Quelle: Archiv MG - BRD GEWERKSCHAFT ALLGEMEIN - Politik auf Kosten der Arbeiter
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Bremer Hochschulzeitung Nr. 72, 19.04.1983
Wochenschau
"HAMBURG KÄMPFT UM SEINE ARBEITSPLÄTZE"
Zur Verteidigung dieses kollektiven Besitztums fanden sich vor
dem Rathaus nahezu ausschließlich solche Hanseaten ein, die die
Verfügung über Arbeitsplätze durch die Beschränkung ihres Lebens-
unterhalts auf Sozialleistungen oder durch "Schuften und Bauen"
für gesunde Unternehmenserträge zu spüren bekommen. Die Treue zum
erzwungenen Dienst am Arbeitsplatz und die ungebrochene Bereit-
schaft, "unsere ganze Kraft für die Leistungsfähigkeit des Unter-
nehmens einzusetzen", waren für die Gewerkschaftsvertreter d i e
ehrenwerte Rechtfertigung für die Anfrage an die Öffentlichkeit,
ob denn wirklich die Schaffenskraft deutscher Arbeiter nicht wei-
ter g e b r a u c h t werden könnte. Denn - "Umweltschmutz" und
"Wohnungsnot" sind Zeuge - "Arbeit gibt es genug in Deutschland.
Warum erledigt man sie nicht mit den 2,5 Millionen Arbeitslosen?"
(IGM Vorstand Jantzen) - zur Freude der Umwelt, für einen wirkli-
chen Aufschwung der (Bau-)Wirtschaft, um der Verantwortung der
Politiker Genüge zu tun und den Arbeitern den einzigen Anspruch
zu befriedigen, der sich für eine "Arbeitskraft" heutzutage
ziemt: "Wir wollen keine Almosen empfangen. Wir wollen in ehrli-
cher Arbeit selber verdienen, was wir bekommen" (!) (Jantzen).
Jedem das Seine!
Und den geschätzten "Arbeitsplätzen" einen ungebrochenen werktäg-
lichen Arbeitsfrieden. Dafür hatte die Gewerkschaft am Sonnabend
zu einem Bürgerprotest vors Rathaus und den 1. Bürgermeister als
wichtigsten Demonstranten "für Hamburg" geladen.
Von der Gewerkschaft in die Verantwortung für Hamburgs Wirtschaft
gerufen, die er längst wahrnimmt, und als "einzige Chance" der
(arbeitsplatzfeindlichen Unternehmern ausgelieferten) Arbeitneh-
mer begrüßt, gab Dohnanyi ein Versprechen ab: er werde sich von
den Werftarbeitern "nicht auseinanderdividieren lassen", wenn er
seine "vom Staat getragene Industriepolitik" anordnet, in der Si-
cherheit: "Sie alle werden uns unterstützen." Mit oder ohne Ham-
burger Arbeitsplatz!
Das haben übrigens die Politiker offenbar schon vorher gewußt und
eine Schranke der Unterstützung beseitigt. Die Aufhebung Bann-
meile rund um das Rathaus "hängt von der Art der Veranstaltung
ab, ob... möglicherweise das Parlament durch die Demonstranten
unter Druck gesetzt und in seinen Entscheidungen beeinflußt wer-
den soll. Das schien im Fall der Gewerkschafts-Kundgebung nicht
der Fall." (Hamburger Abendblatt vom 14.4.83)
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