Quelle: Archiv MG - BRD GEWERKSCHAFT 35H-WOCHE - Neue Freiheiten für Unternehmer
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DIE ERFOLGE DER ARBEITSZEITVERKÜRZUNG
Mit den abgeschlossenen Tarifverträgen 1987 befestigten die Ge-
werkschaften ihre Jahrhundertforderung des "Einstiegs in die 35-
Stunden-Woche". Arbeitszeitverkürzungen sollten die Unternehmer
dazu "zwingen" neue Arbeitsplätze zu schaffen. Daß man ihnen für
diese Vorstellung "entgegenkommen" muß, war den Gewerkschaften
klar. So unterschrieb die "radikalste Einzelgwerkschaft" IG Me-
tall das Einfrieren der Löhne auf drei Jahre bei einer
"tariflichen wöchentlichen" Arbeitszeit von 37,5 Stunden für 1988
und 37 Stunden für 1989. Der Forderung der Arbeitgeber, an den
vorhandenen Arbeitsplätzen die Arbeitszeit nach den Bedürfnissen
des Betriebs zu gestalten Flexibilisierung - kam sie mit der Re-
gelung einer "individuellen regelmäßigen Arbeitszeit" (1988 zwi-
schen 37 und 39,5 Stunden, 1989 zwischen 36,5 und 39 Stunden)
nach, mit der alte Regelmäßigkeiten der Arbeit abgeschafft wer-
den. Damit sich auch dauerhaft eine höhere Arbeitszeit ansetzen
läßt, dafür sorgt die Erhöhung des "Ausgleichszeitrahmens" von 2
auf 6 Monate und die Verrechnung der Arbeitszeiten eines Arbeit-
nehmers mit dem "betrieblichen Durchschnitt". Zur weiteren ge-
deihlichen Zusammenarbeit für betrieblich angepaßte Arbeitszeit-
modelle, wurden dem Betriebsrat alle näheren Regelungen in die
bewährten Hände gelegt. Seitdem gehen die allgemeine Arbeitszeit-
verkürzung, die keiner merkt, und flexible Anwendung zusammen.
Der Sachzwang ist immer und überall-flexibel
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"Die individuelle Arbeitszeit des einzelnen Mitarbeiters muß von
der Laufzeit der Maschinen getrennt werden. Die Flexibilisierung
selbst muß auch flexibel gehandelt werden. Jeder Betrieb muß sein
eigenes Konzept erarbeiten. Für den einen mag der Tag, für den
anderen die Woche, für den dritten der Sechsmonatszeitraum rich-
tig sein. Als Ausweg für derzeit fehlende 1,5 Millionen
r e n t a b l e Arbeitsplätze bietet sich eine flexiblere Nut-
zung der vorhandenen Arbeitsplätze durch Flexibilisierung und
Teilzeit an." (Gesamtmetall-Präsident Werner Stumpfe)
Eine einfache und klare Forderung: Die Betriebe wollen ganz in
ihrem Sinne Arbeit anordnen und sie dann entlohnen, wenn sie sie
benutzen. Die Arbeiter liefern ihre Dienste ab, wenn sie gerufen
sind - so ist es ein Arbeitgeberpräsident gewohnt und braucht de-
ren Bereitwilligkeit erst gar nicht zu bedenken. Nebenbei erteilt
der Präsident den Gewerkschaften eine Lektion. Daß Maßnahmen fürs
Kapital die Aufgabe haben, A r b e i t s p l ä t z e zu schaf-
fen, weist er zurück. Er hat die Aufforderung, r e n t a b l e
Arbeitsplätze zu schaffen, ganz richtig als Freiheit fürs Ge-
schäft verstanden. Vorhandene Arbeitsplätze werden weiter renta-
bel gemacht. Und dafür muß "Flexi" immer flexibler werden.
Die Unternehmen, und nicht nur die der Metallindustrie, sind
längst dabei:
Die bundesrepublikanische T e x t i l i n d u s t r i e ließ
über die Fernsehsender verlauten, daß sie nach dem Dollarverfall
mit ihren Ablegern in Fernost so nicht mehr konkurrieren kann.
Kostensenkungen sind angesagt, damit das Preis-Gewinn-Verhältnis
nicht unstimmig wird. Deshalb sieht die Branche ihren Vorteil in
der "hohen Kapitaldecke", die sie gegen die Billiglohnanwender
per "hochtechnisierter Produktion" ansetzt. Damit die Rechnung
aufgeht, will sie eine Ausnutzung der neuen Maschinen an allen
Wochentagen gewährleistet sehen. "Empfindlichkeiten", die Sams-
tags- oder Sonntagsarbeit betreffen, passen dazu natürlich nicht.
Die M T U - G r u p p e lobt in ihrer Bilanz-Pressekonferenz
rückblickend das Geschäftsjahr 1986 als ein weiteres Jahr der Um-
satz- und Auftragssteigerungen und blickt in die nächsten Jahre
mit Zuversicht. Öffentliche und private Auftraggeber für Trieb-
werke zur zivilen und militärischen Nutzung, Schiffsdiesel- und
andere Motoren, versprechen einen profitablen Rückfluß von neuen
Investitionen. Daß die "Werker" den Erfolg garantieren und nicht
etwa Ablieferungsdaten überschritten werden, dafür sorgt MTU mit
ihrer Flexibilisierung. Ein Produktionsprozeß, der nicht durch
die festgelegte Arbeitszeit einer 37,5-Stunden-Woche gestört
wird, ist ihr per Tarifvertrag gesichert. Verrechnungen von Ar-
beitszeiten einiger Abteilungen, die dauernd "Mehrarbeit" lei-
sten, mit der "Gesamtbetriebsarbeitszeit" garantieren einen ko-
stengünstigen Ablauf, denn Zusatzkräfte für die Fertigstellung
von Terminaufträgen kann sich die Firma weitgehend sparen. Arbeit
darüber hinaus läßt sich durch rollierende Schichten mit
"persönlichem Ausgleich über einen bestimmten Zeitraum" (nach Ta-
gen? Wochen? im Sechsmonatszeitraum?) je nach Bedarf anordnen, so
daß es schon mal "passiert", daß ein Werker kurz nach Schichtende
für die übernächste aufgerufen wird. Dann lassen sich noch
"Brückentage" und der Samstag als "regulärer Arbeitstag" für die
betrieblichen Rechnereien in Anschlag bringen. Und damit keiner
der Mitarbeiter meint, ein angespartes Zeitkonto könnte Kalkula-
tionen im eigenen Interesse dienen, verhandelt die Firmenleitung
samt Betriebsrat über Kern- und Gleitzeit. MTU will die Kernzeit
erhöhen, weil angeblich vor allem freitags "alle" unmittelbar
nach der Kernzeit "fluchtartig den Betrieb verlassen".
Die M A N - M ü n c h e n möchte die Schichtarbeit im "Rahmen
der Neuregelung der Arbeitszeit durch die Arbeitszeit durch die
Arbeitszeitverkürzung" ausweiten. Vor nicht langer Zeit begrün-
dete die Firma Rationalisierungen und Massenentlassungen mit den
"roten Zahlen", denen die MAN bei "Strafe des Untergangs" - auch
im "Namen ihrer Mitarbeiter" - schleunigst entkommen müsse. Nun
sieht sie sich anhand der einschlägigen Erfolge ihrer Maßnahmen
schon wieder vor ein "Problem" gestellt: Erhöhter Auftragseingang
"führte zu räumlicher Enge" an den Bändern. Hat MAN bis jetzt in
manchen Abteilungen die geforderten Produktionszahlen durch die
höchstmögliche Auslastung ihrer Fahrstraße mit regelmäßigen Über-
stunden erreicht, so erscheint ihr für die Zukunft eine zusätzli-
che Schicht rentabel. Mehr Arbeit an den gleichen Produktionsan-
lagen anwenden erspart Investitionen, führt zu verminderten
"maschinenabhängigen Kosten" und macht so nebenbei Überstunden-
zahlungen überflüssig. Da MAN für die Zukunft mit einem geringe-
ren Auftragsvolumen kalkuliert, kommt eine Erweiterung der Kapa-
zitäten nicht in Frage. Arbeiter sind nämlich flexibler als Ma-
schinen: Schichtarbeit läßt sich auch wieder abschaffen, und
überflüssige Arbeiter kann man billig loswerden. Maschinen sind
da schon anspruchsvoller. Eine "Einengung" ihrer Freiheit durch
"einheitliche Arbeitszeitverkürzungen" will sich die Firma bei
ihrem neuen Konzept nicht auferlegen lassen. Die flexible Gestal-
tung der Arbeitszeit mit rollierenden Freischichten und 9- bis
10-Stunden Schichten, neben allen anderen bereits üblichen Ar-
beitszeiten, läßt ihr die Möglichkeit, jeder "Auslastung" der Ab-
teilungen und Arbeitsplätze durch die flexible Belastung ihrer
Arbeiter- gerecht zu werden.
Die M a s c h i n e n f a b r i k V o i t h - H e i d e n-
h e i m hat sich für ihre 5000 Mitarbeiter ein "Langzeitkonto"
maßgeschneidert:
"Hier darf das langfristige Freizeitkonto maximal 150 Stunden
Zeitguthaben und 100 Stunden Zeitschuld aufnehmen. Laut Betriebs-
vereinbarung soll ein langfristiges Freizeitguthaben dann in Pha-
sen der Unterbeschäftigung abgebaut werden." (Süddeutsche Zeitung
vom 7.9.87)
Ein Beispiel solider Managementkunst. In Glanzbroschüren und an-
derswo damit angeben, daß der deutsche Maschinenbau so stark ist,
weil er ganz nach den Bedürfnissen seiner Kunden nach Auftrag
produziert, und jammern, daß man gegenüber anderen Branchen zwar
keine Lager- und Lagerzinskosten hat, dafür aber "Wagniskosten"
wegen unterschiedlicher Auslastung der Maschinen. So verstehen
Unternehmer, ihr "Risiko" in Rechnung zu bringen und die "geringe
Maschinenauslastung" weiterzugeben. Dieses Risiko tragen dann die
"Arbeitsplatzbesitzer". Daß unregelmäßiger Geschäftsgang zu deren
Lasten geht, daß der Lohn in Zeiten verminderten Geschäfts ge-
kürzt oder abgeschafft gehört, ist für Kapitalisten selbstver-
ständlich. Neu ist allerdings die Idee, Arbeiter als Kreditgeber
zu betrachten, die in Zeiten von Überbeschäftigung Teile ihrer
Arbeitslöhne nicht ausbezahlt bekommen, weil sie erst in Zeiten
der Unterbeschäftigung verrechnet werden: 20% der in einer Ab-
rechnungsperiode anfallenden Mehrarbeitsstunden werden einem
Zeitkonto zugeführt, das bei "immer wiederkehrenden Unterbeschäf-
tigungsphasen der Maschinenbaubranche" abgebaut wird. Den Mitar-
beitern die "Kurzarbeit erspart" zu haben, ist schon eine kleine
Lüge. Sich hat die Firma allerdings zusätzliche Arbeitskräfte bei
Hochbetrieb erübrigt. Wenn viele Aufträge da sind, dann wird rund
um die Uhr gewerkelt, wenn nicht, dann darf man die Stunden
"abfeiern". "Heuern" und "feuern" - laut Gewerkschaften ein
Greuel des ungebremsten Kapitalismus vergangener Tage - geht eben
auch so.
Die B e r t e l s m a n n D i s t r i b u t i o n s A G will
Mitarbeiter früher heim oder in Urlaub schicken, damit die Firma
Zeitkredite bei ihrer Belegschaft ansammelt. Sie will nämlich an
Tagen mit vermehrtem Geschäftsanfall ihre Guthaben zu normalem
Tarif einfordern. Dabei greift sie auf eine branchenübliche An-
nehmlichkeit der Lohnzahlung zurück: "Das Entgelt läuft in konti-
nuierlichen Monatszahlungen weiter." Überstundenzuschläge
braucht's da nicht, weil Monat für Monat der gleiche Lohn über-
wiesen wird.
So unterschiedlich das Anliegen daherkommt, ob als Konkurrenz-
druck, der Flexibilisierung nötig macht, Investitionen, die sich
lohnen müssen, Auftragsproduktion, die unterschiedliche Arbeits-
zeiten gebietet, Maschinenparks, die keinen Stillstand vertragen
(IBM, Siemens), verkaufsstarke Zeiten (Handel und Distribution)
und angestrebte kürzere Lagerzeiten, die gleichermaßen unter-
schiedliche Anwesenheit von Mitarbeitern verlangen usw., einem
gleichen Interesse sind sie schon geschuldet. Unternehmer senken
ihre Kosten für den Gewinn. Vermehrte Nutzung eines Maschinen-
parks kalkuliert man als Senkung der pro Stück verrechneten
"maschinenabhängigen Kosten". Der schnellere Rückfluß des in
"Sachanlagen" investierten und in Waren "gebundenen" Kapitals
durch schnelleren Absatz von Produkten schlägt sich in geringeren
Zinskosten im Vergleich zu anderen Kapitalen nieder. Eine Anpas-
sung an unterschiedliche Nachfrage der Kundschaft wird kostengün-
stig gestaltet, indem durch flexible Anpassung der vorhandenen
Arbeiter die Gesamtlohnsumme gekürzt wird. Und mit Hilfe der Ge-
werkschaften läßt sich mit der Zeit eine allgemeine Senkung der
Lohnkosten durch Wegfall der Überstundenzuschläge erreichen.
Kapitalisten gestalten ihr Interesse als die übergeordnete Größe
"Betrieb", die natürlich rentabel wirtschaften muß. Daß Geschäf-
temachen so etwas ist wie eine Not, die einem eine Sache, ähnlich
einem Naturgesetz, gebietet, ist erfunden. Allein, daß ihr Inter-
esse g i l t, und sie für es die nötigen Maßnahmen treffen,
macht die Lüge vom Sachzwang plausibel. Wie Kapitalisten arbeiten
lassen oder wann sie Freizeit verordnen, untersteht ihrer Verfü-
gungsgewalt. Die Interessen der ihnen untergeordneten Arbeiter
sehen da allemal schlecht aus.
Der Betriebsrat wird es richten - er stimmt zu
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Nach Tarifvertrag sind den "Arbeitnehmervertretern im Betrieb"
alle näheren Regelungen mit der Unternehmensleitung zugewiesen.
Daß Betriebsräte ihre Kenntnisse über die besonderen Flexibili-
sierungsbedürfnisse "ihres Betriebs" zu dessen Wohl einsetzen,
dafür sind sie bei ihrer Gewerkschaft bekannt. Und sie werden ge-
braucht, damit die tariflich zugestandene Freiheit der Unterneh-
menskalkulationen nicht ohne betriebsrätliche Mitsprache bleibt.
"Der Betriebsrat wehrt sich entschieden, weil er mit Einführung
der Flexiregelung eh schon alles zugelassen hat, was notwendig
war... Der Betriebsrat verschließt sich nicht der AAZ, hat er
doch bis jetzt auch zu allem ja gesagt, Samstags-, Sonntagsar-
beit, 3-Schichtbetrieb, 6-Schichtbetrieb am Wochenende, aber nur
dann, wenn's unbedingt nötig war." (Greck, Betriebsrat MTU, Mün-
chen)
Wogegen sich der Betriebsrat "entschieden wehrt", braucht man
wirklich nicht zu wissen. Er will ja eh nur sein schweres Ringen
mit der Unternehmensleitung, die in der bekannten "unterneh-
merischen Willkür" Unnötiges fordert, demonstrieren. Daß er durch
entschiedenes Eintreten Betriebswohl und Arbeitnehmerwohl doch
noch zusammenbringt, dafür taugt die Erfindung von "unsachgemäßen
Arbeitgeberforderungen". Wenn er den Maßnahmen fürs Gewinnemachen
zugestimmt hat, dann sind sie betriebsnotwendig; und seine
Leistung für die Arbeitnehmer liegt auf der Hand: Er hat allem
nicht zugestimmt, was der Betrieb nicht braucht. Der Schaden der
Arbeiter ist damit vertraglich gesichert.
Das Lied der Gewerkschaft - Flexibilisierung ist für alle da
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Damit wäre eigentlich alles erledigt, würden nicht nach den gran-
diosen Tarifverträgen Gewerkschafter Auslegungsbedarf anmelden.
Abgehoben von den wirklichen Regelungen heben sie zu einer De-
batte um die Deutung der von ihnen zugestandenen Unternehmermaß-
nahmen an, z.B. IG Metall-Vorstandsmitglied Bleicher:
"Angesichts der Flexibilisierungsforderungen der Unternehmen hält
Bleicher nicht die Fortschreibung der Arbeitszeitverkürzungspoli-
tik, sondern den 'Kampf um die Lage, Verteilung und Organisation
der gesellschaftlichen Arbeit in Zeit und Raum' für die 'große
Herausforderung der nächsten Jahre'. Vor diesem Hintergrund be-
wege sich die zukünftige Tarifpolitik in einem 'Spannungsver-
hältnis von drei Kräftefeldern'. Neben dem Ziel der IG Metall,
kollektivgeregelte Arbeitsverhältnisse durchzusetzen, gehöre zu
den Rahmenbedingungen das Interesse der Arbeitgeberseite, die
Verfügungsgewalt über die Arbeit neu zu regeln. Für die
Unternehmen spiele eine wesentliche Rolle, inwiefern zeitlich
beliebig und von der Arbeitsstätte unabhängig auf die Arbeits-
kräfte zurückgegriffen werden könne. Das dritte Kraftfeld werde
durch die Bedürfnisse und Ansprüche der Arbeitnehmer bestimmt.
Bleicher konstatiert einen Einstellungs- und Wertewandel. Es gebe
unterschiedliche Interessen der Arbeitnehmer an einer flexiblen
Gestaltung der Arbeit und der Arbeitszeit, denen sich die Gewerk-
schaft auf Dauer nicht verschließen könne." (Handelsblatt,
30./31.10.87)
Die Unternehmer haben gehandelt, und angesichts deren neuen The-
mensetzung möchte sich ein IG Metall-Vorstandsmitglied nicht län-
ger bei seinem Geschwätz von einer für die Menschheit aufgehenden
Sonne der 35-Stunden-Woche aufhalten, denn so ernst war Arbeits-
zeitverkürzung gar nicht gemeint. Er hat für sich ein anderes Be-
tätigungsfeld gefunden, nämlich "drei Kraftfeldern" nachzuspüren,
die ihre Spannungen auflösen müssen. Trotz seines hochgestochenen
Geschwafels von Zeit und Raum und so kann Bleicher nicht verheim-
lichen, warum er im IG Metall-Vorstand ist. Sein Standpunkt ist
ziemlich einfach: Wenn die Gewerkschaft die Flexibilisierung
schon unterschrieben hat, dann ist sie auch selbstverständlich im
Interesse der Arbeiter, selbst wenn sich die Gewerkschaft gegen
ihre Einführung "entschieden gewehrt" hat. Dazu braucht Bleicher
sich nur einen "Wertewandel" bei den Arbeitern erfinden, dessen
Ruf er sich nicht weiter verschließen will - und fertig ist sein
Auftrag, den ihm keiner erteilt hat.
Wie es um den anderweitig angekündigten "Kampf mit Zähnen und
Klauen um das arbeitsfreie Wochenende" und um den "Lebensstandard
der deutschen Arbeiterklasse" bestellt ist, haben die Gewerk-
schaften schon vorgeführt. Jeder Dritte soll nach ihren eigenen
Aussagen samstags längst im Betrieb sein, was wohl schlecht ohne
die Zustimmung der Betriebsräte ging. Wie man eine lohnsenkende
Ausgleichsregelung bastelt, hat wieder einmal die IG-Metall ge-
zeigt: Arbeiter, deren Arbeitszeiten unter die vereinbarten
"individuellen regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeiten" fallen,
erhalten eine Ausgleichszahlung, die bei manchen ab 1989 entfällt
und bei anderen sich ab 1990 jährlich um 25% vermindert. Arbei-
ter, die von der Firma neu eingestellt werden, erhalten diese
Ausgleichszahlungen nicht, denn - so die Gewerkschaftslogik - wo
es gar keinen Lebensstandard gibt, da gibt es auch nichts zu
"verteidigen".
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