Quelle: Archiv MG - BRD DEMOKRATISCHES-LEBEN WAHLEN - Wählen ist verkehrt!
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WAHLKAMPFSPLITTER
"Einer von uns"
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soll Kanzler werden. So wirbt die SPD in NRW für ihren Johannes.
Einer von uns? Die Nordrhein-Westfalen ein Völkchen von Politi-
kern, Ministerpräsidenten und Kanzlerkandidaten? Hier hat wohl
jemand bewußt etwas verwechselt. Die SPD-regierten Arbeiter und
Angestellten, Steuerzahler, Rentner und Studenten werden als so
treudoofe Landsleute des Kandidaten angesprochen, daß sie ihren
Wohnort für ein Argument halten sollen, sich für eine SPD-Re-
gierang stark zu machen. Wenn der verehrte Wähler schon sonst
nichts zu melden hat, soll er sich ein bißchen in der Einbildung
gefallen können, wenigstens einer seines Schlags solle Kanzler
werden. Einer wie ich! Einer von dem vorzüglichen Menschenschlag,
der an Rhein und Ruhr haust! Das ist angewandte Psychologie des
Oppositionswahlkampfs mit einem Rau, der Kohl in allem gleich,
nur besser ist. Eben weil er einer von uns und nicht einer von
denen ist. Da hat der NRW-Eingborene ein feines Gespür.
"NRW=SPD=Rau",
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diese Parole bringt in den Landesfarben grün-weiß-rot das
Schwarz-Rot-Gold mit Lokalkolorit auf den Punkt, wieder als treue
Kopie des CDU-Wahlkampfs. Das vom Wähler erwartete und als Glei-
chung wie selbstverständlich eingeforderte Kunststück, sein gan-
zes Interesse in ein "Für Deutschland!" zusammenzufassen, soll
ihm als blanker Nationalismus des Dafürseins und Zusammenhaltens
in Fleisch und Blut übergegangen sein. Grün-weiß-roter Patriotis-
mus buchstabiert sich so: eine erfolgreiche Führung (absolute
SPD-Mehrheit) und ein einiges Volk (treues Stimmvieh). Das Feind-
bild fehlt auch nicht: lauter ausländische Politiker (Pfälzer,
Bayern und Schwaben), die unser Land miesmachen und uns wesens-
fremd sind. Das kann die Rasse an Rhein und Ruhr gar nicht leiden
und wählt SPD. So wird Oppositions-Nationalismus zur Karikatur
des regierungsamtlichen Hurra-Deutschland-Kurses: im Kleinformat,
aber als genaues Abbild.
Das heißeste Argument zur Wahl: das kalte Wetter
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Muß die Wahl diesmal ausfallen? Wenn nein: was ist bei Smogalarm?
Wem nützt am Wahltag das ungemütliche Klima, wem schadet es? Darf
man dem Wähler zumuten, auch bei Glatteis seine Souveränität aus-
zuüben?
Man darf nicht nur, man muß! Das jedenfalls hat der amtierende
Kanzler letztens mit den Insassen des "KZ" (Kohl) DDR begründet.
Was sollen die von uns denken, wenn wir am 25. nicht geschlossen
an die Urnen marschieren! Freie Wahlen, keiner geht hin, und das
bloß wg. Kälte! Wo drüben der Volkswille angeblich mit der Ka-
laschnikow ausgeübt wird, träumen die "Menschen in Halle, Leipzig
und Dresden" (Kohl) von einem Stimmzettel und, natürlich, von ei-
nem Führer Kohl.
Wegen der DDR wählen gehen, das ist demokratische Politik fast im
Klartext. Ein Wahlkreuz machen, von dem außer den hiesigen Macht-
habern garantiert nichts und niemand etwas hat, zuletzt die
"Menschen in der DDR".
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