Quelle: Archiv MG - BRD GEWERKSCHAFT 35H-WOCHE - Neue Freiheiten für Unternehmer
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Eine gewerkschaftliche Unverschämtheit
AUFRUF ZUR ÜBERSTUNDENVERWEIGERUNG FÜR DIE 35-STUNDEN-WOCHE
"Bereits im Vorfeld der im Januar beginnenden Tarifverhandlungen
keine Überstunden mehr leisten, um mit diesem 'Hebel' die Ar-
beitszeitverkürzung zu erreichen. ... Wir können nicht für die
35-Stunden-Woche kämpfen und gleichzeitig Überstunden klopfen.
Die Verweigerung von Überstunden muß vor allem in den großen Kon-
zernen - wie z.B. der Automobilindustrie - beginnen." (Zwickel,
Vorstand der IG Metall)
Daß Überstunden in den Betrieben die Regel sind, liegt an der Ge-
schäftskalkulation der Unternehmen, für die sich diese Mehrarbeit
auszahlt. Das Recht zu dieser unternehmerischen Freiheit gesteht
die Gewerkschaft ausdrücklich zu, wenn sie in lauter Tarifverträ-
gen Überstunden genehmigt. Daran will die IG Metall grundsätzlich
nichts ändern. Der angestrebte Tarifvertrag sieht schon wieder
lauter großzügige Überstundenregelungen vor; außerdem "flexible"
Arbeitszeitbestimmungen, die manche Ü b e r s t u n d e zur
"Normalarbeitszeit" machen.
Die Arbeitnehmer haben sich gar nicht freiwillig daran gewöhnt,
Überstunden abzuleisten, wenn sie angeordnet werden. Wegen des
knappen Lohns für die Normalarbeitszeit können sie das zusätzli-
che Geld, das ihnen für Überstunden gezahlt wird, sehr gut ge-
brauchen. Gegen diesen Zwang, den der niedrige Normallohn be-
wirkt, gäbe es ein Mittel: den Unternehmern die Zahlung eines
Normallohns aufzuzwingen, der hoch genug ist, so daß man nicht
mehr auf die Gelder aus Überstunden angewiesen ist. Einen solchen
Weg will die Gewerkschaft auf keinen Fall gehen. Sie rechnet
vielmehr kompliziert aus, welchen Lohn sie für gerecht hält und
welcher Lohn der Wirtschaft nicht schadet.
Und dann erlaubt sich die IG Metall die Frechheit, ihre Mitglie-
der zum Verzicht auf Überstunden aufzufordern. Wofür?
- damit die Lüge der Gewerkschaft, ihr Jahrhundertwerk Arbeits-
zeitverkürzung würde Beschäftigungseffekte erzielen, nicht zu of-
fensichtlich wird;
- damit es nicht so aussieht, als wäre die gewerkschaftliche
Lohnpolitik immer schon insgeheim darauf berechnet, daß die Leute
sich mit Überstunden das Nötige dazuverdienen;
- damit die Gewerkschaftsmitglieder auch etwas haben, womit sie
sich an der anstehenden Tarifrunde beteiligen können. Mit ihrem
Verzicht auf Überstunden dürfen sie moralisch die Tarifpolitik
der Gewerkschaft unterstützen.
Das wird ein "Großkonflikt" werden, wenn er mit einer Opferkam-
pagne beginnt.
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