Quelle: Archiv MG - BRD GEWERKSCHAFT ALLGEMEIN - Politik auf Kosten der Arbeiter


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       Die IG Bergbau und Energie feiert sich und ihren Geburtstag unter
       dem Motto:
       

"DIE IGBE HAT ZUKUNFT, WEIL DIE KOHLE ZUKUNFT HAT"

Ja freilich: wenn es keinen Bergbau mehr gäbe, dann gäbe es auch keine Gewerkschaft, die den Leuten erzählt, daß sie o h n e Bergbau dumm dastünden. Weil sie ja m i t dem Bergbau so präch- tig fahren! "Die IGBE hat Zukunft" - und die Leute eine "Perspektive": "Und die heute im Kohlebergbau Beschäftigten sind überwiegend jung, mehr als 50% sind jünger als 30 Jahre. Sie wollen natürlich eine Perspektive, die mindestens bis zum Ende ihres Arbeitslebens reicht". Die Perspektive aller Mitt-Zwanziger: arbeiten, bis man den Löf- fel abgibt oder einem die Silikose die Luft ausgehen läßt. Bei soviel heiler Welt untertage kann auch ein letztes Eigenlob der IGBE nicht ausbleiben: "Revoluzzer haben bei uns keine Chance". Außer der "Revoluzzer" heißt Lech Walesa und kommt aus Polen. Der ist special guest beim Festakt. Aber der findet die d e u t- s c h e Arbeitswelt samt Gewerkschaft ja auch schwer in Ordnung. Was die IGBE auf den Tod nicht ausstehen kann: einen westlichen Arbeiterführer namens Arthur Scargill - der es mit seiner Bergarbeiter-Gewerkschaft in England doch tatsächlich gewagt hat, einen Streik gegen Zechenstillegungen an- zuzetteln, weil die ihre Mitglieder einkommenslos machen. - Pfui, hat sich da die IGBE gedacht: mitten in der schönsten De- mokratie sind Entlassungen doch kein Grund, Kapital und Regierung unter Druck zu setzen - nur weil Arbeiterinteressen geschädigt werden! - Wo es Freiheit, soziale Marktwirtschaft und anerkannte Gewerk- schaften gibt, heißen Not und Elend schließlich nicht mehr Not und Elend, sondern "notwendige Anpassungen" und Sozialplan! Ein klarer Fall also für die IGBE: Solchen Nestbeschmutzern der sozialen Marktwirtschaft gehört das Handwerk gelegt. Und wo es von diesen Scargills einer gewagt hat, hierzulande bei der Gewerkschaft um Solidarität für seinen Streik zu werben, wurde ihm das Maul verboten. Was die IGBE dagegen sehr gut leiden kann: einen polnischen Arbeiterführer namens Lech Walesa - der in den letzten Jahren einen Streik nach dem anderen in Po- len angezettelt hat - eben gegen die regierenden Kommunisten. - Toll! hat sich da die IGBE gedacht: endlich wird der östlichen Unfreiheit und Mißwirtschaft der Garaus gemacht, und das verdient die vollste Solidarität seitens der IGBE - und zwar genau so lange, bis Streiks und Aufstände ihre Schuldigkeit getan haben und die Westlieblinge am Regieren sind. - Dann hört es mit der Solidarität einer deutschen Gewerkschaft für Streiks auch wieder schlagartig auf - schließlich genießen die polnischen Kollegen dann die Segnungen der freien Marktwirt- schaft durch ihre eigenen Walesas. Dafür sollen die dann auch ge- fälligst dankbar sein und sich an den verordneten "sozialen Frie- den" halten. Es ist also schon abzusehen, daß die IGBE demnächst auch mal die polnischen Arbeiter ganz entschieden zur Raison rufen muß, wenn diese auch unter der neuen Polenherrschaft das Streiken nicht lassen wollen... zurück