Quelle: Archiv MG - BRD DEMOKRATISCHES-LEBEN WAHLEN - Wählen ist verkehrt!


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FRAGEN ANS PUBLIKUM

betreffs der guten Gründe, für die eine oder andere zur Wahl ste- hende Partei seine Stimme abzugeben: 1. Für die CDU und Kohl soll man sein, weil man für Deutschland ist. Und warum soll man für Deutschland sein? Etwa deshalb, weil Kohl selbst mit Deutschland und seinen Erfolgen so sturzzufrieden ist? Weil Deutschland größer, die DM hart, der Export ungebro- chen, der Einfluß auswärts steigend und der Systemfeind erledigt ist? Fällt Ihnen auf, daß die Rolle, in der Sie persönlich in dieser erfolgsverwöhnten Nation vorgesehen sind, gar nicht mehr Thema ist, wenn Mieter und Vermieter, Unternehmer und Arbeiter, Groß- und Kleinverdiener alle a l s D e u t s c h e und sonst nichts die Erfolge der Nation begrüßen und dessen Vorstandsvorsitzendem zugutehalten sollen? Ob es vielleicht so ist, daß es sich mit dem 'Ja zu Deutschland' gar nicht verträgt, dafür argumentieren, überzeugen zu müssen? Daß stattdessen der Wähler an seine Partei- lichkeit für Deutschland erinnert wird, damit er ein Wahlkreuz für die erfolgreich Regierenden daraus macht? 2. Welche Alternative zum Argument der CDU, sie in der Regierung zu bestätigen, wird einem geboten? Durch die Bank wirbt jede Par- tei für sich als bessere Alternative für - D e u t s c h l a n d. 3. Die SPD reitet auf den Kosten der nationalen Einheit herum. Kosten, die den Bürgern von staatswegen gemacht werden (Steuererhöhungen, steigende Hypothekenzinsen...), sind das Belegmaterial dafür, daß der nationale Ertrag des Einigungswerks in Zweifel gezogen wird ("unsolider Staatshaushalt"). Können deutsche Staatsbürger tatsächlich ihren eigenen Haushalt nicht vom Staatshaushalt unterscheiden? Ist es eine selbstverständliche Übung, Finanzsorgen, die ihnen von ihrem Staat und seiner Wirt- schaft gemacht werden, in Problemlagen der Nation zu übersetzen? 4. Worin besteht der Vorzug einer Partei, die man deswegen wählen soll, weil sie "ehrlich" vorher sagt, daß ohne Steuererhöhungen die nationalen Vorhaben nicht drin sind, die sie unbedingt in Regierungsverantwortung durchführen will? Was ändert sich dadurch für die Regierten? Sind ehrlich mitgeteilte Steuererhöhungen un- gefähr dasselbe wie freiwillig hergeschenktes Geld? Wieviel haben Sie denn übrig? Und wieviel müssen Sie denn übrig machen von we- gen "solidem Staatshaushalt"? 5. Warum soll man die "Grünen" wählen, wenn die regierenden Par- teien die Grünen "plagiieren"? Wenn es auf die "grünen Inhalte" ankommt, ist es doch egal, ob die, die sie durchsetzen, lediglich abgekupfert haben. Aber nun will "das Original" seinen Wert behalten. 6. Was ändert sich eigentlich an der Ökosteuer, wenn grüne Poli- tiker sie mit der SPD beschließen? Noch ein Titel für Steuererhö- hungen, der unangreifbar ist? 7. Garantiert wirft heute abend wieder jeder allen anderen vor, irgendwas mit der SED zu tun gehabt zu haben. Kommt Ihnen das nicht ein bißchen verdächtig vor, wenn - und zwar n a c h d e m der reale Sozialismus beseitigt ist und keiner mehr für ihn ein- tritt - sich alle Bonner Parteien wechselseitig in Absagen an die vormalige Systemalternative übertreffen und sich damit als bes- sere Regierungsmannschaft für hier und heute profilieren? zurück