Quelle: Archiv MG - BRD GEWERKSCHAFT ALLGEMEIN - Politik auf Kosten der Arbeiter


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       BILD-Kolumne "Bonn vertraulich"
       - Der neue DGB-Chef Meyer:
       Konstruktiv, durch und durch deutsch,
       sozialverträglich bis auf die Knochen
       

- ALSO: EIN TYPISCHER GEWERKSCHAFTER

BILD proudly presents: Heinz-Werner Meyer, vormals Chef der IG Bergbau, jetzt der des DGB - ein "Mann des Ausgleichs, der natio- nalen Verantwortung und der sozialen Abfederung". Die Gewerk- schaftsbewegung, da ist sich das größte deutsche Arbeiterblatt ganz sicher, gewinnt an "politischem Gewicht", wenn die deutsche Arbeiterklasse eine Führungsfigur verpaßt bekommt, deren "großer Einfluß" von einem zeugt: der Mann hat sich ausdrücklich und ohne Federlesen zur Verantwortung für diesen Staat und seine Notwen- digkeiten bekannt. Daß dieses große Wohlwollen der Journaille dem DGB gegenüber nicht geheuchelt ist, dafür steht ganz gewiß nicht der "fünffache Familienvater und besonders angenehme Gesprächs- partner" Herr Meyer, sondern die Leistungen von "Kohle-Meyer" für die von ihm Repräsentierten. BILD weiß davon vier aufzuführen: 'Kein Streik, sondern Ausgleich' -------------------------------- "Unter seiner Führung streikten die Kumpel trotz der miserablen Lage des deutschen Bergbaus nicht ein einziges Mal." Da muß sich selbst hartgesottenes BILD immer noch ein wenig wun- dern. Nein, gut gefahren sind die Kumpel wirklich nicht mit dem "deutschen Bergbau", Massenentlassungen und immer neue Leistungs- rekorde untertage sind schließlich an der Tagesordnung. Lauter gute Gründe also, g e g e n den Laden anzutreten. Nicht für die Gewerkschaft. Die steht für etwas anderes gerade: "Meyer hatte immer beides im Auge: seine Bergarbeiter und die nationale Ver- antwortung". Wie das zusammengeht, was gar nicht zusammenpaßt? So: 'Kein Einpeitscher, sondern nationale Verantwortung' ---------------------------------------------------- Ja, die hat H.W. Meyer wahrgenommen, wo immer es ging. Immer wie- der hat er in Bonn und Brüssel vorgesprochen und den dortigen Herren klargemacht, daß ihre Energiepolitik nur dann, wenn sie d e u t s c h e n Interessen folgt, seine Zustimmung findet. Das hat Meyer den Ruf eingetragen, ein "harter Knochen im Verhandeln" zu sein, ohne daß bei seinen Verhandlungskünsten auch nur der An- schein einer Störung dingfest zu machen war. Die "miserable Lage des Bergbaus" hat H.W. Meyer deshalb immer wieder dazu beflü- gelt, an seiner Zustimmung zur "Kohlevorrangpolitik" samt den anstehenden Zechenschließungen und den fälligen Rationalisierung im Namen der deutschen Kohle keinen Zweifel zu lassen. Ja, noch jede neue Zumutung für die Bergleute hat er lauthals vorgebracht - um darauf zu verweisen, daß solche "Opfer" doch in Bonn und Brüssel Respekt einflößen müssen. "Trotzdem", sagt BILD, "trotzdem kamen die Bergleute nicht zu kurz": 'Für die Bergleute immer das Bestmögliche' ------------------------------------------ "Wer der Rationalisierung weichen mußte, bekam die bestmögliche soziale Abfederung, wer blieb, die besten tariflichen Arbeitsbe- dingungen". Denn merke: Nur wo es immer neue Härten gegen die Arbeiter gibt, gibt es genauso regelmäßig was zu federn. Also viel zu tun für eine Gewerkschaft. Wer rausfliegt, bekommt eine Rauswurfregelung, wer drinbleibt, eine Drinbleibregelung. Jedem das Seine. Und das Optimum der Regelungen ist immer dann gegeben, wenn das, was "Kohlevorrang"-Politik und Geschäftskalkül der Bergbauunternehmen an Entlassungszahlen, Lohn und Arbeitsbedingungen vorsehen, für die Arbeiter den Rahmen dessen absteckt, was drin ist. Nicht "mehr war nicht drin" heißt die Devise, sondern "soviel ist drin", wenn einer wie er Verantwortung trägt. Und weil er sie trägt, ist jede Leistung der G e w e r k s c h a f t, die im sozialfriedlichen Mitwirken am staatlichen Energieprogramm be- steht, schlicht und ergreifend: eine Leistung für die B e r g a r b e i t e r. 'Für Deutschland genau der Richtige' ------------------------------------ In Wiedervereinigungszeiten zumal. Im "deutschen Einigungsprozeß" fallen schließlich jede Menge Härten an. Und die gibt es in bewährter gewerkschaftlicher Manier zu betreuen. Denn jetzt haben auch Zonis das Recht, sich in den Gegensätzen der Marktwirtschaft als Deutsche heimisch zu fühlen. In dieser Welt ist "Kohle-Meyer" zuhause. So hat der "harte Mann, der lachen kann", jede Menge Arbeit vor sich: "Das ist mit einer Schicht nicht zu machen" (Meyer über Meyer). Wie wär's mit Konti? zurück