Quelle: Archiv MG - BRD DEMOKRATISCHES-LEBEN WAHLEN - Wählen ist verkehrt!


       zurück

       Die seltsamen  "Regeln politischer Diskussion", die die westdeut-
       sche Demokratie besonders auszeichnen und liebenswert machen sol-
       len, wollen wir untersuchen im
       

ARBEITSKREIS KOMMUNIKATIONSWISSENSCHAFT:

Demokratische Wahlen - "Kulminationspunkte politischer Diskus- sion" Einer nicht nur kommunikationswissenschaftlich verbreiteten An- sicht zufolge handelt es sich bei demokratischen Wahlen um einen "Dialog" zwischen Politikern und Volk, der auf "Konsens" darüber zielt; wo es hierzulande langzugehen hat. - Ein bißchen merkwürdig ist dieses "Gespräch" schon, bei dem die einen unentwegt bereden, wie die Politik der Nation zu laufen hat, während die anderen für ihren Beitrag als "Volkes Stimme" diskrete Kabinen aufsuchen müssen, in denen sie still geheime Zeichen abgeben dürfen. Reichlich eigenartige "Kommunikationspartner" stehen sich gemäß dieser Vorstellung hier gegenüber: Die einen haben das Sagen und spielen auf den Instrumenten der Öffentlichkeit, die anderen stellen für diese nationalen Ansprüche den Resonanzboden dar. - Die "Diskussion" während des Wahlkampfs: ---------------------------------------- Der Wähler wird umworben als Stimme. Dabei braucht er sich nicht zu äußern, weil die Politiker ihm sagen, worum es geht. Das schwierige Geschäft der Politik wird von ihnen so dargestellt, wie es den Wähler angeht: d e n B e s t e n f ü r D e u t s c h l a n d! Was der Beste dann tut, ist natürlich seine Sache. Daraus machen die Politiker auch keinen Hehl, wenn sie erklären, daß sie sich sicher keinem "Druck" - der "Öffentlichkeit", der "Straße", des "Ostblocks" - beugen werden, wo es um die großen nationalen An- liegen geht. Es wird darüber räsoniert, ob ein bestimmtes "Thema" die Leute - "rüberzieht" daß die Wahl bereits entschieden ist, und man deswegen gefälligst SPD bzw. CDU zu wählen hat - das ist dann das letzte und Hauptargument, mit dem der Wähler im Wahl- kampf agitiert wird. Dieser "Dialog" während des Wahlkampfes findet seinen Höhepunkt in der "Diskussion" am Wahlsonntag: ---------------------------- War sie bisher etwas einseitig, kommt der "große dunkle Dialog- partner der Politik", das Wählervolk, jetzt voll zum Zuge. Sein Beitrag besteht in einem gewaltigen Kreuzchen. Gewaltig, weil er mit dieser seiner Wählerunterschrift seinen bescheidenen Beitrag dazu leistet, daß einer der beiden angetretenen Köpfe auf alle Fälle sein Bestes für die Nation tun kann. Damit die so erhobenen Stimmen nicht untergehen, werden sie in Urnen versenkt und als Votum für die Nation gesammelt. Es ist nur gerecht, daß die Bei- träge der vielen Individuen nur als Prozentzahl interessieren. Diese und ihre Funktion - Ermächtigung einer bestimmten Politi- kermafia - sind Thema der "Diskussion" am Wahlabend: -------------------------- Diese wird korrekterweise wieder von denen allein geführt, die das ganze nationale Spektakel in Szene gesetzt haben. Die Verlierer kritisieren den Wähler und sich und versprechen ihm zum nächsten Mal andere Techniken des Einseifens, damit ihr Wille - selbst die "Regierungsverantwortung" zu übernehmen - besser "rüberkommt". Von den Gewinnern wird dem Wähler gedankt für politischen Weit- blick und Sachverstand. Ihm wird - bei "klaren Machtverhältnis- sen" zumal - dafür gedankt, daß die Regierung kompromißlos ihre Vorhaben bzgl. "Deutschland vor!" durchsetzen kann. Zudem wird ihm bedeutet, daß er ab Montag bei der Verfolgung dieses Ziels ein gewichtiges Wörtchen mitzureden haben wird: An den profanen "Beiträgen" seines Werkeltagslebens sind Politiker selbstver- ständlich interessiert. zurück