Quelle: Archiv MG - BRD DEMOKRATISCHES-LEBEN WAHLEN - Wählen ist verkehrt!


       zurück

       Der Streit  um das  gesamtdeutsche Wahlverfahren und den Wahlter-
       min:
       

WAHL FREI - ERGEBNIS KLAR!

Was ist eigentlich schöner fürs Wahlvolk: Wahlen, bei denen von Anfang an feststeht, daß die SED mit 99% das Rennen macht? Oder Wahlen, bei denen die konkurrierenden Demokraten im Vorfeld das Wahlergebnis unter sich aushandeln? Um nichts anderes geht es nämlich seit ein paar Wochen bei all den Streitereien und "Koalitionskrisen" in Ost-Berlin und Bonn. Die heißen Fragen: soll die DDR vor, gleichzeitig mit, oder eine Minute nach Ablauf des Wahltags der BRD beitreten? Wann soll ge- wählt werden, am 14. Oktober, am Volkstrauertag oder am 2. Dezem- ber? Und wie ist die Sache mit der 5-Prozent-Sperrklausel am ge- schicktesten zu handhaben? Es geht immer nur um das Eine: Nach welchen Regeln soll der Wähler wählen dürfen, damit er das einzig korrekte demokratische Wahlergebnis einfach nicht mehr versauen kann?! Die Sache mit dem Wahlverfahren ------------------------------- Das anvisierte Ergebnis: Die Bonner Parteien bleiben im wesentli- chen unter sich; der CSU-Ableger DSU soll zusätzlich rein ins neue deutsche Parlament; die PDS muß auf alle Fälle draußen blei- ben; und wenn die Bürgerrechtler, die Träger der "friedlichen Re- volution" von gestern, ein warmes kleines Plätzchen ergattern, wäre das ganz nett. Es geht also um ein Wahlverfahren, das den bockigen DDR-Wähler in die demokratisch korrekte Richtung lenkt. Der gibt nämlich abseh- barerweise der PDS viel zu viele und der DSU viel zu wenige Stim- men. Aber es wäre doch gelacht, wenn erfahrene Demokraten für so ein vertracktes "Wählerverhalten" keine Lösung wüßten. Sie lau- tet: "Huckepackverfahren", bei dem die PDS hinten runter fällt, sodaß eindeutig bewiesen ist, daß sie nicht in ein demokratisch gewähltes Parlament gehört. Die CSU nimmt ihren Sprößling DSU auf einer gemeinsamen Liste mit und die Grünen dürfen sich auf die- selbe Tour um die "Bürgerrechts-Bewegungen" verdient machen. Das ist der "tragbare Wahlmodus", auf den sich die Brüder schließlich geeinigt haben. Sie haben damit über die ihnen genehme Zusammensetzung des ge- samtdeutschen Parlaments entschieden, auf daß auch nur die r i c h t i g e n Parteien reinkommen. Daß die r i c h t i g e damit dann die Mehrheit kriegt und die Regierung stellt, ist da- mit natürlich noch nicht ausgemacht. Darum wird sich im Moment bemüht: Die Sache mit dem Wahltermin ---------------------------- Das auf diesem Feld anvisierte Ergebnis sieht - das liegt in der Natur der Sache - unterschiedlich aus: Die CDU will dran bleiben, die SPD will drankommen beim ersten gesamtdeutschen Regieren. Und der Termin fürs Wählen soll dafür den Stoff abgeben. Entsprechend sehen die Fronten aus. Die Ost-CDU hat nach Rücksprache mit der West-CDU die Parole aus- gegeben: so schnell wie möglich beitreten und wählen - 14. Ok- tober! Nachdem doch der Anschluß praktisch sowieso gelaufen ist, so die Begründung, soll er jetzt auch in aller Form vollzogen werden und eine gesamtdeutsche Regierung unverzüglich ihres Amtes walten. Der damit eingenommene Standpunkt ist eindeutig und ent- spricht dem Witz des demokratischen Wählens: "möglichst schnell klare Verhältnisse schaffen", Verhältnisse eben, in denen ein durch nichts behindertes Regieren stattfindet, herbeigeführt durch ein Verfahren namens Wahl, die die Befugnis genau d a f ü r erteilt, für sonst nix. Und da ist man so frei, ein paar "Hindernisse" herbeizuzitieren. Z.B. die vom "Schießbudenfiguren-Kabinett" DDR-Regierung. Gestern noch die "erste, frei gewählte, demokratisch legitimierte" DDR-Regierung, ist sie heute "die Rückkehr der alten Bonzenherrschaft", eine "Schar von Dilettanten", solange jedenfalls bis diese in die BRD- Politikerriege einsortiert ist. Das Parteikalkül der CDU ist ebenso eindeutig und gereicht ihr - so abgebrüht und demokratisch reif ist die westdeutsche Politik- kultur - zur Ehre: eine "geschickte Manipulation mit dem Wahlter- min". Für ein paar absehbare und unausbleibliche soziale Bedenk- lichkeiten der Zonis macht sich ein früherer Wahltermin für die Regierungspartei einfach besser. Diese Spekulation darauf, eine kleine "Manipulation" für ihr erfolgreiches Abschneiden herbeizu- führen, bekommt das demokratische Gütesiegel: "geschickt". So schön kann freier Wahlkampf sein: Der Wähler darf die Überlegun- gen der Partei goutieren, wie sie ihn am geschicktesten verarscht. Ganz entsprechend die SPD. Sie hat sich in Gestalt ihres Reser- vekanzlers Lafontaine schon des längeren dazu entschlossen, auf das enttäuschte Vertrauen von Zoni-Wählern zu setzen und ihr po- litisches Süppchen darauf zu kochen: Der Wähler möge ihr und ih- rem Kandidaten das Vertrauen schenken und nicht dem Kanzler Kohl. "Ein vorgezogener Wahltermin nützt dem Volke nichts", läßt sie verlauten. "Das schafft keinen einzigen Arbeitsplatz". Aber die Wahl am 2. Dezember?! Aber der Beitritt, am besten gestern statt heute beschlossen?! Einerlei. Lafontaine verspricht ja gar nicht, in der gesamtdeutschen S a c h e etwas zu ändern oder anders zu machen - er verspricht, die Schuld dafür, was das neue R e g i e r e n an Schaden anrichtet, dem s c h l e c h t e n Regenten Kohl in die Schuhe zu schieben. Eine schnelle "Panikwahl", um davon abzulenken, nennt er das. Diesen Trick beherrscht die CDU schon lange. Die SPD wolle eine "Wahlpanik" herbeiführen, wenn sie die Wahl hinauszögert, und setze damit ein hohes Gut, das Vertrauen der Neudeutschen, aufs Spiel - so kräht sie zurück. Auf diese Weise hat auch die CDU einen Schuldvorwurf auf Lager, wenns mit dem 14. Oktober doch nicht klappt. Vertrauens- und Schuldfragen, mit sowas seift man Wähler ein, hüben und eben jetzt auch drüben. *** So werden endlich auch die ostzonalen "Brüder und Schwestern" zu wirklich freien Wählern. Endlich können dann alle Deutschen gleich, frei und geheim wählen, was sie wollen - ohne den rei- bungslosen Gang der Politik zu stören. *** "Jetzt habe ich wieder Hoffnung auf Arbeit" - antwortete eine arbeitslose Magdeburgerin auf eine Anfrage der Bild-Zeitung, was der sehr geehrte Zoni-Wähler vom Wahltermin am 14. Oktober hält. "Dann fallen die Preise", meinte ein anderer. Dabei steht von Arbeitsplätzen, die geschaffen werden müssen, weil die Leute von ihnen leben, oder von Preisen, die erschwing- lich sein müssen, damit die Leute sie sich leisten können, gar nichts auf dem Wahlzettel. Dort macht auch ein Zoni sein Kreuz- chen, sonst rein gar nichts. Aber die Befragten tun dem Kanzler, dem aus dem Westen, der auch der ihre werden will, einen Gefallen. Sie plappern etwas nach, was ein Wessi-Wahlkämpfer seit 40 Jahren aus dem eff eff be- herscht: er verspricht, von der Macht im Staate den allerbesten Gebrauch zu machen, und fügt hinzu, das täte er nur, um das Beste für die Menschen herauszuholen. Dabei hat das eine mit dem ande- ren nun wirklich nichts zu tun. zurück