängigen Arbeitnehmer nach ihrer Meinung, um ihnen dann mitzuteilen, daß in einigen Fällen schon, in anderen aber die Belange der Firma nicht mit den Wünschen der Beschäftig- ten zu vereinbaren wären. Kein Wunder, daß bei so viel Zeitsouveränität die Gewerkschaft folgenden Tip gibt: "Niemand muß gleich Ja sagen, wenn der Arbeitgeber so einen Ver- trag anbietet." (metall-Flugblatt) G l e i c h nicht. zurück