Quelle: Archiv MG - BRD DEMOKRATISCHES-LEBEN WAHLEN - Wählen ist verkehrt!
zurück
Bremer Hochschulzeitung Nr. 21, 16.10.1980
DIE WAHL HAT GEKLAPPT
Nach dem Lehrbuch ist die Wahl der Vorgang, in dem der politische
Wille des Volkes sich zusammenfaßt und zum Regierungsauftrag
wird. Wann beginnen die Menschen bloß endlich den Lehrsatz zu
glauben: Daß am politischen Willen des Volkes und seiner Beauf-
tragung der Regierung nicht ein bißchen mehr dran ist als das,
was in der Wahl passiert -?
Gegen Ende der Ferienzeit war also mal wieder so ein heißes Ding.
Zur Entscheidung stand erklärtermaßen, ob es genauso weitergeht.
Zur Alternative wurde diese Entscheidung, weil zwei verschiedene
Leute darauf aufpassen wollten, daß es genauso weitergeht. Das
Kunstvolle an dieser Alternative lag darin, daß jeder seinen Geg-
ner zum Argument dafür machen mußte, daß er selber dran dürfen
muß. Und das hat tatsächlich geklappt. Die politische Gegner-
schaft zwischen Schmidt/Genscher und Strauß, die keinen anderen
Grund und Inhalt hat als den, daß nur eine Seite an die Macht
kommen kann, hat die Untertanen so fasziniert, daß sie ernstlich
sich die Frage vorgelegt haben: welcher von beiden ist mir lie-
ber? W o f ü r man überhaupt einen von beiden braucht, auf die
Frage sind die braven Wähler nicht verfallen. Das Ergebnis ist
denn auch sehr sehr positiv. Und wer trotzdem meint, das wichtig-
ste Ergebnis der Wahl sei doch das negative, daß "Strauß ge-
stoppt" worden wäre, dem müssen wir mitteilen, daß er irrt. Das
praktische Ergebnis ist ein ganz anderes: S c h m i d t
d a r f!
zurück