Quelle: Archiv MG - BRD GEWERKSCHAFT ALLGEMEIN - Politik auf Kosten der Arbeiter


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       Bremer Hochschulzeitung Nr. 73, 02.05.1983
       
       50 Jahre Maifeiertag
       
       Vor fünfzig  Jahren, am  2. Mai  1933,  hat  der  frischgebackene
       Reichskanzler Adolf  Hitler die  deutschen Gewerkschaften mit Ge-
       walt und  mit der Gewalt des Rechts zerschlagen. Aus diesem Anlaß
       ergehen der  DGB und  seine Mitgliedsgewerkschaften sich in rück-
       blickendem Selbstmitleid.  Wie unmöglich  es damals  gewesen sei,
       Hitler noch  Widerstand zu  leisten: das ist die Botschaft Nr. 1,
       die der  DGB in  seinen Zeitungen  und in Reden zum 50. Jahrestag
       dem Publikum mitteilt. Und Botschaft Nr. 2 heißt: Gar manches ist
       heute wieder ganz ähnlich wie einst. Die Entschlossenheit der Re-
       gierung z.B.,  an den  Bedürftigen der  Nation  ein  Sparprogramm
       durchzuziehen, -  und umgekehrt die "Ohnmacht" der Gewerkschafts-
       bewegung, damals  wie heute  "geschwächt" durch  Arbeitslosigkeit
       und die  Sturheit der  Arbeitgeber und  des politischen  Gegners,
       auch die  alte Mär  von der  spalterischen KPD darf wieder einmal
       aufmarschieren.
       Eine, und zwar die wichtigste Übereinstimmung im damaligen und im
       heutigen Gewerkschaftswesen  kommt  in  den  tränenseligen  Rück-
       blicken des  DGB allerdings  - wohlweislich  - nicht  vor: In den
       30er wie in den 80er Jahren ist
       
       DIE GEWERKSCHAFTSPOLITIK -
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       EIN EINZIGER FEHLER DER DEUTSCHEN ARBEITER
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       Wenn...
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       ...die  Arbeiter   1933  ihre  Gewerkschaft  als  Instrument  für
       l o h n e n d e   K ä m p f e  benutzt hätten - und nicht als In-
       stitut für  die  untertänige  Unterbreitung  konstruktiver  Wirt-
       schaftsprogramme;
       ...die Arbeiter  sich damals nicht der "Wirtschaftskrise" gebeugt
       hätten, weil  sie ihre "gewerkschaftlichen Kampfmöglichkeiten be-
       einträchtigte", sondern  umgekehrt den   G e g e n s a t z   zwi-
       schen dem  Schicksal "der"  Wirtschaft und  ihrem Lebensunterhalt
       und Wohlergehen begriffen hätten;
       ...die Arbeiter  sich nicht  durch nationalistische  Begeisterung
       und den  Stolz auf  ihre höchstoffizielle Anerkennung durch Staat
       und Führer  hätten  abspeisen  lassen,  sondern  ihr  materielles
       Wohlergehen zur  Richtschnur aller  gewerkschaftlichen  Aktivität
       gemacht hätten;
       
       dann...
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       ...hätte Hitler  sich schwergetan mit dem Zerschlagen und Verbie-
       ten.   D a n n  hätten die Arbeiter nämlich ihre Gewerkschaftsor-
       ganisation offensiv  b e n ü t z t  - und dann wäre es nicht in 6
       Stunden mit  ihr vorbei  gewesen. Einem  Generalstreik wären auch
       Hitler und Reichswehr nicht gewachsen gewesen.
       
       Heute...
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       ...hat der  DGB genau wie damals nur einen Ehrgeiz: als konstruk-
       tive Aufbaukraft  will er  sich nicht  übertreffen lassen - schon
       gar nicht von den Rechten, den Kapitalisten und den Faschisten;
       ...geht den Gewerkschaften nichts über eine offizielle staatliche
       Anerkennung der  glorreichen, selbstlosen  Aufbauleistungen,  mit
       denen patriotische  Arbeiter sich  immer wieder zu den nützlichen
       Idioten der Nation und ihrer Führer machen;
       ...findet die Gewerkschaft selbst den Lohn und erst recht Lohner-
       höhungen furchtbar  unpopulär und  "fordert"   s t a t t  L o h n
       l i e b e r  L o b  und "Mitverantwortung";
       ...will die  Gewerkschaft nicht Kampfinstrument unzufriedener Ar-
       beiter sein,  sondern - wie damals - die Standesvertretung braver
       Patrioten, die  nichts als "Brot" "fordern" und dafür die Bereit-
       schaft zu "Arbeit" jeder Sorte versprechen;
       ...beschwert die  Gewerkschaft sich lieber neidisch über allerlei
       "Ungerechtigkeiten", als  daß sie die Gerechtigkeit einer Ordnung
       bekämpft, in  der Arbeiter  mit ihrem  Lebensunterhalt die ehren-
       volle   Rolle    des       b e d i n g t      n ü t z l i c h e n
       K o s t e n f a k t o r s  zu spielen haben.
       
       Deswegen...
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       ...b r ä u c h t e  Hitler den DGB wahrscheinlich noch nicht ein-
       mal zu  verbieten (sondern  nur den  Blüm zum Vorsitzenden zu ma-
       chen);
       ...k ö n n t e   Hitler den  DGB genauso  problemlos zerschlagen,
       wie ihm das 1933 mit dem ADGB gelungen ist!
       ...sind unsere  demokratischen Politiker mit dem DGB so zufrieden
       und lassen ihn all das mitbestimmen, was deutsche Unternehmer und
       Politiker vom arbeitenden Volk an nationalen Diensten fordern.
       Obman nicht   d i e s e   unbeliebte  "Lehre aus  der Geschichte"
       einmal beherzigen sollte?!
       
                                     ***
       
       Arbeit fordern ist verkehrt
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       Als ob  dem Arbeitslosen wirklich  A r b e i t  fehlen wurde! Je-
       den Tag  mindestens 8 Stunden in der Fabrik zubringen und das le-
       benslang, das  soll deren  sehnlichster Wunsch  sein? Fehlt ihnen
       wirklich der  morgendliche Gruß  vom Werksschutz?  Ist doch alles
       gelogen! Den Arbeitslosen fehlt etwas ganz anderes:  G e l d!
       Na klar: Für Lohnarbeiter ist hierzulande Arbeit das einzige Mit-
       tel, um  an Geld  heranzukommen. Aber  ist das  ein Grund, diesen
       Zweck der  ganzen Schufterei  vornehm zu verschweigen, und ausge-
       rechnet die Lohnarbeit zur Hauptsache Hauptsache zu erklären? Je-
       der weiß  doch, daß  dies die unangenehmste Art ist, Einkommen zu
       beziehen.
       Einen Arbeiter, der sich ausgerechnet für Arbeit stark macht, ob-
       wohl er  doch Geld  braucht, haben  Staat, Wirtschaft und Gewerk-
       schaft schon  immer zu  nutzen gewußt. Dem wird  j e d e  Arbeit,
       egal, wo,  wann, wieviel  und wielange  zugemutet;  und  dies  zu
       j e d e m   Lohn. Der  hat dann  auch noch  froh zu  sein, daß er
       ü b e r h a u p t  arbeiten darf!
       Anspruchslosigkeit und  Dienstbereitschaft machen  sich eben  für
       die Arbeiter  nie bezahlt. Im Gegenteil. Die Verantwortlichen für
       die deutsche  Wirtschaft werden in ihrer Maßlosigkeit noch ermun-
       tert. Das macht dann Deutschland reich und die Arbeiter arm.

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