Quelle: Archiv MG - BRD DEMOKRATISCHES-LEBEN SPD - Von den noch besseren Deutschen


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       Bremer Hochschulzeitung Nr. 105, 20.11.1984
       
       Zynischer geht's nicht mehr:
       

'UNSERE AMERIKANISCHEN FREUNDE SCHIESSEN, WIR NEHMEN UNSERE VERANTWORTUNG WAHR - UND EHREN DIE TOTEN.' EURE SPD

"SPD: Bremen soll Enrique Schmidt ehren eb. In Bremen wird es demnächst eine nach Enrique Schmidt be- nannte Straße geben - allerdings nicht, wie von der Friedensbewe- gung und den Bremer Jungsozialisten gefordert, vor dem amerikani- schen Konsulat, sondern wahrscheinlich im Universitätsviertel. Die SPD-Fraktion hat nämlich gestern einen Antrag beschlossen, der in der nächsten Sitzung der Bürgerschaft verabschiedet werden soll und in dem die Widmung einer Straße nach dem getöteten nica- raguanischen Postminister gefordert wird. In dem SPD-Antrag wird zwar Kritik am "Interventionismus von Großmächten" geübt - doch zu einer Umbenennung des John-F.-Kennedy-Platzes mochten sich die Sozialdemokraten nicht durchringen. Einerseits habe man sich in Bremen jahrelang um das Generalkonsulat bemüht. Andererseits dürfe die Kritik am Handeln der USA in Lateinamerika nicht den Blick auf die Verdienste John F. Kennedys in der Europapolitik verstellen. Am selben Tag veröffentlichte der Senat einen Brief an das Bremer Friedensforum, in dem der Präsident des Senats sich ebenfalls vehement gegen eine Umbenennung des John-F.-Kennedy- Platzes ausspricht. Koschnick plädiert stattdessen für eine Wid- mung im Universitätsviertel, denn zu der Hochschule habe Enrique Schmidt eine Beziehung gehabt: der Gefallene hat hier promo- viert." Was jeder weiß: die Waffen der Demokratie "säubern" Nicaragua. Was so leicht keiner glauben will: die SPD teilt den Zweck dieses Krieges. Gegen diesen Krieg hat sie nichts unternommen, dafür al- les in ihrer Macht stehende, den Opfern zu "vermitteln", warum sie bestraft werden. Weshalb das so ist, beschließt die nächste Sitzung der Bürger- schaft: der amerikanische Täter zählt zu den besten Freunden auch der Bremer SPD. "Die Verdienste John F. Kennedys" gehen über al- les, nicht nur über Leichen. "Ich bin ein Börlina!", hat er auf Einladung und unter tosendem Beifall von Willy Brandt über die Mauer nach drüben gerufen. Die größte Militärmacht der Welt be- kennt sich zum "Befreiungskampf" gegen die "östliche Unfreiheit", der auf bundesrepublikanisch Wiedervereinigung heißt. Für diesen Feldzug westlicher Freiheit hat Kennedy seinen Viet- namkrieg schließlich angezettelt - die Ehre läßt die SPD dem ame- rikanischen Freund nicht abschneiden. Bei so einem Freund rennt sich unser Bürgermeister jahrelang die Hacken wegen eines Gene- ralkonsulats ab. So einem Freund fällt man nicht in den Rücken, sondern "warnt" ihn vor einem "Interventionsimus von Großmäch- ten". Gemeint sind nicht die gemeinsamen Flottenmanöver der Groß- mächte USA und Europa vor Nicaragua. Gemeint ist die "russische Intervention" in Afghanistan und die "drohende Intervention" der USA in Nicaragua - der laufende Krieg zählt da nicht. "Warnen" will die SPD ihre amerikanischen Freunde davor, daß sich mit ei- ner offenen Intervention die Feindschaftserklärung gegen die So- wjetunion "unglaubwürdig" macht. Nichts ist wichtiger als eine weiße Weste, weil sie "glaubwürdig" diktieren will, wer auf die- ser Welt ein Existenzrecht besitzt und wer seines verspielt hat. Für ihre Glaubwürdigkeit läßt die Partei ein Straßenschild malen: "Enrique-Schmidt-Straße" ist die sozialdemokratische Abkürzung für die Heuchelei, daß diese Partei als Friedensmacht Anerkennung verdient, weil sie nicht den Krieg verherrlicht, sondern seine Opfer ehrt. Natürlich nur ausgesuchte Exemplare: nicht der Feind der USA, als der Enrique Schmidt getötet wurde, wird von den so- zialdemokratischen US-Freunden geehrt. Als Student und Freund de Bremer Hochschule verewigt der Bremer Senat auf einem Straßen- schild einen Mann, der seine Feindschaft gegen die westliche Freiheit mit dem Leben bezahlen mußte. "Denn zu der Hochschule habe Enrique Schmidt eine Beziehung gehabt", zum John-F.-Kennedy- Platz der Bremer SPD nicht. Außer einer feindlichen. Und die wird nicht geehrt, sondern liquidiert. zurück