Quelle: Archiv MG - BRD GEWERKSCHAFT 35H-WOCHE - Neue Freiheiten für Unternehmer
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Jetzt strahlt sie wieder, die 35-Stunden-Sonne der IG Metall;
die beschlossene Lohnsenkung wird getrennt von der betrieblichen
Umsetzung des Tarifabschlusses durchgezogen.
DER WIRKLICHE STREIKERFOLG
E i n e n Erfolg hat der Streik bei SKF unbestreitbar gehabt:
Die f ä l l i g e L o h n s e n k u n g findet nicht als An-
rechnung der Tariflohnerhöhung auf die übertariflichen Zahlungen
statt. Stattdessen soll die Lohnsenkung darüber passieren, daß
die außertariflichen Zulagen in neue Entlohnungssysteme einge-
bracht werden".
Was soll das?
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P r a k t i s c h, in Bezug auf die Lohnsumme, die die Firma
schließlich und endlich dann zahlen wird, ist die Differenz
gleich 0,0%.
Nach wie vor steht fest, d a ß die außertariflichen Zulagen ri-
goros gesenkt werden. G e ä n d e r t hat sich im Resultat des
Streiks nur eines: Die Lohnbestandteile und d e r A n l a ß
der Aufrechnung des Übertarifs haben sich geändert.
N a c h dem Streik hat sie eine Konzession gemacht. N i c h t
in Sachen L o h n k ü r z u n g. Die ist nach wie vor Programm.
Das Zugeständnis der Firma besteht vielmehr darin, daß sie die
T a r i f e r g e b n i s s e b e i d e r
L o h n s e n k u n g a u s d e m S p i e l l ä ß t. Die be-
rühmten 4,7% Erhöhung des Stundenlohns aus dem Tarifvertrag fin-
det jeder als Plus auf seinem Abrechnungszettel wieder.
"Dafür" steht aber das ganze bisherige innerbetriebliche Lohnsy-
stem zur Disposition: Daß "die außertariflichen Zulagen in neue
Entlohnungssysteme eingebracht werden", heißt ja wohl, daß SKF
vorhat, ihr betriebsspezifisches System von Leistungs- und Ak-
kordzulagen, innerbetrieblichen Lohngruppendifferenzierungen, in-
nerbetrieblicher Höherbewertung tariflicher Nacht-, Schicht- und
Erschwerniszulagen - und was sie sonst noch an Übertarif haben -,
daß das alles s o u m g e k r e m p e l t werden soll, daß
durch die N e u f e s t s e t z u n g d e s L o h n s eben
die Einsparungen erreicht werden sollen, die man vorher durch An-
rechnung des Tarifergebnisses erreichen wollte.
Die Nutznießer
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dieser Berechnungstricks stehen damit auch fest.
Die Arbeiter gehören auf jeden Fall nicht dazu. Sie stehen nach
dem Streik so beschissen da, wie zuvor. Die (Berechnungs-)
g r ü n d e, warum sie sich ab 01.04.1988 noch schlechter als
unter der tariflich schon beschlossenen Reallohnsenkung stellen,
können ihnen egal sein.
Die Unternehmensleitung gewinnt zweifellos. Sie hat einen
Freibrief bekommen, in Sachen Lohnsenkung zu unternehmen, was ih-
ren Interessen frommt.
Aber d e r e i g e n t l i c h e N u t z n i e ß e r des
Streiks ist die IG Metall: Sie mitsamt ihren Betriebsräten ge-
winnt als einzige ganz speziell durch das S t r e i k r e s u l-
t a t: Sie hat etwas von der V e r s c h i e b u n g d e r
B e r e c h n u n g s g r u n d l a g e, auf deren Basis die
Lohnsenkung vorgenommen werden soll: Nach dem Willen der Ge-
schäftsleitung sollte die abgehakte Lohnsenkung ausgerechnet als
Ausgestaltung des Tarifabschlusses von 1987 daherkommen. Und
a l s d a s gibt es die Lohnsenkung jetzt nicht. Jetzt gibt es
eine Arbeitszeitverkürzung von einer ganzen Stunde pro Woche mit
2,6% Lohnausgleich und flotte 2,1% Lohnerhöhung dazu. Die
"notwendige Senkung der Personalkosten" findet zwar statt, -
a b e r a n a n d e r e r S t e l l e.
Jetzt strahlt sie wieder, die 35-Stunden-Sonne der IG Metall.
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"Wenn die Geschäftsleitung sich hart zeigt und nicht einlenkt,
können wir nichts machen."
Sollte das wirklich wahr sein?
Einerseits, wenn "man nichts machen kann", dann sollte man auch
nicht streiken, sondern warten, was man geschenkt kriegt und was
nicht.
Wenn man allerdings nicht zuschauen will, wie einem die Butter
vom Brot geholt wird, dann sollte man streiken. Dann aber auch
richtig. D.h. die Gegenseite durch den S c h a d e n, den man
ihr zufügt, z w i n g e n, von ihrem Vorhaben Abstand zu neh-
men. Dann sollte man aber auch nicht sagen: "ob unsere Aktion was
taugt, hängt vom guten Willen des bestreikten Gegners ab."
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"Ohne den Streik wäre alles noch viel schlimmer gekommen."
So erklärt man Streiks für nützlich, von denen man nicht sagen
kann, was sie erbracht haben.
Das ist das Gegenteil einer Bilanz von Aufwand und Ertrag. Es ist
vielmehr der Beschluß, so ziellos weiterzumachen wie bisher.
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