Quelle: Archiv MG - BRD GEWERKSCHAFT ALLGEMEIN - Politik auf Kosten der Arbeiter
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DGB-Bundeskongreß
PARLAMENT DER ARBEIT
Treffender könnte kein Ehrentitel für diesen Kongreß sein. Die
deutsche Gewerkschaft, die den Tarif völlig autonom handhabt, ist
deshalb nicht arbeitslos, sondern hat um so mehr Sorgen mit ihrer
machtvollen staatstragenden Selbstdarstellung vor der nationalen
Öffentlichkeit.
Sorge Nr. 1 - Die Arbeitslosigkeit
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Die "Arbeitslosigkeit ist der eigentliche Skandal", denn:
"Die Massenarbeitslosigkeit geht an die Wurzeln unserer sozialen
Demokratie." (Vetter)
Dieser Parlamentarier fürchtet sich sehr vor der Gefährdung sei-
ner Staatsform, weil der Staat ja auch nie den "geplanten und ge-
zielten Einsatz des wirtschafts-, arbeitsmarkt- und finanzpoliti-
schen Instrumentariums" verwirklicht. Deshalb hat er die
Sorge Nr. 2 - Mitbestimmung
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Die Gewerkschaft wird in ihren parlamentarischen Kompetenzen ge-
kränkt: Wir haben
"kein Vertrauen in die Selbstheilung des Marktes."
ohne uns. Eine ordentliche "Gestaltung des Wirtschaftsprozesses"
geht nie ohne die Ausweitung und den Ausbau der paritätischen
Mitbestimmung auf allen Ebenen der Wirtschaft". Und diese schwere
Sorge, daß die Gewerkschaft zu wenig zu sagen hat, zieht
Sorge Nr. 3 - unser Bild in der Öffentlichkeit
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nach sich. Wenn man so eine bedeutsame politische Kraft ist, muß
man scharf "auf die Auslegung der Gewerkschaftsgeschichte" auf-
passen, weil es sich nicht gehört, daß "wir und unsere Vorgänger
nur als Versager, wenn nicht gar Schlimmeres vorkommen" Deswegen
lassen wir uns nämlich auch
Sorge Nr. 4 - unser Thema
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nicht wegnehmen:
"Unsere politischen Gegner würden sich kaputtlachen, wenn wir uns
nur mit der Neuen Heimat beschäftigten." (Janzen)
Und Vetter gibt schnell seine persönliche Erklärung ab,
"um der Gefahr vorzubeugen, daß Presseveröffentlichungen, die
heute oder in den nächsten Tagen erscheinen, den Verlauf dieses
Kongresses bestimmen, mindestens beeinflussen könnten."
Als Parlamentarier kümmern wir uns schon selbst um unsere
Sorge Nr. 5 - unser sauberer Eindruck
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Wir stellen bei den üblichen Geschäftspraktiken unserer Funktio-
näre eine "Krise der Gemeinwirtschaft" fest, beharren auf ihrer
"großen starken Einheit", nötig für die "volle Leistungsfähigkeit
der Wohnversorgung" (Heinz Oskar Vetter hielt es ja auch bloß für
"das Beste", "dieses Geld in den sozialen Wohnungsbau nach Berlin
fließen zu lassen".) und fordern in allen Tonlagen mehr
"Kontrolle", so daß auch wieder mehr "Vertrauen" verlangt werden
kann. Denn "wir sind nicht die Hampelmänner, die nach jeder Ver-
dächtigung in jedem x-beliebigen Blatt in selbstzerstörerische
Zuckungen verfallen. Wir sind Manns genug, um mit Mißständen in
unseren eigenen Reihen selbst fertigzuwerden." Dafür kriegt unser
neuer Vorsitzender auch einen Besen geschenkt. Mit dieser Stütze
muß er jetzt die
Sorge Nr. 6 - unsere Einheit und Geschlossenheit
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bewältigen. Denn das ist "das Wichtigste", hat Loderer gesagt,
die "Bewahrung einer einheitlichen gemeinsamen Linie". Warum? Ja,
"ein in sich zerstrittener DGB bedeutet das totale Ende jeder Ge-
meinschaftlichkeit und jeglichen politischen Einflusses." Und wir
ohne Einfluß - "das müssen wir um jeden Preis vermeiden."
Gott sei Dank hat deshalb Karl Heinz Janzen
Sorge Nr. 7 - unsere Solidarität
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formuliert und einer "herben Kritik" unterzogen. Nicht nur zu we-
nig Einfluß auf die Politik, "ein schwaches Bild" der Haushalts-
operation '82 entgegengesetzt und gar "Hofschranzen" gewesen,
statt uns "an die Spitze der Bewegung" gestellt! Das mußte auch
mal gesagt werden, vor allem von einem, der das alles mitbe-
schlossen hat, so daß schließlich
Sorge Nr. 8 - unsere Führerpersönlichkeiten
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auch noch zu ihrem Recht kam. In Vetter brach programmgemäß seine
Gefühlswelt durch:
"Ich muß Zorn und Enttäuschung zum Ausdruck bringen."
Somit war seine gekränkte Würde an den Mann gebracht, denn
"Gewerkschafter sind in der Lage, aus eigener Kraft offen und
freimütig menschliche Unzulänglichkeiten einzugestehen." (Günter
Volkmar, HBV)
und brauchen sich nicht durch Skandale ihren Abgang vermasseln zu
lassen.
Der neue Vorsitzende, Breit, braucht sich den Kommentar, er wirke
wie ein "korrekter Beamter" und müsse sich das "Profil eines Ar-
beiterführers erst erwerben" (ZDF), auch nicht zu Herzen zu neh-
men. Moderne deutsche Arbeiterführer legen es schließlich auf
diesen Eindruck an. Breit's Antrittsrede:
"Vielen Dank für das Vertrauen. Ich werde mir Mühe geben, es zu
rechtfertigen. Das wird nicht ganz einfach sein. Ich baue auf un-
sere Einzelgewerkschaften, daß sie mir weiter so helfen, wie sie
mir bisher geholfen haben."
Bei diesem Gewerkschaftskongreß hätte es also Vetters Spezial-Au-
ßenpolitik -
Sorge Nr. 9 - ein leerer Stuhl
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"den wir besonders gern besetzt hätten",
die Abwesenheit des extra eingeladenen Walesa, nicht mehr ge-
braucht, um sich die "Laudationes" (Süddeutsche Zeitung) der Po-
litiker abzuholen. Die
Sorge Nr. 10 - Genießen wir das Vertrauen der Politik?
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wurde lauthals und unisono zerstreut: Ja, ihr seid korrekterweise
"nicht gegen die Kernenergie", "verliert die Möglichkeiten und
Grenzen der Volkswirtschaft nicht aus den Augen", sollt euch wei-
terhin "wie schon immer gegen radikale Kräfte nachhaltig abgren-
zen", habt "in diesem wie im vergangenen Jahr maßvollen Lohnab-
schlüssen einen positiven Beitrag zur Wirtschaftsentwicklung
geleistet", seid fähig für den "Pakt der Vernunft zur Lösung der
gegenwärtigen Krise", habt gut "mit der Koalition zusammengear-
beitet", seid die Garanten unserer kämpferischen Demokratie,
kurz:
"Es zeigt sich wieder einmal, daß diese Arbeitnehmerorganisation
verantwortungsbewußt für das Ganze ist." (Carstens, Kohl,
Schmidt, Strauß und Brandt)
Dem ist nichts hinzuzufügen. Kein Wunder bei d e n Sorgen.
"Weder im übrigen Europa, den USA noch in Japan gibt es so viele
Begegnungen und Kontakte mit dem Regierungschef und den Mini-
stern, wie sie der DGB und die Einzelgewerkschaften in dieser Re-
publik seit langem pflegen." (Eugen Loderer)
Auf w e n kommt es der Gewerkschaft an?
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