Quelle: Archiv MG - BRD GEWERKSCHAFT ALLGEMEIN - Politik auf Kosten der Arbeiter


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       "Profitieren wir von der internationalen Arbeitsteilung? Neue An-
       forderungen an die Solidaritätsbewegungen."
       
       Streitgespräch im  Konsul-Hackfeld-Haus zwischen  M. Mies  (Köln)
       und Helmut Thiel, HBV-Sekretär Bremen (5.5.88)
       

"UNSER" REICHTUM = "IHRE" ARMUT

Darin faßt sich das eintönige Ergebnis der Diskussion zusammen, die deshalb auch nie ein S t r e i t gespräch wurde. Frau Mies: "Deutsche Arbeiter und ihre Gewerkschaften denken immer nur an ihre materiellen Interessen. Das Kapital gesteht ihnen ihre An- sprüche zu, um sie zu bestechen. So haben beide ihre Vorteile von der Ausbeutung der 3. Welt." Es ist schon seltsam, welche Idiotie hier dem Kapital unterstellt wird: Die A u s b e u t u n g der Lohnarbeiter soll dadurch be- werkstelligt werden, daß sie mit W o h l s t a n d überhäuft werden. Noch seltsamer ist, daß Frau Mies sich diese Diagnose zu sagen traut angesichts von Neuer Armut und 3 Millionen Arbeitslo- sen. Der gar nicht vorhandene "Reichtum" der arbeitenden Mensch- heit hierzulande wird dann wohl auch nicht für den Hunger der Ne- ger verantwortlich zeichnen. Die Spitzenleistung des Abends aber stammt von Helmut Thiel, Ge- werkschaft HBV: "Auch die Gewerkschaft ist gegen Konsumsucht. Aber alle schreien nach Konsum, deshalb soll auch die Ladenschlußzeit auf 22 Uhr verlegt werden. Die Gewerkschaft HBV bekämpft mit der Beibehal- tung der jetzigen Ladenschlußzeiten auch die Konsumsucht, die mitverantwortlich ist für die Ausbeutung der 3. Welt." Als Gewerkschafter muß man offenbar über ein besonders robustes Hirn verfügen. Erst behauptet der Verein, er müsse an der Lohn- front v i e l K a u f k r a f t d u r c h s e t z e n, wegen der Sicherung von Arbeitsplätzen. Dann muß die Gewerkschaft den K o n s u m dieser Kaufkraft dringend v e r h i n d e r n, we- gen der hungernden Neger, die geänderte Ladenschlußzeiten in der BRD angeblich zu spüren kriegen würden, weil mehr Konsum hier mehr Armut dort sein soll. Schließlich gibt dieselbe Gewerkschaft auf ihren Maifeiern auch noch mit den satten R e a l l o h n- s e n k u n g e n an, die sie den Arbeitern seit Jahren ein- brockt, so daß jeder merken könnte, daß es den proletarischen Luxus gar nicht gibt, den die Gewerkschaft jetzt auch noch wegen der Neger bekämpft. Fazit: Kein Krampf ist blöd genug, als daß die Gewerkschaft ihn nicht vertreten könnte. Jetzt müssen auch noch die Neger für ge- werkschaftliche Argumente beim Kampf um das neue Jahrhundertziel "Keine Änderung der Ladenschlußgesetze" herhalten. zurück