Quelle: Archiv MG - BRD GEWERKSCHAFT ALLGEMEIN - Politik auf Kosten der Arbeiter


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       Dortmunder HZ Nr. 18B, 10.05.1983
       
       Wochenschau
       

3 x 1. MAI - EINE NACHLESE

In der BRD beging der DGB den 1. Mai als Demonstration. der na- tionalen Oppositionskoalition für Arbeit und Frieden, gebildet aus deutscher Arbeit und SPD, gegen die CDU/CSU/FDP-Regierung. "Gefordert" wurde, was die Regierung sowieso als ihr Vorhaben verkündet, nämlich - "Frieden": als hätte man in den Sachwaltern der nationalen In- teressen nicht die U r h e b e r der interessanten Perspektiven des NATO-Friedens vor sich, die Frieden nur unter der Bedingung und somit als Verlaufsform ihres weltweiten Erfolgs kennen und halten wollen, sondern eine leider zu schlaffe Kriegsgefahrbe- kämpfungstruppe; zu deren Aufmunterung wurden Wohnviertel, in denen die Bundeswehr noch nicht einmal Panzer zu stationieren ge- denkt, mit viel Operetten-Pathos zu "atomwaffenfreien Zonen" er- klärt. - "Arbeit für alle": als fehlte den Entlassenen Licht Geld, son- dern eine achtstündige Beschäfigungstherapie am Tag; und als käme es aus der Natur, und nicht aus dem erpresserischen Charakter der Lohnarbeit unter dem Kommando eines freien Unternehmertums, daß der bloße Lebensunterhalt der Arbeiter abhängt von ihrer lohnen- den, profitbringenden Benutzung. Mit modernen Vokabeln wurde die alte, schon Hitler geläufige "Forderung" aufgewärmt, die Regie- rung hätte ihrer Arbeiterklasse gefälligst einen umfassenden und lückenlosen Arbeitsdienst zu garantieren. Alle Veranstaltungen verliefen friedlich; die Polizei mußte nicht eingreifen, war vielmehr selbst in Gestalt ihrer DGB-Gewerkschaft Kundgebungsteilnehmer; und der DGB-Vorsitzende hielt in der Pose eines Staatsmanns eine Fernsehansprache ans Volk zur besten Sen- dezeit. Tags darauf kam der DGB allerdings dennoch nicht auf be- ste Plazierungen in der Presse, weil i n P o l e n die Anhän- ger der verbotenen Gewerkschaft Solidarnosc am 1. Mai einen Auf- ruhr gegen die Regierung versucht hatten. Sie warfen ihr Verrat an der Nation vor, vertauschten die roten Fahnen mit polnischen, verschanzten sich in ihren Kirchen und hielten sich mitnichten an das i m W e s t e n befohlene Gebot der Gewaltfreiheit bei De- monstrationen. Ihre Steine auf die Miliz wurden dennoch im West- fernsehen als Argumente hergezeigt, und ganz gegen die ehernen Gepflogenheiten hiesiger Bildregie konzentrierten sich die Film- berichte auf die prügelnden Polizisten und die verletzten Demon- stranten. "Zusammenstöße mit der Polizei / Walesa: Ein Erfolg" untertitelte die "Frankfurter Rundschau" vom 2. Mai ihren Aufma- cher auf der Titelseite; dies auch der Tenor des Kommentars. Lange suchen mußte man hingegen in der "Süddeutschen Zeitung"; um am 3. Mai einer 11-Zeilen-Meldung auf Seite 6 zu entnehmen, daß in Chile trotz Verbots der faschistischen Junta zum Kampftag der Arbeiterklasse eine Demonstration im Zentrum der Hauptstadt San- tiago stattgefunden hat. Laut Reuter gab es 10 Verletzte und über 100 Verhaftungen, weil sich die Demonstranten als "Gegner des Mi- litärregimes zu erkennen gegeben hätten". Der 1. Mai in unserer D e m o k r a t i e, in einer f e i n d- l i c h e n Volksdemokratie und in einem v e r b ü n d e t e n F a s c h i s m u s: Staatsfeier hier, als Angriff auf den Staat d r ü b e n im Westen gefeiert, als "Ausschreitungen (!) während einer verbotenen Mai-Demonstration" kaum registriert. zurück