Quelle: Archiv MG - BRD GEWERKSCHAFT 35H-WOCHE - Neue Freiheiten für Unternehmer
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Das "Traumergebnis" der IG Metall:
DIE UNTERNEHMER LASSEN DANKEN
Das 'Handelsblatt', Sprachrohr der Geschäftswelt, kommentiert das
Resultat der Tarifrunde wie folgt:
"Das Stuttgarter Modell des Jahres 1990 ist ein interessanter und
wohl auch brauchbarer Kompromiß:
- Fast drei Jahre lang werden jetzt in der Metallindustrie nur
Lohnrunden gefahren, und erst zum 1.4.1993 wird dann die Wochen-
arbeitszeit um eine auf 36 Stunden verkürzt. Die 35-Stunden-Woche
kommt erst zum 1.10.1995, also in über fünf Jahren. Schon diese
Planung über ein halbes Jahrzehnt beweist, wie wenig dringlich
die Arbeitszeitverkürzung für die IG Metall eigentlich noch ist,
wie sehr die 35-Stunden-Woche für sie zur Prestigefrage wurde."
Eine Gewerkschaft, der die Arbeitszeitverkürzung für die Mitglei-
der Nebensache ist, kann man leicht das Prestige überlassen. Das
handfeste Interesse des Kapitals bleibt dabei ungeschoren.
"- Drei Monate vor jeder Stufe einer Arbeitszeitverkürzung müssen
die Tarifvertragsparteien noch einmal in Verhandlungen prüfen, ob
auch die ökonomischen Bedingungen dafür gegeben sind. Das kann zu
einem unnützen Palaver werden, wenn die IG Metall dann böswillig
wäre. Wäre sie aber bei einer geänderten Geschäftsgrundlage für
die Arbeitszeitverkürzung einsichtig, wie sie es ja in der Ver-
gangenheit schon einmal war, dann kann ein weiterer Aufschub ver-
abredet werden."
Eine gutwillige Gewerkschaft, die dem Unternehmergewinn nicht
schaden will, wird auch in Zukunft die Arbeiter der kapitalisti-
schen Benutzung so lange ausliefern, wie das Geschäft sie
braucht.
"- Die Lohn- und Gehaltserhöhung für 1990 mit der Sechs vor dem
Komma und noch etwas dahinter (wegen Sockel- und Einmalbeträgen)
war zu erwarten und wird der Metallindustrie keine Probleme brin-
gen."
Eine Gewerkschaft, die haargenau den Lohn erkämpft, den die Un-
ternehmer von sich aus zahlen wollen, bringt dankenswerterweise
nur denen Probleme, die von ihm leben müssen.
"- Eine Sensation aber ist das Einverständnis der IG Metall mit
der 40-Stunden-Woche für 18 % der Arbeitnehmer. Eine ähnliche
Differenzierung war schon einmal im Jahre 1984 vereinbart worden,
dann aber in der praktischen Anwendung der Tarifregelung auf den
verbissenen Widerstand der IG Metall gestoßen. Und das nicht zu-
letzt deswegen, weil die Gewerkschaft mit der Möglichkeit der
einzelvertraglichen Durchbrechung eines Tarifvertrages ein Stück
Tarifautonomie und gewerkschaftlicher Führungskompetenz aus der
Hand geben würde und jetzt gegeben hat."
Eine Gewerkschaft, der man die Tarifautonomie läßt, überläßt uns
"Arbeitgebern" das Kommando. Sie bricht ihre eigene Tabus und
läßt sogar hochoffiziell die Arbeiter länger antreten, als wir es
erhofft haben.
"Noch vor kurzem hieß es bei der IG Metall, eine solche Lösung
wäre das Ende jeder tariflichen Arbeitszeitpolitik (siehe Han-
delsblatt vom 3.5.1990). Und jetzt ist es ein Traumergebnis? Die
Arbeitgeber haben Grund zum Dankeschön."
Und die "Arbeitnehmer" dürfen brav den Lohn und die Arbeit neh-
men, die verordnet werden, damit sich die "Arbeitgeber" weiterhin
bei der Gewerkschaft bedanken können.
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