Quelle: Archiv MG - BRD GEWERKSCHAFT ALLGEMEIN - Politik auf Kosten der Arbeiter


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"DEUTSCHE ARBEITER SIND NUR UNZUREICHEND AM BOOM DER DEUTSCHEN WIRTSCHAFT BETEILIGT"

So mosert Steinkühler von der IG Metall. Und Zwickel von dersel- ben Gewerkschaft tönt, die Arbeiterschaft lasse sich nicht mit lächerlichen Sonderzahlungen von 400 DM "abspeisen", wie sie in einigen Betrieben getätigt wurden. Und wie heißt sie nun, die Lohnforderung, die diese Gewerkschaftsführer jetzt auf den Tisch hauen? Halt, so war das natürlich nicht gemeint! Bloß weil die Betriebe sich an der Arbeit ihrer Belegschaften dumm und dösig verdienen, läßt sich ein deutscher Gewerkschafter doch nicht einfach zum Lohnfordern hinreißen! Nein, ihre Z u s t ä n d i g k e i t für den Lohn wollte die IG Metall betont haben. Denn d i e sieht sie in Gefahr, wenn Betriebe an ihr vorbei ein paar Mark ausspuc- ken. Dasselbe auf Gewerkschaftsdeutsch: "Durch Einmalzahlungen entwickeln sich Tarif- und Effektiveinkom- men weiter auseinander" (Zwickel im "Handelsblatt"). Eine feine Sorge: Wenn die Leute mit einem gnädigen Obulus abge- speist werden, dann schadet das nicht ihrem Geldbeutel, sondern dem Image der IG Metall. Es entsteht ja glatt der Eindruck, als seien die Leute bei ihrem Lohn nicht mit Haut und Haaren von ih- rer Gewerkschaft abhängig! - so die Sorge der Gewerkschaftsmafia. Und was will die Gewerkschaft tun, um ihre Zuständigkeit für den Lohn in Erinnerung zu bringen? Na eben das: Gewerkschafter e r w ä h n e n einfach laufend öffentlich, daß e i g e n t- l i c h eine "Beteiligung am Boom" auf der Tagesordnung stünde - und schon haben sie ihre Zuständigkeit für den L o h n völlig ausreichend wahrgenommen. Auch das hört sich im Ge- werkschaftsdeutsch eines Zwickel natürlich ein bißchen ver- zwickter an: Er wagt einfach die "Prognose", daß die Belegschaf- ten sich das nicht länger gefallen lassen werden. Und damit kei- ner mißversteht, wie es gemeint ist, fügt er hinzu, "die IG Metall werde selbstverständlich (!) eine solche Bewegung nicht inszenieren, werde sie jedoch mit Wohlwollen verfolgen." (Zwickel im "Handelsblatt") Nein, fürs Lohnfordern will die Gewerkschaft keinesfalls aktiv werden, sie tut ihren Teil, indem sie beteuert, daß sie aller- größtes V e r s t ä n d n i s h ä t t e, w e n n die Basis sich auf den Standpunkt stellen w ü r d e, daß so etwas e i g e n t l i c h anstünde... - und verläßt sich dabei bom- benfest darauf, daß es auch die Basis beim "e i g e n t l i c h" beläßt. Für Steinkühler und Konsorten kommt es eben einfach nicht in Frage, daß Arbeiter die größere Nachfrage nach Arbeit einmal ausnützen, um den Preis der Arbeit, also ihren Lebensunterhalt, kräftig heraufzusetzen - so herum will ein DGB "die Marktwirt- schaft" ein für allemal nicht verstanden wissen. Dabei zeigt sich gerade im Boom mit aller Deutlichkeit, wie sehr die Kapitalisten auf Arbeit angewiesen sind: Die Belegschaften sind es schließ- lich, die den Unternehmern ihre Geschäftsartikel markt- und ter- mingerecht produzieren müssen. Und da soll für A r b e i t e r in dieser Lage mal wieder nicht mehr drin sein als mehr Mühe und mehr Verschleiß?! zurück