Quelle: Archiv MG - BRD GEWERKSCHAFT ALLGEMEIN - Politik auf Kosten der Arbeiter
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EINE "REPLIK" DES DGB
Es war abzusehen, daß der Deutsche Gewerkschaftsbund auf das MA-
NIFEST GEGEN DEN DGB auf seine Weise reagieren würde. Neben dem
sehr handfesten Einsatz einer Prügelbrigade gegen "Störer" auf
einer Nürnberger IG-Metall-Kundgebung versandte Bayerns DGB-Chef
Jakob Deffner einen Rundbrief an die Gewerkschaftsbürokratie sei-
nes Tarifbezirks. Der in ihm enthaltene Steckbrief der MARXISTI-
SCHEN GRUPPE (MG) ist insofern bemerkenswert, als er in theoreti-
scher Hilflosigkeit die im MANIFEST enthaltenen Argumente gegen
die Gewerkschaftspolitik in ihrer unkommentierten Zitierung auch
noch affirmiert. Dem Manne Deffner gehts natürlich nicht um eine
politische Auseinandersetzung mit den Autoren des MANlFESTs: Ganz
praktisch verlangt er wie die Herren der Politik Respekt und Ge-
horsam, kündigt weitere Offensiven seiner "Ordner" an und beauf-
tragt seine Angestellten mit Spitzeldiensten. Wir drucken im An-
schluß den Deffner-Brief in vollem Wortlaut ab und danach einen
Kommentar der "Marxistischen Arbeiterzeitung" der MG (Allgemeine
Ausgabe München vom 19. Mai)
"DGB Landesbezirk Bayern
An die/den Bezirks- und Landesleitungen der IG/G
Landesbezirksvorstand
Landesbezirksverwaltung
DGB-Kreise
IG/G Verwaltungsstellen (über DGB Kreise)
Betr.: Marxistische Gruppe (MG) und
Marxistische Arbeiter Zeitung (MAZ)
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
unter den zahlreichen Gegnern des DGB und seiner Gewerkschaften
tritt seit geraumer Zeit eine Gruppe verstärkt an die Öffentlich-
keit, die sich "Marxistische Gruppe" (MG) nennt und über eine un-
regelmäßig erscheinende Zeitung mit dem Titel "Marxistische Ar-
beiter Zeitung" (MAZ) verfügt. Dieses Blatt wird, wie auch zahl-
reiche Flugblätter und Plakate, in München im Selbstverlag ge-
druckt, verantwortlich in Sachen des Pressegesetzes zeichnet Theo
Ebel, Heßstraße 82, 8 München 40.
Die sich als 'links' bezeichnende MG, die bisher an verschiedenen
Universitäten tätig war und vornehmlich 'Kapital-Schulungen',
also die Lektüre der drei Bände des Marx'schen Kapitals betrieb,
hat seit einiger Zeit den Elfenbeinturm überwiegender Theoriede-
batten an den Universitäten verlassen und versucht jetzt offen-
sichtlich, sich durch Angriffe auf den DGB als politische Kraft
zu etablieren.
Der Ausgangspunkt dieser Anti-DGB-Aktivitäten war unseres Wissens
ein 15 Punkte umfassendes "Manifest gegen den DGB-Politik auf Ko-
sten der Arbeiter", das in Form von Flugblättern, Plakaten usw.
in einigen Städten Bayerns aber auch andernorts relativ groß ver-
breitet wurde.
Die Argumente dieses 'Manifestes' waren und sind die Grundlage
der Argumentation der MG, sei es gegen die Tarifpolitik der IG
Metall oder IG Chemie Papier Keramik, sei es bei öffentlichen
Diskussionsveranstaltungen der MG gegen den DGB allgemein.
Der Tenor dieser Argumentation, der sich auch auf Plakaten mit
Fotos z.B. von Heinz Oskar Vetter, Heinz Kluncker, Franz Stein-
kühler u.a. wiederfindet, lautet immer: Der DGB hat sich mit dem
Kapital, dem Staat, dem Militär etc. gegen die Arbeiter verbün-
det; eine Parole z.B. lautet: "Alle reden vom Lohnverzicht - wir
setzen ihn durch."
Seit einigen Monaten versuchen Anhänger der MG auch, DGB-Veran-
staltungen und öffentliche Kundgebungen lautstark zu stören. Zu-
letzt so geschehen bei der Kundgebung der IG Metall gegen die
neue Zumutbarkeitsregelung in Nürnberg wo sich mehr als 100 Stö-
rer inmitten der Teilnehmer der Abschlußkundgebung aufgestellt
hatten und mittels preßluftgetriebener Sirenen nachhaltig stör-
ten. Erst nach einiger Zeit gelang es unseren Ordnern diese Stö-
rer aus der Mitte der Versammlung durch ein Spalier von Ordnern
nach außen abzudrängen.
Im Hinblick auf die bevorstehenden Maifeiern bitte ich, die
Ordnerdienste entsprechend zu informieren und um Mitteilung, wo
Aktivitäten dieser antigewerkschaftlichen Gruppe feststellbar
sind.
Mit freundlichen Grüßen
Jakob Deffner"
Andere Sorgen habt ihr wirklich nicht?!
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1.
Was hat der DGB eigentlich gegen Studierte? Schließlich haben
Schmidt und Genscher, Strauß und Genscher doch auch irgendwann
mal "den Elfenbeinturm überwiegender Theoriedebatten an den Uni-
versitäten verlassen" - ach so, das sind eure eigenen oder Leute,
denen man g e h o r c h e n muß. Seine 30-Jahr-Feier hat der
DGB doch selbst im Kreise von lauter Wissenschaftlern begangen -
ach so, die waren weder "links", noch haben sie etwas anderes als
soziologisch verdrechselte K o m p l i m e n t e zu Protokoll
gegeben.
Soll der DGB doch gleich sagen: Studierte sollen H e r r e n
werden oder a r b e i t e n g e h e n - Arbeiter wollen
g e h o r c h e n, n i c h t k r i t i s i e r e n. So meint
er es doch - oder?
2.
Nein: Der Zweck unserer Gewerkschaftskritik ist n i c h t, "uns
durch Angriffe auf den DGB als politische Kraft zu etablieren".
Wie sollte das denn wohl auch gehen? Wir machen Arbeiter darauf
aufmerksam, daß sie sich mit dieser Gewerkschaft einen schlimmen
Fehler leisten. Einen Verein nämlich, der ihre Interessen
n i c h t d u r c h s e t z e n w i l l, sondern in das
"Konzert" der "gesellschaftlichen Kräfte" e i n o r d n e t.
Bei wem könnten wir uns d a m i t "etablieren wollen"? Besten-
falls doch bei Arbeitern, die sich an ihre wirklichen Interessen
erinnern.
3.
Zu der Parole "Alle reden vom Lohnverzicht - wir setzen ihn
durch. Euer DBG" stehen wir. Wir sehen auch gar nicht, wie dieses
Urteil dadurch widerlegt sein soll, daß der Landesbezirksvorsit-
zende es in vorwurfsvollem Ton zitiert. Ist der Reallohn mit Zu-
stimmung des DGB gesunken - ja oder nein?! Und ist es inzwischen
soweit, daß Gewerkschaftsfunktionäre damit sogar öffentlich ange-
ben - ja oder nein?!
4. Wir protestieren, mit unseren paar Mitteln - hauptsächlich Ge-
drucktem -, gegen manches, was uns nicht paßt. Auch dagegen, daß
Gewerkschafter sich alles gefallen lassen: Rationalisierungen,
die den Betroffenen oft genug eine härtere Arbeit zu geringerem
Lohn bescheren und Entlassungen einschließen; daß Arbeitslosig-
keit für die Betroffenen noch immer eine finanzielle Katastrophe
bedeutet; die Zumutungen beim Zwang zu einer neuen Arbeit; um
dann am hinterletzten Punkt, wenn alles vorbei ist, bei einer
neuen offiziellen "Zumutbarkeitsregelung", die bloß die bisherige
Praxis festschreibt, ganz furchtbar aufzutrumpfen. So etwas fin-
den wir verkehrt, lächerlich und - berechnend: Ohne Staat und
Wirtschaft weh zu tun, will der DGB sich da kämpferisch
d a r s t e l l e n.
Daß der DGB gegen diesen Protest gleich seine aus Stuttgart ei-
gens mitgebrachten ortsfremden Schlägertrupps losschickt, wundert
uns nicht besonders. Diejenigen, die sich dafür abkommandieren
lassen, möchten wir aber doch einmal fragen:
Was habt Ihr eigentlich davon?
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