Quelle: Archiv MG - BRD GEWERKSCHAFT ALLGEMEIN - Politik auf Kosten der Arbeiter
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"Dienstleistungsabend"
DIE GEWERKSCHAFT HBV ZEIGT IHRE ZÄHNE UND KLAUEN
Die Regierung hat eine Änderung des Ladenschlußgesetzes angekün-
digt: Dienstleistungsabend. Dagegen ist die Gewerkschaft. Aller-
dings darauf zu antworten: Nein, Arbeitszeit am Donnerstag bis
21.00 Uhr, das lassen wir mit unseren Mitgliedern nicht machen!,
so einfach will es sich die Gewerkschaft nicht machen:
"Bei der von der Bundesregierung geplanten Änderung des Laden-
schlußgesetzes geht es nicht vorrangig um die Interessen der Ver-
braucher, sondern Ziel ist es vielmehr, in allen Wirtschafts- und
Dienstleistungsbereichen mehr Abend- und Nachtarbeit einzufüh-
ren." (Günther Volkmar, Vorsitzender der Gewerkschaft Handel,
Banken und Versicherungen, in der "Süddeutschen Zeitung" 27.6.)
Wenn nur "die Verbraucher" etwas davon hätten, möchte sich der
Gewerkschafter gegen den Plan, auch noch am Abend arbeiten zu
lassen, nicht wehren. Vom Dienst am Kunden hält er viel. Er ver-
mißt aber den V o r r a n g der Verbraucherinteressen bei die-
ser Neuregelung und kommt darüber auf seinen finsteren Verdacht
zu sprechen:
"Die Änderung des Ladenschlußgesetzes ist die 'Einstiegsdroge',
um Arbeitnehmer aller Branchen künftig rund um die Uhr verfügbar
zu machen und das freie Wochenende einzuschränken.
Die 2,3 Millionen Arbeitnehmer im Einzelhandel werden ihren Fei-
erabend mit Zähnen und Klauen verteidigen." (derselbe)
Wer soll diese "Droge" eigentlich schlucken? Offenbar meint die
Gewerkschaft, daß sie einer allgemeinen Freigabe der Arbeitszei-
ten zustimmen "müßte", wenn sie einmal bei den Ladenschlußzeiten
damit anfängt. Daraus leitet sie ihren blödsinnigen "Kampfauf-
trag" an die Verkäufer/innen ab, deren Arbeitszeiten und
Entlohnung jetzt schon schlecht genug sind: Eine weitere Ver-
schlechterung sollen sie nicht deswegen verhindern, weil es ihnen
reicht, sondern weil es noch viel härter kommen könnte! Mit die-
sem Argument auf ihren Fahnen sollen die Arbeitnehmer ihren Fei-
erabend verteidigen? Bei dieser Logik ist die Abendöffnung einmal
die Woche schon schon so gut wie sicher. Ebenso die Aufgabe der
Gewerkschaft für die Zukunft: Sie redet dauernd vom "Verhindern"
und unter diesem Motto regelt sie alles mit: jede Nachtarbeit,
jede Einschränkung des freien Wochenendes und das in allen Bran-
chen. So bleibt viel zu tun für diese Gewerkschaft - die Mitglie-
der dürfen's anpacken.
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