Quelle: Archiv MG - BRD GEWERKSCHAFT ALLGEMEIN - Politik auf Kosten der Arbeiter
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Bremer Hochschulzeitung Nr. 50, 01.02.1982
DGB: POLITIK AUF KOSTEN DER ARBEITER
Vortrag mit Diskussion - Veranstalter: Marxistische Gruppe (MG)
- Der DGB will "keine Lohnmaschine" sein.
Eine Lohnmaschine wäre aber bitter nötig.
Was hat der DGB eigentlich gegen mehr Lohn?
Wozu eine Gewerkschaft, die meint, den Arbeitern ginge es gut ge-
nug?
- Jede Mark Übertarif, die ein Unternehmer zahlt, ist ein Fehler
der Gewerkschaft.
Diese Mark kriegt man nur für die bedingungslose Erfüllung sämt-
licher Gebote, die der Betrieb mit einem Arbeitsplatz erläßt und
nur, solange es ihm paßt.
Wozu eine Gewerkschaft, die den Unternehmern alle Freiheit si-
chert?
- Die Gewerkschaft will kein Feind des Kapitals sein.
Deshalb macht sie aus Lohnverhandlungen ein umso größeres Thea-
ter.
Gespielter Klassenkampf für Lohnsenkung.
- Was ist Tarifautonomie?
Freiwillige Lohnsenkung im Namen der Arbeiter, gesetzlich ge-
schützt.
- Die Gewerkschaft wahrt den Betriebsfrieden.
Die Unternehmer nutzen ihn.
- "Starke Betriebsräte gibt es nur mit einer starken Gewerk-
schaft."
Denn: Arbeiten muß jeder - Zustimmen darf nur der DGB.
- Die Unternehmer lassen arbeiten und entlassen.
Die Gewerkschaft beschwert sich über Rationalisierung und Ar-
beitslosigkeit.
So stört keiner den anderen.
Das steht im Manteltarifvertrag.
- Wer für Arbeitsplätze ist wie der DGB - dem ist jede Arbeit
recht.
- der meint, den Arbeitslosen fehlte Arbeit und nicht Geld.
- der hält die Profitwirtschaft für ein Beschäftigungsprogramm
und Arbeitslosigkeit für dessen Scheitern.
- der verhindert keine einzige Entlassung
- sondern macht Vorschläge für die Benutzung der Entlassenen.
- Die Opfer der Lohnarbeit
- Arbeiter, Kranke, Invaliden, die verbrauchten Alten - sieht
der DGB im sozialen Netz gut aufgehoben. So gut, daß er jede Mark
befürwortet, die der Staat dafür mehr einnimmt und weniger aus-
gibt. Der DGB weiß eben, was soziale Gerechtigkeit ist: Vertei-
lung des Schadens.
- Was ist Mitbestimmung?
Wenn die Gewerkschaft nicht Partei sein will, sondern Mittler.
Wenn sie nicht für die Interessen ihrer Mitglieder eintritt, son-
dern mit Staat und Kapital über die rentabelste Benutzung der na-
tionalen Arbeitskraft berät.
Wenn der soziale Friede das höchste gewerkschaftliche Gut ist.
- Die DEUTSCHE GB-Führung reist gerne durch die ganze Welt, Ge-
meinsam mit den DEUTSCHEN Politikern wacht sie darüber, daß die
gute DEUTSCHE Arbeit im Ausland einschlägt. Mit den Erfolgen des
DEUTSCHEN Kapitals gibt sie an, weil sie auf Kosten der DEUTSCHEN
Arbeiter zustandekommen, die sie vertritt.
- Der DGB kennt die Feinde der deutschen Arbeiter in der Welt.
Es sind die, die Bonn zu seinen Feinden erklärt.
Die Russen wegen Afghanisten.
Die Sowjets wegen Polen.
Die Sowjetrussen überhaupt.
- Der DGB schätzt die Bundeswehr.
Denn die stärkt die NATO, macht also die Arbeit rentabel, den
Russen Angst und die Opfer fürs Vaterland todsicher. Der DGB ver-
mißt nur noch ein Recht auf gewerkschaftliche Truppenbetreuung.
- Der DGB besitzt auch eine Basis.
Diese darf Beiträge zahlen, die Klappe halten, auf Befehl Solida-
rität demonstrieren, auf Befehl wieder aufhören. Und die ganze
Zeit arbeiten. Dafür besitzt die Basis auch einen DGB.
- Wer ist ein Feind der Gewerkschaft?
Jeder, der sie verdächtigt, ein Feind von Staat und Kapital zu
sein. Also vor allem die, die das verlangen.
Daß dieser Verein d i e Organisation der deutschen Arbeiter
ist, spricht nicht im geringsten für den DGB. Das beweist nur,
was für schlimme Fehler die deutschen Arbeiter sich bei der ge-
werkschaftlichen Vertretung ihrer Interessen leisten. Und daß
diese Fehler schon wieder eine 30-jährige Tradition haben,
spricht erst recht nicht für sie. Wir meinen: Drei Jahrzehnte DGB
sind genug!
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