Quelle: Archiv MG - BRD GEWERKSCHAFT ALLGEMEIN - Politik auf Kosten der Arbeiter


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       Münchner Hochschulzeitung Nr. 8, 04.02.1981
       
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DER DGB

Klarstellungen zum Deutschen Gewerkschaftsbund 1 Ihre ganze Armseligkeit stellt die moderne Freiheit des Geistes durch die bevorzugten Gegenstände ihrer Zuwendung unter Beweis. Abgesehen davon, daß der höhere Blödsinn, der an unseren Univer- sitäten über Sprache und Dichtung, Struktur und Ich, Knappheit und Geschichte vertreten wird, nichts mit der Erklärung der erle- senen Produktionen zu tun hat, dieses auf dem Gebiet des Guten, Wahren und Schönen so gibt, zeugen bereits d i e Angelegenhei- ten, denen das Interesse von Intellektuellen nicht gilt, vom Lu- xus der Weltfremdheit, den sich die glücklichen Inhaber eines sinnvollen Studienbuches leisten. 2 Unserer - leider unmaßgeblichen - Meinung nach ist das ein Skan- dal. Mit dem Herrgott, ihrem "Ich", dem "Rollenverständnis" von Mann, Frau und Lehrer, der "Möglichkeit" von Wissenschaft usw. beschäftigen sich erwachsene Menschen ebenso wie mit dem Sinn der Dichtung, aber vom K l a s s e n k a m p f wollen sie nichts wissen - wobei sich der Verdacht aufdrängt, daß die Albernheiten des Sozialkundeunterrichts doch eine gewisse Wirkung nicht ver- fehlen. Denn daß der Klassenkampf obsolet sei und in einer sozi- alstaatlichen Demokratie schon gar nichts zu suchen habe, steht als Meinung sehr hoch in der Gunst des studierten Publikums. Da- bei gibt es täglich genügend Belege dafür, daß es ihn 1. g i b t und daß 2. sein Verlauf über einiges in der Welt von Armut & Reichtum e n t s c h e i d e t. 3 Denn soviel steht fest: Allein die Existenz einer G e w e r k- s c h a f t zeugt davon, daß es mitten in unserer "pluralisti- schen Gesellschaft" Gegensätze zwischen Lohnabhängigen und irgendwelchen anderen Figuren gibt, die ihnen immerzu Ar- beitsplätze bereitstellen. Noch die schönsten Sprachregelungen in bezug auf die "Tarifpartner", die Geber und Nehmer von Arbeit etc. können ja nicht ungeschehen machen, daß in der "Tarif- autonomie", in den kodifizierten Rechten und Pflichten der K l a s s e n k a m p f institutionalisiert ist. Ganz zu schwei- gen von der tagtäglich in die Welt hinausposaunten "wirtschaft- lichen Vernunft" des Inhalts, wie wenig unsere Sorte Wirtschaft mit Fortschritten beim Wohlstand der "Massen" verträglich ist. 4 Der Deutsche Gewerkschaftsbund seinerseits meldet sich zu sämtli- chen öffentlichen Angelegenheiten zu Wort - und das immerzu kri- tisch zu und abweichend von den Maximen, die von Regierung und Wirtschaftsmenschen aus gegeben werden. Kein Tag vergeht, an dem er nicht den Eindruck entstehen läßt, er sei eine Organisation der Lohnarbeiter, die deren Wohl ergehen streitbar befördert. Er beruft sich in Gestalt von Vetter, Loderer, Kluncker und an deren gewählten Vorsitzenden auf sein unveräußerliches Recht, die Rechte der "arbeitenden Menschen" d u r c h z u s e t z e n. 5 So auch im Zusammenhang mit der bevor stehenden Tarifrunde, in der über nichts Geringeres als über das Verhältnis von L o h n u n d L e i s t u n g, also über das mehr oder minder schlechte Leben im Verlauf des nächsten Jahre entschieden wird. Für uns ein Anlaß, die Aufmerksamkeit der universitären Öffentlichkeit auf das gar nicht segensreiche Wirken des DGB zu lenken. Wenn wochen- lang die Zeitungen voll sind von Kommentaren und Hetzen, die alle samt die Gefahren beschwören, die "unsere Wirtschaft" wieder ein- mal drohen, wenn z u v i e l Prozente herauskommen; wenn zugleich die Perspektive "vernünftiger" Abschlüsse bereits be- kannt und gesichert ausgemalt wird, dann dürfen sich der Republik verpflichtete Intellektuelle ruhig einmal darüber informieren, wie "einseitig" bei uns der Klassenkampf funktioniert. Vielleicht ergibt sich auch ein Anhaltspunkt dafür, daß er damit alles an- dere als "überwunden" ist - und sehr nationale Konsequenzen zei- tigt, die nicht einmal einem Zweitsemester recht sein können. zurück