Quelle: Archiv MG - BRD GEWERKSCHAFT ALLGEMEIN - Politik auf Kosten der Arbeiter
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Der DGB und die Republikaner:
DIE NATIONALISTISCHE ARBEITERVERTRETUNG IN KONKURRENZNÖTEN
Die Erfolge der Republikaner gehen dem DGB an die Nieren. Nicht
zuletzt deswegen, weil ihm bewußt ist, wie sehr seine eigene Mit-
gliedschaft mit dem republikanischen Gedankengut sympathisiert.
Der Vorsitzende Ernst Breit hält es für ganz ungeschickt, einen
"Unvereinbarkeitsbeschluß" zu fällen, statt dessen soll die
"politische Auseinandersetzung" gesucht werden. Das leuchtet
insofern ein, als sich der DGB mit der "Unvereinbarkeit" ja ziem-
lich schwer täte: Immerhin tischen die Republikaner lauter
O r i g i n a l - D G B - T h e m e n auf und geißeln sie - ganz
wie der DGB - als "Mißstände", die fürs Musterländle BRD ungehö-
rig sind - "Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot, Sozialabbau, Neue Ar-
mut". Weiterhin sind sich DGB und Republikaner in der "Erklärung"
einig, daß hier der S t a a t was f a l s c h macht.
Worauf die Republikaner hinauswollen, ist bekannt: Der Staat sei
zu schwächlich, er müsse d u r c h g r e i f e n. Und sie sagen
auch gleich dazu, gegen wen, gegen "die Ausländer" nämlich. Die
dürfen doch tatsächlich hier arbeiten, wohnen und obendrein Sozi-
alleistungen beziehen, obwohl ihnen die entscheidende Berechti-
gung dafür abgeht - die deutsche Nationalität. Also, sagen die
Republikaner, werden brave deutsche Bürger geschädigt. Dem Schön-
huber ist es scheißegal, w a r u m die K a p i t a l i s t e n
und der S t a a t die Gastarbeiter geholt haben und w i e sie
von ihnen profitieren. Statt dessen reitet er auf einer nationa-
listischen Grundüberzeugung herum: Wenn es immer mehr Leuten von
"uns" schlecht geht, dann liegt das daran, daß "die anderen" mehr
kriegen, als ihnen zusteht. Das leuchtet ziemlich vielen Leuten
ein, und sie verlangen vom Staat, daß er "die anderen" raushaut.
Letzteres geht dem DGB zu weit. Er ist zwar auch entschieden da-
für, auf den grundsätzlichen Unterschied zwischen Inländern und
Ausländern zu achten: Wenn es darum geht, Partei für deutsches
Kapital gegen die ausländische Konkurrenz zu ergreifen, wenn er
dafür agitiert, daß ja keine "deutsche Arbeitsplätze" ins Ausland
verlegt werden, pflegt er den deutschen Nationalismus und sonst
gar nichts. Und als "D e u t s c h e r Gewerkschaftsbund" hält
er seinen Leuten immer vor Augen, wie gut sie es mit ihrer
N a t i o n im Vergleich zu anderen Nationen getroffen haben.
Aber als demokratischer Gewerkschaftsbund und Wahlhilfeverein der
SPD befleißigt er sich eines a u f g e k l ä r t e n Nationa-
lismus: Man muß doch auch darauf schauen, inwiefern man die Aus-
länder für die eigenen Belange gebrauchen kann; man muß darauf
schauen, daß der gute Eindruck der Nation nach außen nicht allzu-
sehr durch Fremdenhaß getrübt wird!
Wie also den Republikanern entgegentreten, obwohl man wie sie auf
der "Sozialen Frage" herumreitet und die konservative Regierung
anschwärzen will? Man macht ihnen eine
n a t i o n a l i s t i s c h e G e g e n r e c h n u n g auf;
man anerkennt zwar, daß sie ein wichtiges "Problem" getroffen ha-
ben, daß sie sich aber bei der Benennung der Schuldigen
t ä u s c h e n: Die Ausländer sind gar nicht schädlich, sie
sind n ü t z l i c h - für "uns"! Ganz der Schlaumeier der ge-
hobenen bundesdeutschen Ansprüche äußert sich der DGB verächtlich
über die "tumbdeutschen Sprüche" der Republikaner und über den
"Wunsch nach einfachen Lösungen" bei ihren Wählern. Haben sie
denn nicht gemerkt, daß "Wir" mit den Ausländern ganz prima ge-
fahren sind? Haben sie denn nicht gemerkt, daß "Wir" genau solche
nützlichen K n e c h t e gebrauchten und immer noch brauchen?
"Wir haben sie geholt, weil wir Arbeitskräfte brauchten ...
Sie sind als Arbeitskräfte unentbehrlich ...
Sie stehen am Band, sie reinigen unsere Straßen, beseitigen unse-
ren Müll, verrichten einfachste und schwerste Arbeit oder arbei-
ten als Fachkräfte. Sie können nicht ersetzt werden." (Faltblatt
des DGB)
Du, deutscher Arbeiter, profitierst also von denen, die du be-
schimpfst - so die aufgeklärt-deutschen Sprüche des DGB gegen die
"tumbdeutschen Sprüche" der Republikaner. Während also die Repu-
blikaner den Standpunkt des "kleinen Mannes" einnehmen, da aller-
lei Unzufriedenheit entdecken und sie schüren, will der DGB seine
Mitglieder dazu anhalten, sich auf den H e r r e n standpunkt zu
stellen. Und wenn sie sich von diesem Standpunkt aus umschauen,
dann können sie ihre Vorurteile gegenüber ihren Untertanen (Müll-
männern, Straßenfegern ...) doch auch bleiben lassen, dann ver-
wandeln sich die Vorurteile in lauter Vorteile.
Ein mieses Kompliment: Ausländer sind (nützliche) Menschen
Es ist schon eigenartig, mit welchen Argumenten der DGB den Repu-
blikanern das Wasser abgraben will. Den Zweifel der Rechtsradika-
len, ob denn auch genügend auf die E i n h e i t v o n V o l k
u n d S t a a t gegen die ausländischen Störenfriede geachtet
wird - was die oberste Sorge eines guten deutschen Bürgers sein
soll -, bezeichnet der DGB als u n - n a t i o n a l: Seht her
- "Wir" haben doch das Beste aus den Ausländern gemacht. Hier
wird S t o l z auf die Nation gepredigt, ein Stolz, der sich
von der rechten Miesmacherei nicht beirren lassen soll. Im Namen
dieses Stolzes soll dann ein deutscher Arbeiter seinem Herzen
bitteschön einen Stoß geben und sich zu den "anderen" ganz
m e n s c h l i c h stellen:
"Sie arbeiten mit uns - sie sind unsere Kollegen.
Sie leben bei uns - sie sind unsere Nachbarn.
Sie zahlen Steuern und Sozialabgaben - sie sind unsere Mitbür-
ger."
Ausländerfreundlichkeit kommt eben auch nicht ohne die Vorbehalte
gegenüber Ausländern aus. Einerseits soll man sie als Menschen
wie du und ich betrachten, andererseits aber nur, weil sie - nach
Meinung des DGB - den Nachweis der Dienstbarkeit und des Anstands
erbracht haben. Obwohl sie A u s l ä n d e r sind, "leben, ar-
beiten, zahlen" sie doch ganz n o r m a l. Und was ist, wenn es
auch "unnormale" Ausländer gibt, solche, die "uns" nichts nützen,
sondern nur auf "unsere Kosten" leben? Fällt da nicht die ganze
Kritik des DGB an den ausländerfeindlichen Sprüchen in sich zu-
sammen! Vom Standpunkt des DGB muß sich doch die Kollegialität
gegenüber Ausländern aufhören, die hierzulande zu nichts nutze
und nicht anständig sind. Das ließe sich zwar von Millionen Deut-
schen auch sagen, aber die sind nun mal - Deutsche.
Indem der DGB dazu auffordert, die Ausländer (wohlwollend) zu
b e g u t a c h t e n, gibt er dem nationalistischen
V e r d a c h t ihnen gegenüber r e c h t. Er beteuert ja ge-
rade, der Verdacht wäre z u r Z e i t nicht berechtigt. Aus-
länder s i n d problematische Gestalten, aber "wir" haben sie
doch gut eingebaut. Es ist nachgeprüft worden, und der DGB kommt
zu dem Befund:
"Ausländer - nicht schuld an Arbeitslosigkeit."
Wer das trotzdem behauptet, der hat sich die f a l s c h e n
"Schuldigen" und "Sündenböcke" ausgesucht. Die richtigen sitzen
nämlich nach Auffassung des DGB in der Regierung:
"Ausländer und Deutsche: Opfer einer falschen Politik."
Schuldige und Sündenböcke werden also gebraucht, nur möchte der
DGB die vielbeschworenen "sozialen Mißstände" eben so ausgenutzt
wissen, daß eine a n d e r e R e g i e r u n g ans Ruder
kommt. D a h i n möchte er Unzufriedenheit l e n k e n - und es
paßt ihm überhaupt nicht in den Kram, wenn ihm die Rechtsradika-
len mit ihrer Sicht der "Sozialen Frage" Konkurrenz machen und
mit "Ausländer raus!" auf Stimmenfang gehen.
Recht haben beide Seiten kein bißchen, weil sie sich nämlich
beide auf den Standpunkt des blöden n a t i o n a l e n "Wir"
stellen.
Weder haben sich deutsche Arbeiter die Ausländer bestellt, noch
profitieren sie von ihnen, noch werden sie von ihnen geschädigt.
Wenn deutsche Arbeiter von Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot, Steu-
ern, sinkenden Sozialleistungen gepiesackt werden, dann liegt das
nicht daran, daß Ausländer ihnen etwas wegnehmen und der Staat
das obendrein noch duldet. Den Spruch des DGB "Ausländer und
Deutsche: Opfer einer falschen Politik" könnte man ja auch mal
richtigstellen: Ausländer und Deutsche - Opfer d e s s e l b e n
W i r t s c h a f t s w a c h s t u m s. Das bewerkstelligt das
Kapital und dafür benutzt es Arbeiter aller Nationalitäten als
M a t e r i a l. Das bekommt ihnen nicht gut - und wenn deutsche
Arbeiter tausendmal "Wir" sagen, deswegen sind sie trotzdem die
Dödel der Nation. Und zwar g e r a d e w e i l sie sich dau-
ernd auf d e r e n Standpunkt stellen.
Das sollte man lieber bleiben lassen und die Sorge des DGB, daß
ihm bei der n a t i o n a l i s t i s c h e n A n l e i t u n g
d e r A r b e i t e r k l a s s e eine Konkurrenz von rechts
entsteht, sollte man sich besser nicht aufschwatzen lassen.
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