Quelle: Archiv MG - BRD DEMOKRATISCHES-LEBEN WAHLEN - Wählen ist verkehrt!


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       Noch 4 MAZen bis zur Einheitswahl
       
       - und schon ist die Sache gelaufen. Denn:
       

BAYERN UND ZONIS MACHEN ALLES KLAR

Ein paar Prozente mögen ja noch umstritten sein am 2. Dezember. Aber nachdem die Osthälfte des neuen Deutschland sich dermaßen geschlossen für Kohl und seine Union entschieden hat, bestehen am Ausgang der Bundestagswahl endgültig keine Zweifel mehr. Warum das so klar ist? Aus drei Gründen. Erstens ist der Kanzler mit sich unendlich zufrieden, weil in seiner Regierungszeit die deutsche Einheit passiert ist. Das läßt einen demokratischen Wähler nicht unberührt. Wenn sich die Regie- rung an ihrem nationalen Erfolg freut, freut der Wähler sich an seiner Regierung. Pech für die SPD, daß sie gerade nicht dran war. Das ganze ist zwar absurd, aber Patrioten denken eben so. Zweitens gibt es für demokratische Wähler überhaupt kein stär- keres Argument für die eigene freie Wahlentscheidung als Wahler- folge der Typen, die gewählt werden wollen. Ganz in diesem Sinne hat Lafontaine von der SPD sich neulich seinen Genossen mit dem grandiosen Selbstlob empfohlen: "Hier steht einer, der es ver- steht, Wahlen zu gewinnen." Gewonnen hat jetzt aber die Union. Und das überzeugt - jedenfalls Leute, die sogar dann anpaßlerisch und opportunistisch denken, wenn für sie gar nichts auf dem Spiel steht. Sogar wenn sie bloß einer Partei den Gefallen tun und sie wählen sollen, schlagen Demokraten sich am liebsten auf die Seite der erfolgreichen Macht - so als hätten s i e etwas verloren, wenn sie den V e r l i e r e r g e w ä h l t haben. So be- scheuert sind demokratische Wähler. Es gibt aber noch einen besonderen dritten Grund dafür, daß das freie und geheime Wahlergebnis vom 2. Dezember heute schon fest- steht. Dieser Grund ist vor allem in Deutschlands neuer Ostzone wichtig, wo der Wähler noch nicht so geübt ist und immer noch aus alten SED-Zeiten im Ohr hat, daß zu einer Wahl Fortschritte im materiellen Wohlstand verkündet und verheißen werden. Dieser Wäh- ler wird mit folgendem interessanten Gedankengang betört: In der Zone hängt jetzt alles vom Kapital und dessen Investitionen ab; also muß alles für das Kapital und dessen gute Investitionslaune getan werden; also wählt man am besten solche Machthaber, die den heißesten Draht zum großen Reichtum haben: gestandene Experten in Sachen Investitions- und Profitförderung. Das überzeugt - jedenfalls Leute, die ihren "aufrechten Gang" ausschließlich dazu geprobt haben, um sich nach neuen H e r r e n umzuschauen und sich in den Dienst e r f o l g r e i c h e r Macher zu stellen; so als wäre es der schönste e i g e n e Erfolg, wenn man dem Erfolg a n d e r e r dient... was ja irgendwie auch stimmt: M e h r als den Erfolg seiner Chefs und Politiker hat der brav wählende und arbeitende Zoni nicht von seiner Bravheit. Aber s o sehen gute Demokraten das gerade nicht. Die kommen sich als H e r r d e r L a g e und unheimlich geschickt vor, wenn sie den w i r k l i c h e n großen Herren im Land ihre Stimme abliefern. Deswegen kann bei den deutschen Wahlen im De- zember schon mal überhaupt nichts schiefgehen. Und es kann im besonderen für die CDU nichts mehr anbrennen, weil der schlaue Zoni noch nicht weiß, daß die SPD sich in Sachen Ka- pitalfreundlichkeit und Investitionsförderung von keinem Unions- politiker und keinem FDP-Grafen übertreffen läßt. Vorsichtshalber wählt er mit satter Mehrheit die Politchristen, von denen er si- cher weiß, daß das ökonomische Machtmonopol des Kapitals deren oberstes Glaubensbekenntnis ist. Wer da nicht mitwählen möchte... zurück