Quelle: Archiv MG - BRD GEWERKSCHAFT ALLGEMEIN - Politik auf Kosten der Arbeiter


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       Marxistische Hochschulzeitung, April 1982
       
       Vetter geht
       

SAG BEIM ABSCHIED LEISE SERVUS

Um den Deutschen Gewerkschaftsbund braucht der Republik gewiß nicht bange zu sein, wenn Heinz Oskar VETTER demnächst nach drei- zehnjähriger Amtszeit aus dem aktiven Dienst ausscheidet. Mit Ernst BREIT steht ein Nachfolger bereit, dessen ganze Lebensfüh- rung die Forderung des DGB an seine Mitglieder belegt: Dienen will ich, nicht verdienen. Ganz in diesem Sinne hat Vetter seine eigenen Verdienste im "Stern" gewürdigt. 1. Dreizehn Jahre hat er bei allem mitgemacht, was die Bonner Po- litik seinen Mitgliedern zugemutet hat: Reallohnsenkung, Steuer- schröpfung, Drangsalierung der Arbeitslosen, Aufrüstung gegen den Hauptfeind und und und. Jetzt ist er stolz darauf, daß er das al- les mit SPD und CDU geschafft hat - und doch ganz frei der DGB geblieben ist. Die Dienerschaft läßt er sich eben von keinem neh- men: "STERN: Herr Vetter, Sie waren 13 Jahre lang an der Spitze des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Was haben Sie geleistet? VETTER: Es gibt da schon einiges, auf das ich stolz bin. Da ist zum Beispiel die Tatsache, daß der DGB noch nie so unabhängig von den Parteien, auch von der SPD war wie in meiner Amtszeit. Ich habe das christlich-soziale Element bei den Gewerkschaften immer sehr hoch eingeschätzt. Eine Einheitsgewerkschaft braucht (ja was wohl?) ein Mindestmaß an Freiheit von der Parteipolitik." 2. 13 Jahre lang hat er energisch seine Millionen Mitglieder der deutschen Politik und ihrer Wirtschaft als Manövriermasse zur Verfügung gestellt, für deutsche Arbeit, deutschen Frieden, deut- sches Ansehen. Er hält das für einen einzigen Vorteil - für den DGB. Und so soll es auch weiterhin bleiben. "STERN: Was glauben Sie hat Bestand? VETTER: Zum Beispiel die breite Anerkennung des DGB bei allen po- litischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kräften dieser Republik. Als die Gewerkschaften in diesem Frühjahr darum baten, mit allen Institutionen ein Gespräch über die hohe Arbeitslosig- keit zu führen (lat. Audienz), war das geradezu eine Selbstver- ständlichkeit. Wir mußten die Aussprache nicht erst erzwingen Das passiert sonst nirgendwo auf der Welt." Glückliches Land, in dem die Herrschenden ihren Gewerkschaften ihr offenes Ohr schenken! 3. Spätestens im letzten seiner dreizehn Amtsjahre hat er aber auch mitbekommen, daß Deutschlands Regierungsgeschäfte viel zu wichtig sind, um immer in den Händen der Partei zu bleiben, der er selber angehört. Sein Kommentar: Servus! Auf deutsch: ich und mein Verein werden auch künftig der deutschen Politik gehorsamste Diener sein, auch wenn deren Führer der andere Helmut oder Franz- Josef sein sollten. "VETTER: Wir sind als Gewerkschaftsvorsitzende gehalten, ganz un- abhängig davon, welche Regierungen gerade am Ruder sind, solche Chancen (s.o.) zu nutzen, um selber Einfluß zu nehmen. STERN: Würden Sie ihrem Nachfolger Ernst Breit raten, auch zu Ka- mingesprächen mit einem CDU-Kanzler zu gehen? VETTER: Selbstverständlich." Fazit. Dieser Mann hat sich um Deutschland verdient gemacht. Daran hat er sich offenbar so gewöhnt, daß er "Deutschland" glatt für ein Synonym für "Arbeiterbewegung" hält und sich für deren Denkmal. "STERN: Ohne die Affäre um die Neue Heimat hätte der DGB Ihnen ein Denkmal für die Arbeiterbewegung errichtet. Wenige Monate vor Ende Ihrer Amtszeit wurde Ihr Nachruhm bekleckert. VETTER: Das ist irgendwie ungerecht. Ich kann von mir sagen: Ich habe gearbeitet wie ein Pferd." zurück