Quelle: Archiv MG - BRD DEMOKRATISCHES-LEBEN WAHLEN - Wählen ist verkehrt!
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Klaus von Dohnanyi klärt auf:
SO GEHT DEMOKRATISCHER PERSONENKULT
I
Seit Wochen hängt er nun überall in Hamburg herum, der aristokra-
tisch in Pose gesetzte Klaus von Dohnanyi.
An seinem Bildnis soll sich die Frage entscheiden. Eignet sich
dieser Mann zum Stadtfürsten, dem man nicht nur gehorchen muß,
sondern den man dafür auch noch bewundern kann? Mit dem, was im
Volksmund "schmutziges Geschäft" genannt wird, hat ein solcher
Politiker selbstredend nichts zu tun. Korruption oder Gebührener-
höhungen, Abschieben von Flüchtlingen oder Tote im Polizeipräsi-
dium, unverhältnismäßiges Einkesseln von Demonstranten oder zer-
depperte Fensterscheiben, Schiebereien bei der Müllabfuhr oder
Gift von der Affi - was auch immer einem Bürger als die Häßlich-
keiten des politischen Gewerbes einfallen mag, eins steht fest:
Dieser Mann steht über solchen Niederungen, denn er steht dafür
ein, daß es sich bei alledem nur um eines handelt, um eine ein-
zige Bewährungsprobe des Geistes, der Probleme lösen, Konzepte
entwickeln, Strategien entwerfen und Perspektiven bieten muß.
Macht ausüben und damit Hamburg regieren ist nicht so einfach,
wie sich das mancher vorstellen mag. Das ist harte Arbeit, echte
Dienstleistung - eben der zur Schau gestellte Genuß am Kommando
über fremde Menschen unter dem Titel "Verantwortung". Und wie bei
jedem Dienst leitet sich auch aus dieser Pflichterfüllung ein
Recht ab. Dohnanyis Recht auf die Dankbarkeit des Volkes, für das
er arbeitet, indem er es für Hamburg antreten läßt. Aber das ver-
steht sich eigentlich von selbst. Zumal ja das Volk in einer De-
mokratie nicht nur das Glück genießt, souverän beherrscht zu wer-
den, sondern zu allem Überfluß sich seiner Machthaber würdig er-
weisen darf. Die nächste Gelegenheit dafür, so läßt uns Herr von
Dohnanyi wissen, ist auch schon vorgesehen: Bei der Hamburg-Wahl
können wir zeigen, wie sehr wir eine Führerpersönlichkeit wie ihn
verdient haben, und damit sein Recht auf Zustimmung erfüllen.
Meint Herr von Dohnanyi. Ist er nicht großzügig in seinen Gunst-
bezeugungen, unser Herr und Meister? Eben ein demokratischer
Stadtstaatsmann vom Scheitel bis zur Sohle, diese Knallcharge.
PS: Eins tät' uns noch interessieren, liebe Hamburger: wenn euch
s o w a s imponiert und ihr euch damit bestens bedient vorkommt,
warum wählt ihr dann eigentlich nicht den Fotografen?
II
Neben der aufwendig inszenierten Lüge vom kultivierten Feingeist,
der sich in der Exekution der allerordinärsten Gewaltansprüche
des Staates bewährt und damit zum ortsansässigen Menschenschlag
paßt wie die Faust auf's Auge (also einer eindeutig auf's intel-
lektuelle Publikum gerichteten Werbung), hat von Dohnanyi auch
noch was fürs einfache Gemüt auf Lager. Offenbar vermutet er un-
ter seinem Wählerpotential eine erkleckliche Anzahl von Analpha-
beten, die er sich nicht durch die Lappen gehen lassen will. Die-
ser Zielgruppe will er das - wohl als allzu schwergewichtige gei-
stige Kost eingestufte - Argument "Dohnanyi für Hamburg. Hamburg
für Dohnanyi." nicht zumuten. Er nimmt sie vielmehr hilfreich bei
der Hand und serviert ihr eine leicht faßliche, jedes verklausu-
lierte Bürokratendeutsch strikt vermeidende Gebrauchsanweisung
fürs Wählen:
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So geht demokratischer Personenkult
Wir lernen also: damit Kumpel Klaus im Rathaus bleiben darf, müs-
sen wir unser Kreuz nicht über, auch nicht unter und schon gleich
nicht auf seinem Namen machen, sondern rechts davon, nach oben
versetzt. Dabei kommt es ungeheuer auf uns an, denn wenn wir da-
bei einen Fehler machen, kommt womöglich einer rein, der Hartmut
heißt. Nicht auszudenken!
PS: Auch hier läßt sich eine kleine Nachfrage an Sie, liebe Ham-
burger Wähler und Wählerinnen, nicht ganz vermeiden: Lassen Sie
sich eigentlich auch in Ihrem Privatleben jede Frechheit gefal-
len? Oder fühlen Sie sich nicht angesprochen und meinen, das wäre
nur auf die anderen gezielt? Aber warum kommen Sie dann der Auf-
forderung Dohnanyis nach und malen ihm ein Kreuz, obwohl Sie doch
des Schreibens kundig sind?
PPS: Kurz vor Redaktionsschluß erreicht uns noch eine Anfrage aus
dem Adressatenkreis von Dohnanyis Wahlkampf, die wir der Einfach-
heit halber im Wortlaut weiterreichen:
"Lieber Klaus, wir wenden uns an Dich, weil uns ein Problem auf
den Nägeln brennt. Wenn wir richtig informiert wurden, dann kann
man bei einer Wahl zum Hamburger Senat nur Parteien wählen. Da
kann es doch sein, daß Dein Name gar nicht auf den Wahllisten
steht, oder? Können wir uns dann irgendwo beschweren oder sollen
wir einfach alles andere durchstreichen und ihn selbst hinschrei-
ben, oder wie? Du sagst uns rechtzeitig Bescheid, ja?
Mit herzlichen Grüßen Dein Wählerpotential "
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