Quelle: Archiv MG - BRD GEWERKSCHAFT ALLGEMEIN - Politik auf Kosten der Arbeiter


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ARBEITGEBER LEHNEN LOHNSENKUNGSANGEBOT AB!

Steht die Welt auf dem Kopf? Unternehmer, die sonst bei jedem Pfennig knausern, lehnen ein Angebot zur Lohn s e n k u n g ab? Genau das haben sie getan. Da hat eine von der Bundesregierung eingesetzte "Expertenkommission zum Abbau marktwidriger Regulie- rungen am Arbeitsmarkt" den Vorschlag unterbreitet, die "Lang- zeitarbeitslosen zu Löhnen u n t e r d e m T a r i f v e r- t r a g" zu beschäftigen. Dadurch - so der Gedanke der Experten - sollte beiden Seiten gedient sein: Die Arbeitslosen dürften zu Lohnsätzen etwa in der Höhe des Arbeitslosengeldes endlich wieder arbeiten und die Geschäftsleute dürften zufrieden feststellen, daß sich Entlassungen ganz schön lohnen. Dieses Sonderangebot, das der bemerkenswerten Logik folgt, daß der Arbeiter um so eher auf Teile des Einkommens verzichten kann, je länger er keines bezogen hat, - dieses Sonderangebot wurde von den Unternehmern abgelehnt. Und zwar mit der Begründung, daß das "Wesen der Tarifautonomie" damit untergraben würde. Man höre und staune: Unternehmer, die in jeder Tarifrunde den Tarifpartner der Ruinierung der Wirtschaft bezichtigen, nehmen Partei f ü r die Tarifautonomie. Sie wissen eben doch, was sie an ihren Tarifpart- nern vom DGB haben: - "die verbindliche Festsetzung allgemeiner und gleicher Mindest- arbeitsbedingungen", - "die tarifimmanente Friedenspflicht" und - "die gesicherte Kalkulationsbasis - zeitlich und materiell" (Weser-Kurier) Ein sattes Lob an die Gewerkschaft: - Mit Tarifautonomie kann niemand aus der Reihe tanzen, alle Ar- beiter haben nach der Pfeife der Gewerkschaft zu tanzen; - die hält Frieden und erlaubt den Betrieben, während der Lauf- zeit der Verträge - auf gesicherter Kalkulationsbasis sich an der Leistung der Leute schadlos zu halten. Warum diese bewährte Partnerschaft aufkündigen? Wo sich doch in der Vergangenheit die Tarifautonomie als g ü n s t i g e G e s c h ä f t s b e d i n g u n g des "Standorts BRD" heraus- gestellt hat. Mit einer Gewerkschaft, der die Sicherung dieses "Standorts BRD" wichtiger ist als der Lebensunterhalt der Be- schäftigten und Unbeschäftigen. Das könnte gar zu "permanenter Lohndiskussion auf Betriebsebene" führen! Unbefugte könnten sich in die Lohnfragen einmischen! Am Ende die Lohnempfänger noch selbst! Wo denen die notwendige Verantwortlichkeit schon deswegen fehlt, weil sie mit den Löhnen auskommen müssen. Also, das kommt nicht in die Tüte: M i t der Tarifautonomie auf zum Binnenmarkt Europa! Auf das außertarifliche Lohnsenkungsangebot der Re- gierungskommission ist man nicht angewiesen. Lohnsenkungen gehen bekanntlich mit der Gewerkschaft t a r i f l i c h! Das ist schöner, weil dann die Arbeiter gleich wissen, daß so ein Lohnabschluß auf jeden Fall in ihrem Interesse ist. zurück