Quelle: Archiv MG - BRD DEMOKRATISCHES-LEBEN WAHLEN - Wählen ist verkehrt!


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       Das überzeugendste Argument aller Parteien zur Wahl:
       

WÄHLT UNS - FÜR BREMEN!

"Gemeinsam schaffen wir es!" (SPD) verrät Bürgermeister Wedemeier auf einem Wahlplakat einer Oma, mit der er sich fotogen ins Grüne gestellt hat. "Es"? Was denn? Der gute Wedemeier wird weder einer Rentnerin beim Hausputz hel- fen, noch einem Vulkan-Arbeiter den Schweißbrenner hinterhertra- gen wollen. Das Gemeinschaftswerk, von dem die Rede ist, gehört ins Reich der politischen Phantasie und ist deshalb auf dem Pla- kat auch gar nicht zu entdecken. Die pure Einbildung nämlich macht erst aus dem Gegensatz von geschröpften Rentnern und Finanzsenatoren, von Untertanen und Regierung ein Gemeinschafts- unternehmen, bei dem alle am selben Strang ziehen. Wer also weder an die Plackerei zu Hause, noch an seinen mehr oder weniger auf- reibenden Arbeitsplatz denkt, sondern an die "Probleme Bremens", die es zu meistern gilt, der liegt schon goldrichtig. Er muß nur noch den vom Plakattext verlangten Schluß ziehen, daß er d i e s e "Probleme" auf keinen Fall alleine schafft, sondern nur "gemeinsam" mit einer politischen Führung, die ihm sowas überhaupt erst aufträgt. Wedemeier erklärt die Sanierung des Bre- mer Stadtsäckels zum Dauerprogramm, die Bürger dürfen dafür mehr Steuern abliefern und auf Sozialleistungen verzichten - "gemeinsam schaffen wir es". Daß die SPD im Unterschied zu ihren Konkurrenten dafür die passenden Figuren hat, deren Arsch wie an- gegossen im Senatsstuhl Platz findet, muß dem Wähler freilich noch bewiesen werden: "Inhaltlich bestimmen künftig drei Themen die Kampagne der SPD", wovon das dritte das wichtigste ist, nämlich "die Absicht der Sozialdemokraten, wieder die absolute Mehrheit zu erringen." (Weser-Kurier, 12.8.87) Wer die Macht mit solcher Absolutheit w i l l, dem wird sie wohl zu- und gut zu Gesicht stehen. Mehr als diese Frechheit ist tatsächlich nicht an guten Gründen dafür beizubringen, warum der Bremer seine SPD-Rathausliga wie das Salz in der Suppe braucht. Die F.D.P. kann ein Lied davon singen. Ihr ist nämlich auch nichts anderes eingefallen, um den Wähler zu betören. Mutig rufen 17,5 Bremer F.D.P.'ler von ihrem Feldherrenhügel 600.000 offenbar verzagten Bremern zu: "Mit Mut in die Zukunft! Deshalb F.D.P." Dabei wäre es interessant zu wissen, welche Unannehmlichkeiten sich die Liberalen als Möchtegern-Regierung für ihre lieben Bre- mer ausgedacht haben, so daß es den anempfohlenen M u t braucht, um überhaupt durchzuzhalten, statt die Platte zu putzen. Noch interessanter wäre natürlich die Frage, warum man den klei- neren und größeren Härten der liberalen Marktwirtschaft mit muti- gem Durchhaltewillen statt Kritik begegnen soll. Die Antwort auf diese Fragen würde aber nur vom Thema ablenken und schon gar keine Wahlwerbung abgeben. Deswegen unterstellt die Pünktchenpar- tei gleich dem Wahlvolk, was sie von ihm verlangt, den Willen zum unverwüstlichen Optimismus nämlich, um zu beteuern, daß den kei- ner hinkriegt, wenn nicht mindestens ein Jäger oder Sammler aus der F.D.P. im Rathaus herumstreunt. "Deshalb F.D.P." Während die einen ein kregeles Volk in seinem Mut anstacheln, will die C-Opposition Bremen und seine Insassen aus einem Tief- schlaf aufwecken: "Bremen, wach' endlich auf!" (CDU) argumentiert ein gewisser Reinhard Metz mit dem spritzigen Charme einer Schlaftablette. Die Leute haben offenbar verschlafen, wo sie der Schuh drückt: "Das Land Bremen ist fast am Ende, sein Ruf ist schwer angeschla- gen." (Weser-Kurier-Anzeige der CDU) Zwar dürfte der Normalverbraucher kaum wissen, wie es um Bremens Ruf bestellt ist, der als Quelle all seiner Leiden daherkommt. Auf Parteiversammlungen, High-Tech-Messen und Bundespressebällen, wo dieser Ruf gemacht wird, treibt sich ein Elektriker eben nicht herum. Es ist auch gar nicht absehbar, inwiefern Schwierigkeiten des "Landes Bremen" einen Familienvorstand härter treffen als seine eigene knappe Haushaltskasse, die ihn durch "gute" wie "schlechte" Konjunkturen des Stadtstaates begleitet hat. Das al- les macht aber nichts, weil es auf diese hautnahen Probleme des kleinen Mannes ausdrücklich nicht, dafür auf die von Bremen ausschließlich ankommen soll. Und die liegen gewiß nicht so, wie Metz sie an die Wand malt. Bremen wird wohl kaum das ausgemer- gelte, saft- und kraftlose Stück Regierungsmacht sein, als das es hingestellt wird. Sonst wäre der gute Metz nicht so scharf dar- auf, den Laden zu übernehmen: "Wir sind die Regierung von morgen." (Titel der nachgedruckten Wahlrede von Metz) Heute dagegen, und da liegt das wirkliche Problem, sind die Sozis am Drücker. Eine schreiende Ungerechtigkeit: "Eine totale Verfilzung zwischen SPD, DGB und Staat hat dazu ge- führt, daß immer mehr Funktionäre unsere (!) Städte als ihr (!) Eigentum betrachten. Sozialdemokraten sprechen stets von 'unser Bremen'" (CDU-Programm, S. 4) Das leuchtet jedem Heimatidioten ein, das besitzanzeigende Für- wort "unser" ist vor Bremen nur dann glaubwürdig, wenn die 80% eigentumslosen Bremer nach der Pfeife eines CDU-Bürgermeisters tanzen. Darauf kann man sich bei Metz verlassen: "Ein Mann, ein Wort." Depp. Den Unsinn, einen zufällig abgesteckten Regierungsbezirk namens Bremen als Heimat zu schätzen, die Geschenk und Verpflichtung zugleich ist, haben die GRÜNEN auf die Spitze getrieben: "Fifty-Fifty" (DIE GRÜNEN) meinen die Besitzer und Besitzerinnen unterschiedlicher Ge- schlechtsorgane, die sich bei den GRÜNEN zusammengefunden haben. Nicht kritisieren, sondern verzieren wollen sie das niedliche Bundesland mit seinem Wappenschlüssel: Rüstungsschmiede Bremen hin, Arbeitslose her, eine echt gemischte Weiber-Männer-Riege beim "Gestalten" von Wirtschaftswachstum, Cäsiumwerten und Smog- alarm, und schon ist die kleine heimatliche Welt in Ordnung. zurück