Quelle: Archiv MG - BRD DEMOKRATISCHES-LEBEN WAHLEN - Wählen ist verkehrt!
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WAS WÄRE DER HESSE OHNE DIE GRÜNEN?
"Wie wohl ist dem,
der dann und wann,
die GRÜNEN wieder wählen kann."
(Wahlplakat der GRÜNEN)
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Zweifelsohne würden dem Hessen die GRÜNEN fehlen.
O h n e die GRÜNEN hätte der Hesse niemals die Ehre gehabt,
schon zu Lebzeiten von einem "historischen Modell" (Fischer) re-
giert zu werden. Es gäbe garantiert keine rotgrüne Koalition,
sondern eine andere, die von Wiesbaden aus die Verantwortung für
die Allgegenwart und das Funktionieren bundesdeutscher Staatsge-
walt übernehmen müßte.
2
O h n e die GRÜNEN wäre dem Hessen womöglich ein "Einstieg in
die Plutoniumwirtschaft" beschert worden. M i t den GRÜNEN ist
ein solcher schlechterdings unmöglich. Mit grüner Regierungsbe-
teiligung gab es ja nur genau d i e Hanauer Plutoniumschmiede,
auf deren Geschäftsartikel der deutsche Staat (West) scharf ist.
Denn der braucht bekanntlich nicht nur krisensichere Atom-Energie
für schlagkräftiges Kapitalwachstum, sondern auch den Stoff für
eine echt deutsche Bombe: Für "Deutschlands Zukunft" und schon
wegen der Arbeitsplätze, die laut Börner sonst plötzlich fehlen
würden.
3
O h n e grüne Regierungsbeteiligung gäbe es womöglich in Zukunft
eine extra h e s s i s c h e Genehmigung für ALKEM. Das wäre
ein echter Skandal und Mißbrauch des fortschrittlichen hessischen
Wählerwillens. M i t grünen Ministern wird es eine
d e r a r t i g e Erlaubnis nicht geben. Es sei denn, die
höchstrichterliche Entscheidung verlangt eine solche. Dann wäre
ein echter Sachzwang gegeben dem sich auch und erst recht ein
grüner Minister beugen müßte - auf der Basis demokratischer Über-
zeugung Ansonsten wird es bloß die Plutonium-Genehmigung aus
B o n n geben. So daß sich wieder mal der Wahl-Spruch bewiesen
hätte, daß alles Gute, das den Hessen trifft, aus Hessen kommt,
alles Böse hingegen aus Deutschlands Zentrale. Nicht umsonst
heißt ja die konsequente Parole der GRÜNEN: "Stoppt den Einmarsch
von Atomminister Wallmann!" Der soll lieber von Bonn aus seine
bindenden Direktiven erlassen, so daß sein "rotgrünes Gegenge-
wicht" in Wiesbaden die Hände in kompetenter Unschuld waschen
kann. Für diesen Fall hätte der Hesse in der Tat wahlweise alles
auf einen Schlag, jeder nach seinen Bedürfnissen: die Atomfabri-
ken (von Biblis wollen wir nicht reden), ein paar sicher strah-
lende Arbeitsplätze und das eingelöste Versprechen des ersten
Öko-Ministers: "Die GRÜNEN bleiben ihrem Kurs treu."
4
O h n e die GRÜNEN dürfte der Hesse erst wieder im Herbst als
Stimmvieh an die Urne treten. M i t ihnen schon im April. Die
GRÜNEN haben nämlich eigens "den Atomkonflikt auf der Regierungs-
ebene ausgetragen und damit den Bürgerinitiativen und Wählerinnen
und Wählern bewiesen, daß sie eine Anti-Atom-Partei sind und
bleiben." Letzteres hätte der ein oder andere Wähler ansonsten
womöglich glatt vergessen. Jetzt aber kann der Hesse in seiner
Eigenschaft als Protest-Wähler das immer noch unverwechselbar
grüne Profil der Volksbetörung bewundern und "jetzt erst recht"
die "Anti-Atom-Partei" zur Fortsetzung der alten Regierungskoali-
tion mit der Atompartei der SPD ermächtigen.
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O h n e Tschernobyl und sporadische "Umweltkatastrophen" wäre
die GRÜNE PARTEI politisch arm dran. Ohne Gau keine Gelegenheit
für besonders gewissenhafte Messung schädlicher Becquereldosen in
Milch und Fleisch plus Herausgabe verträglicher Grenzwerte durch
einen gestreßten Minister. Ohne chemische "Rheinkatastrophe"
keine Chance zu publicityförderndem Rundflug über der Rhein-
kloake. Ohne ALKEM kein innerhessisches Skandalthema, also auch
kein spektakulär-glaubwürdiger Koalitionsbruch.
Was hätten die GRÜNEN dem Hessen denn sonst zu bieten? Sachen,
die er noch nicht hat?
Vielleicht noch eine garantiert unverfälschte Frau, z.B. Waltraud
Schoppe, die anstelle der christlichen Rita recyclebare Pariser
für die Volksgesundheit anpreist. Und einen empörten Aufschrei
darüber, daß die Staatsgewalt ihre freien braven Bürger auch noch
über die ihnen besorgte ökonomisch-soziale "Lage" a u s-
f r a g t, statt sie bloß sachgemäß zu v e r w e n d e n.
D a s geht zu weit! Denn die Einbildung des Knechts, der alles
mit sich machen läßt und dabei auf die Freiwilligkeit seiner Un-
terwerfung pocht, ist unantastbar.
Der GRÜNE möchte nichts als sich wohlfühlen können in einer Welt
voller kapitalistischer "Sachzwänge", an deren Normalität er
folglich n i c h t s auszusetzen hat. Er erklärt voller Über-
zeugung den Bock zum Gärtner. Er beglückwünscht die Politik zu
ihrer hohen moralischen Verantwortung, was die "Lösung" von al-
lerlei Menschheits-"Problemen" angeht - die es ohne das Wirken
der Staatsgewalt gar nicht gäbe. Und der GRÜNE POLITIKER ver-
spricht, besonders eifrig und in konstruktivem Geist an dem ach
so schwierigen Geschäft der "Regierungsverantwortung" - wie auch
er das Kommando über die Lebensbedingung der Leute liebevoll
nennt - teilzunehmen. Das soll der Hesse ihm danken, indem er ihn
wählt: mit ein paar Zetteln mehr.
6
Wie ihre Zunftkollegen von den "etablierten Parteien" sehen grüne
Politiker
- die vom bundesdeutschen Imperialismus produzierten Feindschaf-
ten als S i c h e r h e i t s p r o b l e m, dem sich die Poli-
tiker zum Schutz von Heimat-Land und Leuten zu widmen haben;
- die Stätten profitlicher Arbeitskraftbenutzung als
A r b e i t s p l ä t z e, für deren Besitz der Mensch ohne Be-
sitz dankbar zu sein hat;
- die flexible Verfügung übers Arbeitsvieh sowie deren notwendige
Resultate als A r b e i t s z e i t- bzw. A r b e i t s l o-
s i g k e i t s p r o b l e m;
- die verschlissenen Alten als R e n t e n p r o b l e m;
- die geschäftsdienliche Untergrabung der natürlichen Reichtums-
quellen und Lebensbedingungen als U m w e l t b e a u f-
s i c h t i g u n g s p r o b l e m.
- die polit-ökonomische Indienstnahme von männlichem und weibli-
chem Menschenmaterial als P r o b l e m mangelnder A n e r-
k e n n u n g des zarten G e s c h l e c h t s und seiner doch
so brauchbaren Fähigkeiten durch die "Männerwelt";
- und während sie die regierenden Figuren wahlweise bewundern
(wie Fischer und "Parteisoldaten Börner") oder verachten
(Wallmann) mögen, lassen sie auf die staatlichen Ä m t e r
selbst nichts kommen.
7
Das Florieren der hessischen Wirtschaft, d.h. die Gültigkeit des
kapitalistischen I n t e r e s s e s halten die Grünen für
einen gesellschaftlichen S a c h z w a n g. Nicht, daß sie sich
brüsten ob der "Erfolge von Hessens Wirtschaft" (CDU/SPD) im Bund
und in aller Welt. Aber darauf, daß der Hesse stolz ist auf diese
seine Wirtschaft, die ihm in aller Regel gar nicht gehört, darauf
spekulieren sie. Von wegen "rot-grünes Chaos"!. Es herrschte so-
lide Ordnung im Lande. Kein einziges Unternehmen ist aus politi-
schen Gründen aus Hessen emigriert. Im Gegenteil. Daß der
"Standort Hessen" als Anlagesphäre für produktives und Finanzka-
pital erste Wahl ist, widerlegt doch wohl alle anfänglichen kapi-
talistischen Unkenrufe, wonach die ö k o l o g i s c h orien-
tierte Ersatz-F.D.P. der Freiheit der Ö k o n o m i e des Pri-
vateigentums irgendwelche Steine in den Weg legen könnte. Wer
wollte da noch von den Opfern reden, die für die Konkurrenzfähig-
keit eines Kapitals wie Hoechst und Opel geradestehen.
8.
Wenn der Hesse in seiner Mehrheit die GRÜNEN nicht hätte, hätte
er dieselbe Arbeit oder keine; dieselben Atomfabriken; dieselbe
Frankfurter Börse; dieselben deutschen und US-Soldaten... also
alles - nur ohne die GRÜNEN. Die würden dem u n z u f r i e-
d e n e n Hessen freilich mächtig abgehen, denn welche andere
Partei koketiert schon im Wahlkampf mit Fragen wie "Revolution im
Parlament?" Um anschließend die versammelte staatsbürgerliche
Unzufriedenheit garantiert unschädlich im Parlament zu repräsen-
tieren - zur eigenen und der Wähler Zufriedenheit.
O h n e die GRÜNEN hätte also nicht j e d e r Hesse ein Hes-
sen, an dem er (s)eine politische Heimat hat.
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