Quelle: Archiv MG - BRD GEWERKSCHAFT ALLGEMEIN - Politik auf Kosten der Arbeiter


       zurück

       

VON DEN NÖTEN EINER GEWERKSCHAFT, IHRE MITGLIEDER ÜBER DEN TISCH ZU ZIEHEN

Der DGB hat Probleme. Der FDGB hat ihm nämlich eine Erblast hinterlassen, die der freien deutschen Gewerkschaft angeblich schwer zu schaffen macht: Die Gewerkschaftsmitglieder sind ver- wöhnt! Die erwarten von ihrer neuen Gewerkschaft doch glatt, daß sie etwas für ihre Mitglieder d u r c h s e t z t - wo die sich doch gerade offensiv zu ihrer O h n m a c h t bekennt und d a m i t Punkte bei ihren Mitgliedern machen will! So geht das natürlich nicht: "(Der Betriebsratsvorsitzende der AWE Eisenach) sieht sich unter Druck, weil er die an die Arbeitnehmervertretung gerichteten Erwartungen der Betriebsangehörigen als zu hoch empfindet. ... Er findet es fürchterlich, daß die Bundesregierung ... falsche Erwartungen geweckt hat." (FR 12.3.91) Fürchterlich, in der Tat. Nicht etwa für die Ge- werkschaftsmitglieder, die gerade entlassen werden. Die wären ja prima dran, wenn ihnen erst gar nichts versprochen worden wäre. Sondern fürchterlich für die Gewerkschaft. Die hat jetzt die Suppe auszulöffeln und die "Erwartungen" ihrer Mitglieder wieder zurück auf den Boden der kapitalistischen Tatsachen zu holen, denen sie sich verpflichtet weiß: "Die Hoffnungen und das Machbare gehen ziemlich weit auseinander" (ders.) Gegen Entlassungen, Kurzarbeit, Lohndrückerei und Betriebsschlie- ßungen m a c h e n will diese Gewerkschaft nämlich nichts, sondern ihre Klientel auf ein (angeblich bloß) Mach b a r e s verpflichten. Dabei stören "Hoffnungen" nur und "die Menschen in den neuen Ländern" müssen noch viel lernen: Erwarten darf man sich von seiner Gewerkschaft nichts - aber dafür muß man sie stärken! Nur so wird sie der Herausforderung gewachsen sein, die der FDGB des Harry Tisch ihr hinterlassen hat: "(Der Chef des IGM-Bezirks "Küste") wagt sich gar nicht vorzu- stellen, was passiert, wenn die Menschen in den neuen Ländern ... 'die Ohnmacht der Gewerkschaft erfahren. Bislang lautete die Devise in den Betrieben 'Harry Tisch erledigt das' - und der ... Ex-FDGB-Chef hat es dann eben auch im SED-Politbüro geregelt.'" (FR 9.3.91) Höchste Zeit, daß dieser Verbrecher vor Gericht kam. zurück