Quelle: Archiv MG - BRD DEMOKRATISCHES-LEBEN WAHLEN - Wählen ist verkehrt!


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DIE ALLERLETZTEN WAHLKAMPFARGUMENTE

1. Seid zufrieden - wir sind's auch! ------------------------------------ "Uns geht es gut! So soll es bleiben!" Mit dem Werbespruch wollte Albrecht die Wähler an die Urnen strahlen. Das gab der SPD Gelegenheit, sich empört zu zeigen: "Mit dem Wahlmotto werden Menschen am Rande des Existenzminimums ausgegrenzt und verspottet!" tönte Schröder. Dafür soll man ihn wählen. Worüber streiten sich die hohen Herren eigentlich? Über die Le- benslage von Rentnern und Sozialhilfeempfängern sicher nicht. Er- stens weiß jeder, wie es denen geht. Zweitens werden die auch nach einem Wahlsieg von Schröder nicht in Luxuslimousinen zum So- zialamt fahren. Und drittens weiß auch Schröder, daß Albrecht mit seinem Spruch nicht den Inhalt von Rentnerkühlschränken gemeint hat, sondern "wir alle" überhaupt und sowieso, mit unserer Freiheit, unserer Demokratie und unserer Regierung. Grund genug für einen Schröder von Solidarität und Gerechtigkeit als Fürsprecher der Armen aufzuspielen. Daß "wir" einfach so sa- gen dürften, daß "wir" Grund zur Zufriedenheit hätten, wo es s o v i e l e Arme gibt - das ist unmoralisch! Und warum? Weil man sie so m i ß a c h t e t, statt ihnen Mitgefühl zu zeigen und damit zu illustrieren, daß auch sie mit ihren Sorgen zu unse- rem schönen Gemeinwesen d a z u g e h ö r e n. Das bringt zwar keinem Arbeitslosen auch nur eine müde Mark, soll es aber auch gar nicht, sondern dem Schröder Wählerstimmen. Was "unseren Armen " zusteht, sind nämlich Politiker, die immer öffentlich sagen, daß es ihnen ein ganz furchtbares Problem ist, daß sie den Leuten immer Probleme machen müssen. Schließlich leben wir in einer De- mokratie und nicht mehr im Feudalismus. 2. Die anderen wählen uns auch! ------------------------------- Warum sollen Arbeitnehmer SPD wählen? Der SPD ist offenbar kein Argument dafür eingefallen. Oder wie soll man es sonst verstehen, daß sie mit folgendem Bild für sich wirbt: Bild ansehen Die allerletzten Wahlkampfargumente Arbeitnehmer unterstützen Gerhard Schröder im Landtagswahlkampf. Allein in Hannover kamen 400 zur Auftaktveranstaltung: Jochen Bruns, Heinz Rettberg, Gerhard Mogwitz, Rudolf Dreßler, Gerd An- dreß, rainer Kumlehn. Also, Arbeitnehmer, wählt SPD! Es gibt nämlich schon jede Menge Arbeitnehmer, die SPD wählen! Nämlich Johann Bruns, Heinz Rett- berg, Gerhard Mogwitz... Das reicht ja wohl als Begründung, oder? (Und das sich jetzt bloß keiner einfallen läßt: aber gibt es nicht auch Arbeitnehmer, die CDU...? Pfui! Das können doch keine richtigen Arbeitnehmer sein! Denn Arbeitnehmer wählen doch... Ka- piert?) 3. Wir gewinnen! ---------------- Jetzt, im "Endspurt" des Wahlkampfes, hängen in ganz Niedersach- sen Plakate folgenden Inhalts: CDU: "Unser Ministerpräsident" und "Da weiß man, was man hat". SPD: "Der neue Ministerpräsident" Dazu werden von allen Parteien Meinungsumfragen aus den diversen Institutshüten gezaubert, die immer nur eines zeigen sollen man ist der Gewinner, es steht "eigentlich" schon fest, daß man "dran" kommt. Und das soll das letzte schlagende Argument sein, den entsprechenden Verein auch zu wählen?! Das "Argument" hat's in sich! Im Klartext heißt es ja: Wir sind an der Macht bzw.: Wir k o m m e n ganz sicher dran an die Macht. Daran kann der Wähler doch sehen, daß wir für die Macht g e m a c h t sind! 'Ihr müßt uns wählen, weil wir die Herren sind und ihr deswegen u n s e r e Untertanen. Und der Untertan ist doch für den, der sein Herr i s t!' Wenn dieser Zirkel d a s Argument für die Machthaber sein soll, dann gibt's ja wohl k e i n e n g u t e n G r u n d, sich der Herrschaft zu unterwerfen. Es sei denn, der Bürger unterschreibt das, was ihm Politiker mit diesem Zirkel immerzu beweisen wollen: Du b r a u c h s t einfach einen, der Macht über dich hat - weil du ein Untertan bist. Auch eine Art, den Leuten mitzuteilen, daß sie entmündigte Arschlöcher sind. Also mündige Wähler! *** Der JUSO-Dreischritt für die SPD -------------------------------- JUSOs zeichnen sich dadurch aus, daß sie unter 35 sind und ihre Partei furchtbar k r i t i s c h sehen. Sie sind nämlich 1. bloß deshalb in der Partei, um sie so zu verändern, damit end- lich aus ihr wird, was sie eigentlich immer schon ist. Das geht aber nur, wenn man 2. realistisch ist und erstmal auf die Veränderung der Partei verzichtet, weil es erstmal wichtiger ist, daß die SPD an die Macht kommt. Wenn Sie dann dran ist, bleibt man 3. entweder ihr nützlicher Idiot oder wird 35 und Ministerpräsi- dent. Dann kann man neue JUSOs auf die gleiche Tour gewinnen. *** Manchem kommt im Laufe des Wahlkampfs der Verdacht, alles, was ihm da vorgetragen wird, sei doch recht eigentlich kein Argument. Dieser Verdacht enthält einen Fehler; und deswegen führt er re- gelmäßig zu einer falschen Konsequenz. Die falsche Konsequenz: Man geht trotzdem zur Wahl. Der Fehler: Man glaubt unbeirrt wei- ter daran, eigentlich gäbe es doch sehr gute Argumente dafür, fremden Menschen die Herrschaft über sich anzuvertrauen. Warum glaubt man den Politikern nicht zur Abwechslung mal das Eine: Daß die Staatsgewalt, um die sie konkurrieren, genau so gut ist wie das, was sie an Argumenten für ihre Wahl ins Feld führen -? B e s s e r e Argumente sind für Gewalt und Unterwerfung auf der ganzen Welt nicht zu haben. zurück