Quelle: Archiv MG - BRD DEMOKRATISCHES-LEBEN WAHLEN - Wählen ist verkehrt!


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HESSEN STATT PATT - ZUKUNFT FÜR WALLMANN!

Das war ein selten spannender Wahlabend, nicht wahr. Noch bis hin zur "Bonner Runde" sah es ja so aus, als würde der Wähler in "Hessen, das immer für eine Überraschung gut ist" (ein Kommenta- tor) seiner politischen Obrigkeit ein Patt von 55:55 bescheren. Bis dann doch noch die Schwarz-Gelben den einen entscheidenden Sitz gewonnen hatten. Damit war vom lieben Hessenland das schwere Schicksal noch einmal abgewendet, von einer "blockierten Regie- rung" regiert zu werden, und vom demokratischen Souverän, dem Wähler, die harte "Zumutung", womöglich bald noch einmal den Gang zur Urne anzutreten. Bloß: was wäre denn eigentlich bei einer "Patt-Situation im Land- tag" für den gewöhnlichen Hessen a n d e r s gewesen gegenüber der Situation, daß ihm künftig die christlich-liberalen Führerfi- guren nicht bloß von Bonn, sondern auch noch von Wiesbaden aus vorschreiben, was er zu tun und zu lassen hat? Anders für den Hessen, für den nicht die Entscheidung anstand, ob er in den lan- despolitischen Führungsetagen Regierung wird oder Opposition? Wäre vielleicht am Montag nach einem Patt nicht mehr zur Arbeit gegangen worden oder aufs Arbeitsamt? Wären keine Steuern mehr eingetrieben worden, hätten die Sozial-, Wehr- und sonstigen Äm- ter etwa ihre Verwaltung der Armut, der Wehrpflicht usw. einge- stellt? Schön wär's gewesen, wenn das Schreckbild aller Demokraten, die "Unregierbarkeit" des Landes, herbeigewählt werden könnte! So aber hat SPD-Krollmann den einzig wahren Satz des ganzen umtrie- bigen Wahlabends ausgesprochen, als er bemerkte, daß auch bei ei- nem Patt "keine Staatskrise ausbricht". Das wäre ja auch noch schöner, wenn die demokratische Obrigkeit, die mit Marktwirt- schaft, Polizei, Justiz und so fort die Dienste und den Gehorsam der Mehrheit ihrer Untertanen für die Größe der Nation zuverläs- sig organisiert, auch bloß in einem Landstrich das Fortbestehen der erfolgreich eingerichteten Benutzungsverhältnisse vom W ä h l e r abhängig machen würde. Nein, dem Wähler wurde die Entscheidung zwischen "Hessen bleibt vorn" und "Hessen, nutz deine Chance" anheimgestellt. Die hat er brav wahrgenommen und ist dafür zum Schluß doch noch mit einer gewählten Regierung belohnt worden. Sprich: "der Hesse" hatte einzig zu entscheiden, ob die p o l i t i s c h e K a r- r i e r e eines Wall- oder eines Krollmann vorankommt. Seit Sonntag 21.10 Uhr hat er zwar nicht mehr das reizvolle Vergnügen, seinen politischen Herren beim Taktieren mit einem Patt zuschauen zu dürfen. Dafür hat er jetzt z.B. davon, daß der Wallmann seine Entscheidung zum Ausbau diverser Atomfabriken noch bequemer durchziehen kann, während der Krollmann samt seinen verhinderten grünen Mehrheitsbeschaffern fürs selbe Resultat jetzt nicht mal mehr den Umweg mit dem Bundesverfassungsgericht verfolgen darf bzw. braucht. Ansonsten geht sowieso alles seinen Gang in den Fabriken, Büros, niederen und höheren Schulen in Hessen und anderswo. Das war's doch wert, oder? zurück